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Interview ::: Frank Black |
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"Welche Vision? Ich habe keine Vision."
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Juli 2005
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Kurz bevor er 2004 mit den Pixies auf Reunion-Tour ging, reiste Frank Black nach Nashville, um ein Soloalbum aufzunehmen. Begleitet wurde er bei den Aufnahmen für das "Honeycomb" betitelte Werk von einer Reihe legendärer Sessionmusiker, unter anderem den Gitarristen Steve Cropper, Buddy Miller and Reggie Young , den Schlagzeugern Chester Thompson und Anton Fig, dem Bassisten David Hood und Spooner Oldham an den Keyboards.
Das Album ist Frank Blacks bislang ruhigstes und melancholischstes geworden. Die Songs klingen nach Americana und Country und Soul, "Honeycomb" enthält sogar eine Version des Klassikers "Dark End Of The Street". Mit discover sprach Frank Black über seine musikalische Entwicklung, Songwriting, die Wiedervereinigung der Pixies und natürlich über "Honeycomb", das am 18.07. erschien.
?: Dein neues Album hast du nicht mit den Catholics aufgenommen, sondern mit einer ganz besonderen Band. Wie bist du auf diese Idee gekommen? !: Also, es war nicht diese Band, es war diese Stadt. Es gibt einen eigenen musikalischen Standard dort. Es gibt eine lange Reihe von Musikern, die dort hin gefahren sind, um ein Album zu machen, darunter so berühmte wie "Harvest" von Neil Young oder "Blonde On Blonde" von Bob Dylan. Sie gingen nach Nashville, um ein "Nashville-Album" zu machen - was auch immer das bedeutet. Es ist fast eine Tradition. ?: Aber du bist dort mit schon fertigen Songs hingefahren? !: Ja. ?: Und wie war es, mit diesen Musikern aufzunehmen? War es eine andere Art zu arbeiten als mit den Musikern, mit denen du bisher aufgenommen hast? !: Nicht in der Art, wie ich gearbeitet habe, aber in der Art, wie ich mitbekommen habe, wie sie arbeiten. Weil sie so erfahren sind? Ich weiß es nicht. Manchmal ist der junge Typ gut, aber wenn du dir den alten Typ anguckst, wie er das gleiche tut, machst du "Ohhh"! Es ist eine unterschiedliche Qualität. Der junge spielt nett, er ist gut, aber guck dir an, was der alte tut! Manchmal geht es nicht um Frische, sondern um Musikalität. Darum, in der Lage zu sein, frei zu fliegen. ?: Ist diese Platte live eingespielt worden, wie die letzten? !: Sicher, ja. Es gibt ein paar Overdubs, aber hauptsächlich ist sie live eingespielt. ?: Es gibt auf "Honeycomb" einen bestimmten Song namens "The Shrimp Song", der dich in den letzten Jahren zu verfolgen scheint... !: ... Ich habe ihn immer weiter geübt... ?: Was fasziniert dich an diesem Song? !: Mh, ich denke, es ist der Text. ?: Es ist eine einfache Geschichte, die er erzählt!? !: Kennst du die Geschichte? Du hast den Song ja ein paar Mal gehört. Hast du ihn verstanden? ?: Ja, aber... !: Also, was ist deine Interpretation der Geschichte? ?: Meine Interpretation... Es geht darum, Erfahrungen zu machen und darum, dass man manchmal seinen Weg gehen muss, ohne auf den Ratschlag seiner Eltern zu hören. !: Nein nein, es ist dunkler als das. Es geht darum, dass egal wie groß deine Hoffnungen sind, egal wie enthusiastisch du bist - du wirst zerquetscht. Du wirst getötet. Die Welt wird dich aufessen und ausspucken (lacht böse). Das ist düster, aber es wird auf eine lustige Art und Weise erzählt. Das macht es unterhaltsam. Der Song nimmt eine düstere Idee und irgendwie... Es ist ein Weg, Frieden zu machen mit etwas, das dunkel ist. Der junge Shrimp sagt: "Auf Wiedersehen, Mommy, auf Wiedersehen, Daddy! Ich habe da was in der Zeitung gelesen. Da steht, dass ein Boot kommen wird und ich umsonst mitfahren kann bis nach New Orleans! Und sie werden mich in ein teures Hotel bringen und ich werde schöne Frauen treffen." Aber was er nicht versteht: Es ist ein Shrimpfänger, der da kommt, und er kommt, um ihn zu fangen, damit eine Lady in New Orleans ihn aufessen kann. Nun ziehe deine eigenen Schlüsse: Worum geht es in diesem Song? Geht es um Tod? Nun ja, es geht um Tod, aber es geht auch um Optimismus und Realität, darum, was das Leben für einen bereithält. ?: Würdest du insgesamt sagen, dass deine Musik optimistischer oder düsterer geworden ist im Laufe der Zeit? !: Da müsste man eine Inventur machen. Es gibt vierzehn Songs auf der neuen Platte und es waren vierzehn Songs auf "Show Me Your Tears". Du müsstest dir jeden einzelnen nehmen und sagen: Also, in diesem Song geht es um das, in diesem um das, in diesem um das. Ist er düster oder hell? Und dieser? Also, ich weiß es nicht. Ich könnte es dir nicht sagen. Ich habe noch nicht wirklich darüber nachgedacht. ?: Ich wundere mich immer, wenn ich neue Platten von dir höre, über die starke Entwicklung. Wenn man "Honeycomb" mit dem vergleicht, was du auf deinen ersten Soloplatten gemacht hast, vielleicht bis zu "Cult Of Ray", bemerkt man eine riesige Weiterentwicklung. Was hat dich dazu gebracht in den letzten vielleicht zehn Jahren in eine so andere Richtung zu gehen? Was hat dich inspiriert? !: So ist es nicht. Das heißt, ich denke so nicht darüber nach. Wenn du einen Ping-Pong-Ball nimmst und ihn gegen die Wand wirfst, prallt er zurück und trifft hierhin und dorthin. Was ist meine Vision? Ich weiß es nicht. Ich mache einfach weiter. Ich bin eine Schlange. Kennst du chinesische Tierkreiszeichen? Ich bin die Schlange. Die Schlange ist tief unten auf dem Boden. Sie kann nur sehen, was direkt vor ihr ist. Wir vergessen den Ping-Pong-Ball, wir nehmen die Schlange. Die Schlange weiß nicht, wohin sie geht. Ich mein, sie weiß schon, wohin sie geht, aber sie kann nur das sehen, was direkt vor ihr liegt. Der Affe kann auf einen Baum klettern. Er kann eine Vision haben. Das kann die Schlange nicht. Sie fühlt ihren Weg. Wenn du mich also fragst, wohin ich mich bewege: Ich arbeite an einem weiteren Nashville-Album. Ich gehe bald auf Tour mit den Pixies. Was mache ich? "Wo ist deine Vision? Was ist deine Vision?" - Was für eine Vision? Wovon redest du? Welche Vision? Ich habe keine Vision. Ich bin eine Schlange. Ich kann nichts sehen. Ich bin im Gras. Das ist mein Charakter. Das ist meine Persönlichkeit. Andere Leute haben andere Persönlichkeiten. Und sie bewegen sich in ihrer Kunst, wie es ihnen von ihrer Persönlichkeit vorgegeben ist. ?: Vielleicht ist es nur deswegen, weil ich so beeindruckt davon bin, wie du deinen Stil so sehr veränderst, wenn du eine neue Platte machst. Erst Indie-Rock mit den Pixies und inzwischen machst du etwas komplett anderes. Woher hattest du diese anderen Einflüsse? !: Ich denke nicht darüber nach. Über welche Veränderung redest du denn? Lass uns deine Frage jetzt dekonstruieren! Worauf beziehst du dich? Nenn mir ein Beispiel. Und vielleicht kann ich dir dann ehrlich eine Antwort geben. Ich kann dir sagen, also, was da passiert ist, war dies und das. ?: OK. Vielleicht als du die Catholics gegründet hast. Deine ersten Soloalben klingen noch sehr stark nach Indie-Rock mit viel Keyboards und Overdub-Recording... !: ....Richtig... ?: Und dann ist da ein Break. Du nimmst live auf, und man hört Einflüsse von Country und Musik aus den Siebzigern. Und irgendwie verändert sich alles. Würdest du da zustimmen? !: Über welches Album redest du? Entwicklung zwischen welchen Alben? Siehst du, du kannst nicht reden über... Du hast von Country gesprochen, aber wo ist denn auf dem ersten Catholics-Album Country zu hören? ?: OK, die Country-Einflüsse sind deutlicher vielleicht auf "Dog In The Sand"... !: Aber das ist was anderes. Das ist drei oder vier Jahre später. Da ist eine Veränderung. ?: Vielleicht habe ich auch einfach die Möglichkeit, mir die Alben alle direkt hintereinander anzuhören... !: Richtig. Wenn du mich fragst, wie ich mich verändere, weiß ich es nicht. Ich meine, zu "Dog In The Sand" kann ich sagen, dass einer der Gitarristen eines Tages seine Pedal-Steel-Gitarre zur Probe mitgebracht hat. Und so fingen wir damit an, mehr Country zu spielen. So einfach. Ich mein, es gibt nichts, was so einfach ist wie das. Es gibt da keine Vision. Nur ein paar Unfälle. ?: Und die Musik, die du hörst, während du schreibst? !: Vielleicht, vielleicht nicht. Ich habe mir klassische Musik und Jazz angehört, bevor ich "Honeycomb" gemacht habe und es hört sich nicht sehr klassisch an. Also, weißt du was ich meine? Es gibt so viele Faktoren. ?: Und wie ist es jetzt an diesem Punkt, fünfzehn Jahre zurück zu gehen und wieder mit den Pixies zu spielen? Die Pixies haben ungefähr fünf Jahre existiert und dann habt ihr fast fünfzehn Jahre nicht zusammen gespielt. Wie ist es, jetzt zurückzugehen zu dem alten Material und wieder zusammen zu spielen? !: Wie es ist? Es ist großartig! ?: Fühlst du dich immer noch wohl mit dem Material? !: Ja! Wohler als mit jedem anderen Material, weil es so alt ist. Ich habe die Songs immer noch in den Fingern gespeichert. ?: Arbeitet ihr auch an neuen Songs? !: Weiß ich nicht. Das haben wir noch nicht entschieden. ?: Du gehst dieses Jahr mit den Pixies auch auf Tour in Europa, aber ihr spielt nur auf Festivals. Sind auch andere Konzerte geplant? !: Nein. ?: OK. Whow. Ich glaube, wir haben zu jedem Punkt, über den ich sprechen wollte, kurz etwas gesagt. Wo machen wir jetzt weiter? Du hast mein Konzept durchkreuzt (alle lachen). !: Das ist ok. Du musst da nicht reingucken (hält es zu). Rede einfach (lacht). Ich steckte vor kurzem in deinen Schuhen. Ich musste einen berühmten Schriftsteller interviewen. Wir machten das Interview in zwanzig Minuten. Zwanzig Fragen - zwanzig Minuten. Es war zu Ende. "Ah, ich bin durch!" - "Oh, wirklich? Whow!" - "Vielen Dank. Auf Wiedersehen!" Weißt du, das meine ich. I know where you are coming from. ?: Wenn du einen Song schreibst - Ich weiß, die Frage stellt dir jeder - aber es interessiert mich sehr... !: ... Du fragst mich, woher ich meine Ideen kriege? ... ?: Nein, mehr der Prozess selber. In deinen Songs gibt es so viele überraschende Wechsel. Kommst du darauf, wenn du Gitarre spielst? !: Kommt was? ?: Mh, na ja, ich befürchte, es wird doch die Musikalische-Ideen-Frage. !: Wo kommt welche Idee her? Spielst du ein Instrument? ?: Ja, Gitarre. !: OK. Also, was passiert, wenn du dir deine Gitarre nimmst? Überlegst du dir, was du spielen wirst, bevor du sie in die Hand nimmst? ?: Manchmal. !: Ich meine nicht, wenn du schon fertige Songs spielst, sondern wenn du einen schreiben möchtest. Sagst du dir, "ich werde einen Song schreiben und es wird ein Blues"? Vielleicht tust du das, ich weiß es nicht, manche Leute sind so. Aber viele Gitarristen setzen sich einfach in die Küche, nehmen die Gitarre und machen "Nananana"(singt vor sich hin) Eine entspannende, gemütliche Sache. Und nur wenn du zufällig über eine kleine Sache stolperst, die du magst - du merkst es, wenn du es hörst - sagst du dir: "Oh! Was war das, was ich gerade gemacht habe? Oh! Oh!" Und dann wirst du besessen von dieser kleinen Idee und dann wird sie größer und bringt dich auf andere Ideen. Und plötzlich hast du so etwas wie einen Song und ein Arrangement. !: Machst du es auch so mit den Texten? !: Es ist das selbe. Ich singe nicht vor mich hin und denke dann plötzlich: "Ja! OK! Ich werde mir jetzt einen Stift holen. Worüber werde ich schreiben? Ich weiß es nicht. Mist. Ist es in meinem Kopf? Habe ich es irgendwo gefunden? Ist es in einem Buch? Schreibe ich zu Musik? Schreibe ich nicht zu Musik?" Es passiert einfach... Schreibe eine Geschichte! Jetzt! Schreib! In meinem ersten und letzten Journalismus-Kurs, den ich auf dem College besucht habe, weil ich völlig eingeschüchtert war, setzte ich mich hin und der Professor sagte: "Alles klar, schreibt! Ihr habt fünfzehn Minuten, los!" Und ich habe gedacht, "What the fuck, man?" Wirklich: "Schreibt! Schreibt!" That was just the man. Die erste Stunde, die erste Minute. "Guten Tag, Willkommen in diesem Kurs, schreibt!" Weißt du, was ich meine? Und alles, worum es ihm ging, war: Wenn du ein Journalist werden willst, solltest du besser weg kommen über dein (mit weinerlicher Stimme) "Ich weiß nicht. Was soll ich schreiben?" Du solltest das besser überwinden. Denn du wirst schreiben müssen. Und es ist nicht die selbe Art von Druck, wenn du einen Song schreiben musst, weil du keine Deadline von zwei Stunden hast, mit der Story fertig zu werden. Vielleicht hast du eine Deadline von einem Monat oder so. Oder vielleicht gar keine. Ich persönlich mag es, mit Deadlines zu arbeiten. Aber wenn du einen leeren Raum hast, musst du ihn mit irgendwelchen kleinen Sachen füllen - und daraus erwächst es. ?: Du denkst also gar nicht darüber nach, was dich beeinflusst? !: Natürlich macht man das nicht. Du denkst darüber nicht nach. ?: Vielleicht höre ich zu intellektuell zu... !: Ja, du musst Musik spielen! Und das ist auch der Grund, aus dem diese Typen so gut sind auf dieser Platte. Sie leben in der Musik. Sie üben nicht mal! Sie nehmen auf, ohne den Song je zuvor gehört zu haben. ?: Wirklich? !: Ja! Sie sagen nur: "Was sind die Akkorde?" Und sie schreiben sie auf - three - four - boom! So spielen sie Musik. Das ist gut. Sie sind gute Musiker, oder? Könntest du das? ?: Nein. !: Ich weiß nicht, ob ich es könnte. Ich denke nicht. Ich habe das einmal erlebt bei "Teenager Of The Year" mit Lyle Workman. Er hat einen Tag mit uns geübt. Und er hatte ein Chart. Und er ist sehr, sehr gut. Und er war in der Lage, kreativ zu den Songs etwas beizutragen, ohne sie wirklich zu kennen. Das ist nur eine Frage der Erfahrung. Das selbe ist es mit dem Songwriting. Es ist nur eine Frage der Erfahrung. "Wie schreibst du deine Ideen auf? Woher kommen deine Ideen?" Hör auf, darüber nachzudenken! Mach es einfach! Schreib! Schreib! Schreib einfach! Schreibe einen Song! "Wie?" Ich weiß es nicht. Ich will nicht wissen wie. Ich kann nicht sagen: Oh, ich mache es auf diese Art und Weise. Das ist meine Methode: Ich nehme einen harten Bleistift, der acht Inches lang ist und ich benutze diese spezielle Art von Papier und ich mache es nur in den Stunden zwischen dann und dann und ich mache es immer dienstags und ich trage immer mein Lieblings-T-Shirt und ich sitze immer an meinem Lieblingstisch mit meinem Lieblingsgetränk. Manche Leute arbeiten so. ?: Ja, viele deutsche Schriftsteller... !: Klar, ich kann mir vorstellen, dass Schriftsteller das machen. Sie essen immer das gleiche, während sie an dem Buch arbeiten. Jeden Tag essen sie das gleiche Sandwich für dieses bestimmte Buch. Aber bei mir ist das anders. Sag mir, von welchem Song du sprichst. "Wie schreibst du deine Songs?" Über welchen Song redest du? Ich habe zweihundert Songs oder so geschrieben und jeder Song hat seine eigene... Ich würde nicht sagen, dass es zweihundert Methoden waren, aber ich habe sie nicht alle mit einer einzigen Methode geschrieben. Wer schreibt mit einer Methode? Ich weiß es nicht. Ich denke nicht viele. Da ist so viel Zufall dabei, weißt du was ich meine? ?: Ja. !: Macht das Sinn? ?: Ja, macht es. !: Viele zufällige Faktoren sind dabei. Hier ist eine andere Art, darüber nachzudenken: Was ist die Definition von einem Song? ?: Das ist schwer zu sagen... !: Sag's mir! ?: Ein drei Minuten langes Musikstück, das für sich selber steht. Und manchmal ist es perfekt. Wenn es gut ist. !: Hat es einen Text? Instrumentalmusik, oder wovon redest du? ?: Muß keinen haben... !: Aber die meisten haben einen. Richtig? Was ist mit den Texten? ?: Vielleicht, dass sie mich berühren sollten, wenn ich sie höre? !: Richtig. Was müssen sie? Was tuen sie? Sie existieren. Sie sind da. Richtig? Wörter, ein bisschen Musik, richtig? "Words and music by Bob Dylan". Also, einen Song kannst du schreiben wie eine große, riesige Story. Könntest du. Eine große Idee, die du hast. Sie ist groß. Große Ideen in deinem Kopf. (zeichnet einen riesigen Kreis in die Luft). So groß. Aber unglücklicherweise - du hast von einem drei Minuten langen Song gesprochen, oder? Also gibt es da drei Minuten, genau hier (nimmt einen Bierdeckel vom Tisch). Also musst du diese große Idee nehmen - "Oh, darüber schreib ich einen Song!" - und sie in das Format kriegen, mit dem du arbeitest (zeigt auf den Bierdeckel). Drei Minuten. Was also passiert, ist: Das ist ein Loch. Und hier ist das Thema (zeichnet nochmal den großen Kreis) Es ist wie ein Schlüsselloch in einer Tür. Du guckst da durch und das ist der Song. Also wie auch immer du das große Bild organisierst und wo du das Schlüsselloch hin tust (setzt den Bierdeckel an verschiedene Stellen des imaginären Kreises), ist was du aus dem Song machst. Wenn du genau durch die richtige Stelle hereinschaust, wird es ein tolles Bild. Und manchmal wirst du als Hörer sagen: "Oh! Ich weiß, wovon er redet!" Manchmal ist es wie: "Mh, das ist total verwirrend!" Und es könnte sein, dass das, was hinter der Tür ist, komplett unverständlich ist - es gibt vielleicht keine Story! In Wahrheit. Oder vielleicht ist es so: Ich habe alles als Ablenkungsmanöver konstruiert, um dir vorzutäuschen, dass es hier eine Geschichte gibt. Wo auch immer du durch das kleine Schlüsselloch hinguckst, sieht es aus wie eine kleine, nette Geschichte. Hier ist der Anfang und hier ist das Ende. Aber in Wahrheit ist es vielleicht alles Nonsens, du merkst es nur nicht. Oder vielleicht ist es die Geschichte meines Lebens. ?: Dann musst du dich darüber wundern, was manchmal Leute aus den Pixies-Songs heraus interpretieren, was sie alles in diesen Songs hören. Zum Beispiel in Internetforen. !: Ja, klar. ?: Interessant, dass du sagst, dass die Texte manchmal so klingen, als hätten sie einen Sinn, aber in Wahrheit keinen haben. !: Es muss gut schmecken. Manchmal ist es etwas sehr Festgelegtes, dieses spezielle Gericht, das immer gleich gemacht wird. Es besteht aus diesem und jenem - traditionelles Gericht aus diesem Teil Deutschlands. Es kann aber auch anders sein: "Hey, ich hatte nichts mehr zu Essen im Haus, alles was noch da war, waren ein paar Kekse und ein paar Tomaten - und es schmeckt sehr gut!" Machst du das manchmal? Du bist arm, da bin ich sicher. Armer junger Mann in einer Wohnung in der großen Stadt. Macht einen Kartoffelkuchen oder so was. Du machst etwas aus dem, was du da hast. Manchmal schmeckt es richtig schlecht, manchmal sagst du: "Hey! Das ist ja richtig gut!" So ist Songwriting. Lass uns einen Country & Western-Song schreiben! Du kennst das: Junge trifft Mädchen, Mädchen verlässt ihn oder so etwas. Es ist etwas, auf das du einfach kommst, das eine lange Tradition hat. Es ist formelhaft. So wie Bratwurst formelhaft ist. Es ist eine sehr festgelegte Sache. ?: Das war es, was ich gemeint habe, als ich sagte, dass du in so vielen verschiedenen Stilen geschrieben hast. Ist es so, dass du dir einen Stil wie Country & Western nimmst und dann guckst, was du daraus machen kannst? !: Nein, ich nehme die kleine gute Idee. Das leere Papier mit der kleinen guten Idee, da beginnt es. Sie beginnt, etwas zu suggerieren. "Das suggeriert Country & Western. Lass uns das versuchen. Lass uns gucken, wohin uns das bringt... Das gefällt mir nicht, lass uns zurückgehen. Lass uns etwas anderes versuchen." Auf diese Art machst du es. Insbesondere - ich habe das nicht oft gemacht -, wenn man einen Song mit einer anderen Person zusammen schreibt. Du beginnst so: "Was ist unsere Idee? Von hier beginnen wir, uns zu bewegen." Dann probierst du etwas aus. "Nein nein. Lass uns das zurücknehmen. Was unsere ursprüngliche gute Idee?" - "Ah Mist. Lass uns nochmal anfangen." "OK. Whuu!" Es geht darum, zu fühlen, sich treiben zu lassen. So arbeite zumindest ich. ?: Nun zu etwas anderem. Das ist auch eine Standard-Interview-Frage, die mich aber auch interessiert: Die Musik, die du gerade machst, ist so weit weg von den Stilen, die in den letzten Jahren kamen und gingen, dass ich mich frage, welche neue Musik oder welcher neue Künstler dich in den letzten Jahren beeindruckt hat? !: Ich weiß es nicht. Ich vergesse immer, was ich sagen soll, wenn ich diese Frage höre. ?: OK. Was war das letzte, was dich beeindruckt hat? !: Ich kann mich nicht erinnern. Ich höre nicht viel zeitgenössische Musik. Ich mag das neue Beck-Album, aber er ist ja schon länger bekannt, also weiß ich nicht. Zählt Beck? ?: Natürlich. !: Dabei mochte ich das Album nicht, als ich es das erste Mal gehört habe. Ich dachte, es ist ein bisschen langweilig. Aber am nächsten Tag habe ich es nochmal gehört und dachte, "Mh, nicht schlecht". Und dann hörte ich es in einem Café und dachte: Ich kenne diese Platte. Sie ist cool! Es ist die neue Platte von Beck! Also, ja, ich mag sie. ?: OK. Vielen Dank für das Interview. !: Das Gespräch hat mir Spaß gemacht. Entschuldigung, dass ich dir eine so schwierige Zeit beschert habe.
Arne David
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