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  Interview ::: Cypress Hill
Review

Speed is the thing

Oktober 1998

Speed? Sind die Marihuana-HipHop-Apostel neuerdings auf Drogen-Abwegen? Anstatt Kiffer-Songs jetzt LSD-Trips? Don't panic, drogentechnisch ist bei Cypress Hill alles beim Alten geblieben. Bobo schafft immer noch sechs Joints in zehn Minuten und im Dunst der Nebelschwaden wird an einem Interview-Tag nicht nur die Sicht immer unklarer. Daher mutet es schon merkwürdig an, wenn ein in Zeitlupe agierender B Real erzählt, dass Cypress Hill für die neue Platte "IV" das Tempo angezogen hätten. Was mag über DJ Muggs gekommen sein, als er mit den Aufnahmen zum vierten und bisher besten Album von Cypress Hill startete? Noch nie schrieb er soviele Uptempo-Songs für ein Album, nie war er abwechslungsreicher und vielseitiger. Unglücklicherweise scheint ihm seine Kreativität auf den Magen geschlagen zu sein, erst kurz vor Interviewbeginn kam er von einem Arztbesuch zurück. Das Einzige, was an diesem Tag aus seinem Mund kam, war lediglich der Klospülung zugänglich und sollte aus naheliegenden Gründen nicht näher erörtert werden. Den Unterschied zwischen holländischem Power-Dope und Ami-Gras erfuhr Bobo bei einem Dauer-Selbst-Experiment. Seine Gesprächsbereitschaft tendierte zwischen null und Zwischenrufen wie "We are number one. We will always be number one." Dann doch lieber das Schweigen im Walde. Sen-Dog demonstrierte zwar höfliche Aufmerksamkeit war aber in der Hauptsache damit beschäftigt, die Joints für Bobo zu basteln. B Real sprang in die Rede-Bresche und sorgte dafür, dass der Promo-Tag wenigstens zu einem kleinen Teil seinem Namen gerecht wurde. Doch um die mäßige Quote eins von vier akzeptabel anzuheben, musste er mindestens für drei reden. Das tat er dann auch halbwegs und so erfuhr ich doch noch einigermaßen brauchbares über den "neuen" Trip von Cypress Hill.

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?: Du hast vor kurzem gesagt, dass du dir für Cypress Hill ein ähnliches Image wie Black Sabbath wünschst. Wie darf man das verstehen?
!: Ich habe nur unser Image verglichen. Cypress Hill umgibt meiner Meinung nach die gleiche dunkle Mystik wie Black Sabbath, das habe ich gemeint. Wir wollen, dass uns dasselbe Mysterium umgibt, deswegen kann man auf unseren Fotos auch die Gesichter nicht erkennen und deswegen schreiben wir auch unsere Namen nicht ins Booklet. Wir wollen unsere Musik für uns sprechen lassen und alles, was davon ablenken könnte, unwichtig oder geheimnisvoll erscheinen lassen. Wir sind auch große Black Sabbath-Fans, aber wir wollen nicht exakt das gleiche Image haben.
?: Also wird es in Zukunft wohl keinen "Cypress Bloody Cypress"-Song geben?
!: Warum sollen wir eines Tages nicht einen "Cypress Bloody Cypress"-Song machen. Man kann nie wissen. Sowas ist immer möglich.
?: Mit eurem neuen Album "IV" bringt ihr durch die hohe Zahl an Uptempo-Nummern eine neue Facette in euer Image. Dadurch klingt das Album aber längst nicht mehr so dark wie noch sein Vorgänger "III Temples Of Doom". Durchkreuzt ihr damit nicht eure eigenen Pläne nach einem dunklen, mysteriösen Image?
!: Wir wollten ein Album machen, das sich total von unseren vorherigen drei Alben unterscheidet. "IV" klingt nicht nur anders, auch textlich greifen wir hier völlig neue Themen auf, über die wir uns früher keine Gedanken gemacht haben. Dennoch glaube ich, dass es noch nach Cypress Hill klingt, und so lange die Musik für uns spricht und wir unsere Masken aufbehalten, erhalten wir uns das Mysterium. Das Image soll nur die Band betreffen, nicht unsere Musik. Musikalisch sollten uns die Leute von einer anderen Seite kennenlernen, ich denke, mit "IV" haben wir unser Spektrum um ein großes Gebiet erweitert.
?: Kannst du dieses "Gebiet" genauer definieren?
!: Das Auffälligste wird wohl das Tempo sein. Das letzte Album war wohl das langsamste der gesamten HipHop-Historie. Es hatte zwar leichte Uptempo-Momente ist aber nicht mit "IV" zu vergleichen. Das ist unser radikalster Tempo-Wechsel bisher.
?: Kannst du ein paar Gründe nennen, warum ihr mehr Uptempo-Songs gemacht habt?
!: Unser erstes Album entsprach dem Sinn nach in etwa dem jetzigen Album. Es hatte auch so viele verschiedene Tempi, Rhythmen und verschiedene Reimstile. "IV" ist zwar nicht dasselbe Album, entspricht aber einem ähnlichen Gefühl. Wir wollten wieder verschiedene Musikstile einbauen, mehr Funk, schnellere Rhythmen, "IV" ist quasi eine Reminiszenz an unser erstes Album. Wir hatten wieder denselben Spaß wie früher und wollten das auch rüberbringen. Ein weiteres langsames Album hätte einfach nicht unserer Stimmung entsprochen.
?: Woher kam dieser Stimmungswechsel innerhalb der Gruppe?
!: Das ist schwer zu erklären. Wir hatten sicherlich in den letzten Jahren, gerade bei "Black Sunday" und "III Temples Of Boom", kein besonderes Stimmungshoch.
?: Warum? Was lag euch denn so schwer im Magen?
!: Das Schlimmste war der Druck, den die Plattenfirma auf uns ausübte. Ständig sollten wir Alben veröffentlichen, obwohl wir eigentlich gar nicht bereit dafür waren.
?: Erklärt das die Veröffentlichung der "Unreleased & Revamped-EP" 1996?
!: Zum Teil. Wir wussten, dass es etwas dauern würde, bis wir genug und gutes Material für unser reguläres viertes Album am Start hätten. Daher entschlossen wir uns, dieses Remix-Material auf einer EP aufzunehmen. Um zu zeigen, welchen Einfluss Cypress Hill auf andere HipHop-Kollegen hat und um ein paar Club-DJ's glücklich zu machen. Das war die Absicht hinter "Unreleased & Revamped".
?: Mitte der Neunziger Jahre verlor sich der HipHop in übertriebenen East- und Westcoast-Kleinkriegen. Da wurde eine Menge schmutziger Wäsche gewaschen bis es schließlich auch zwei prominente Tote zu beklagen gab. Vor allem der Gangsta-Rap kam ins Gerede und spielt heute kommerziell auch nur die zweite Geige hinter den aalglatten Produktionen eines Puff Daddy oder Pappa Bear. Welche Rolle spielte Cypress Hill in der Zeit und wo seht ihr euch heute?
!: Mit unseren ersten beiden Alben haben wir eine HipHop-Revolution eingeleitet. Danach gab es eine Menge Nachahmer, viele versuchten, uns zu kopieren. Das hat uns alles kalt gelassen. Obwohl manche neue Bands waren auch so gut, dass wir uns freuten, wenn sie uns als ihre Vorbilder angaben. Das ganze Gerede um West- und East-Coast-HipHop hat uns nie besonders interessiert. Cypress Hill war auch niemals Bestandteil dieser Diskussion. Wir machten unser völlig eigenes Ding, vielleicht war "Temples Of Boom" auch zu dark, um Nachahmer zu animieren. Mit "IV" denke ich, geht die Revolution weiter. Damit bringen wir den HipHop wieder dahin, wo er einmal war. Wir vollziehen diese Drehung bewusst, weil sich alles verändern muss. Wir hoffen, dass "IV" die Sichtweise der Leute verändert, denn wir haben ein Album gemacht, das zu diesem Zeitpunkt wohl niemand von uns erwartet hätte. Ich finde, es ist ein großes Album geworden, mit Zeugs drauf, das zur Zeit kein anderer macht. Der Sound klingt nicht wie jeder andere, die Reimstile unterscheiden sich, es ist radikal anders als die meisten Alben heutzutage. Und diese Radikalität macht es zu einer neuen HipHop-Revolution.
?: In welche Richtung soll diese Revolution denn führen. Was muss denn deiner Meinung dringend geändert werden?
!: Es ist nicht nur meine Meinung, sondern die der meisten Menschen, die sich für HipHop interessieren, dass etwas verändert werden muss. Die Veränderungen, die zuletzt stattgefunden haben, waren Schritte in die falsche Richtung, es waren schlechte Veränderungen. Ich hoffe, dass wir mit "IV" diesen Prozess wieder umkehren können.
!(einzige Antwort von Bobo): Wenn du etwas über unsere Rolle in der HipHop-Landschaft wissen willst, dann sage ich dir, welche Rolle wir spielen. Es ist dieselbe, die Michael Jordan spielt. Wir sind die Größten, die Nummer Eins. Wir sind die neuen Pioniere, die neue Pionier-Generation.
Soviel zu Bobos produktiven Diskussions-Beiträgen, die er meinte, noch zwei-, dreimal wiederholen zu müssen. Eigentlich spricht man gerade HipHoppern eine starke Tendenz zum Dissen von Kollegen zu. Doch aus Cypress Hill auch nur einen Namen rauszukriegen, wen B Real denn jetzt für diese schlechten Veränderungen verantwortlich macht, war unmöglich. Auch ganz konkrete Angaben zu den Veränderungen machte er nicht mehr.
?: Der Vergleich mit Michael Jordan kann nicht euer einziger Stellenwert sein, kannst du eure Rolle noch näher definieren?

!: Originalität spielt die größte Rolle bei Cypress Hill. Wir wollen nicht diesen leichten Weg gehen, der daraus besteht, alte Hits auszugraben und nur einen Rap drüberzuhauen. Die HipHopper, die sowas fabrizieren sind keine Musiker. Das sind Geschäftemacher, die nur verkaufen wollen. Die scheren sich einen Dreck um den wahren HipHop, seine Historie und sie treten die eigentliche Aufgabe des HipHop mit Füßen. Auf MTV gespielt zu werden, ist die einfachste Sache der Welt, sowas ist keine Herausforderung für uns. Wir machen unsere eigenen Songs, die keinen Bezug zu Songs von irgend jemand anderem haben müssen.
?: Allen Revolutionen zum Trotz findet sich auf "IV" das urtypische Cypress Hill-Thema, bei dem es um die Legalisierung und den Umgang mit Drogen geht. Das scheint eure zentrale Message zu bleiben.
!: Nein, das glaube ich nicht. Ganz ohne Frage ist ein Song wie "Dr Greenthumb" ein typisches Cypress Hill-Stück. Aber wir haben oft genug "I Wanna Get High" gesungen, wer es jetzt immer noch nicht kapiert hat, dem ist nicht mehr zu helfen. Wir schlagen jetzt subtilere Wege ein, aber wer uns kennt weiß, dass wir den Legalize It-Fight niemals aufgeben werden. Das ist der Motor von Cypress Hill, das treibt uns und unsere Musik an. Die Message ist dabei zweitrangig geworden, wir leben es den anderen einfach vor. Zuviele Bands haben unseren Legalize It-Fight dazu benutzt, um Platten zu verkaufen, sie haben uns für ihre materiellen Zwecke missbraucht. Für uns ist das aber keine Marketing-Geschichte, es ist ein Teil unseres alltäglichen Lebens.
?: Und kein kleiner Teil wie ich sehe. Habt ihr denn den Eindruck, seit Beginn eurer Karriere mit eurer Legalize It-Kampagne einen Schritt weitergekommen zu sein? Kannst du mir zählbare Ergebnisse nennen?
!: Wir brauchen keine zählbaren Ergebnisse, Fakten dienen unserer Sache nicht. Die Tatsache, dass Marihuana von immer mehr Menschen in allen Gesellschaftsschichten geraucht wird, taucht in keiner Statistik auf. Dennoch ist es Fakt. Für uns ist Marihuana so selbstverständlich wie Pinkeln gehen. Darüber redet man ja auch nicht den ganzen Tag. Wir müssen darüber auch nicht mehr reden. Deshalb ist es auch nicht mehr zentrales Thema bei uns. Es ist lediglich ein Thema. Eigentlich ist es nicht einmal ein Thema. Es ist ein Teil unseres Lebens. Wenn es ein Thema wäre, dann wäre es auch ein Reklametrick. Aber als Bestandteil deines Lebens kommt es ganz natürlich rüber, das wirkt auch überzeugender.
?: Willst du überhaupt jemanden überzeugen? Wollt ihr nicht vielmehr demonstrieren? Eure Light Another-Posen bei Cypress Hill-Konzerten sind doch eher demonstrativ als argumentativ.
!: Zuerst musst du ins Bewusstsein der Leute gelangen. Die Menschen müssen wissen, dass es dich gibt und sie müssen genau sehen, was du tust. Dann fangen sie erst an, sich mit dir und dem, was du tust, auseinanderzusetzen. Unser größter Erfolg besteht darin, den Leuten die Wahrheit über Marihuana zu erzählen, die bisher noch nicht viel darüber wussten. Menschen mit vorgefaßten Meinungen erreichen wir sowieso nicht. Wenn sich Konzertbesucher fragen, "Hey, was macht der denn da? Das ist doch verboten, warum tut der das trotzdem?" dann ist unser Ziel schon fast erreicht. Denn dann sind wir ins Bewusstsein gelangt und brauchen keine Überzeugungsarbeit mehr zu leisten. Bevor jemand Marihuana raucht, sollte er sich mit der Thematik auseinandergesetzt haben und verstehen, was er da macht. Aber wir wollen niemanden zum Rauchen verführen, die Menschen sollen nur die Problematik in ihrem vollen und vor allem wahren Umfang verstehen lernen. Ob jemand dann Marihuana rauchen will oder nicht, ist seine Sache. Ich glaube, in diesem Prozess, der immer mehr Leute erfasst, haben wir eine ganz gewichtige Rolle gespielt.
?: Dann fühlst du dich nicht als ein Dope-Messias?
!: Ganz bestimmt nicht. Ich bin nur ein Mitglied einer HipHop-Band, der es hoffentlich gelingt, ein paar Menschen durch ihre Musik die Wahrheit zu lehren. Vielleicht werde ich noch der Messias wenn ich vierzig bin.

Ralph Buchbender


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