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  Interview ::: Erasure
Review

Nie wieder anderer Leute Lieder singen

März 2005

Oder: Die Rückkehr von Erasure mit eigenem Material 

Hamburg - Die Tournee läuft bereits auf Hochtouren, etliche Konzerte - so auch die Gastspiele in Berlin und Dresden - sind bereits ausverkauft. Spektakulär hat sich das britische Pop-Duo Erasure zurückgemeldet - mit einem Erfolg in den Single-Charts ("Breathe"), einem grandiosen Album ("Nightbird") und nicht zuletzt rauschenden Auftritten, die Sänger Andy Bell und Sound-Ingenieur Vince Clarke (44) schlicht und selbstbewusst "The Erasure Show" betitelt haben. Mit Andy Bell (40) sprachen Tom Gosses, Jens Höhner und Stefan Péntek in Hamburg.

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?: Bestimmt bist du sehr aufgeregt, weil mit "Nightbird" jetzt endlich wieder ein waschechtes Erasure-Album erschienen ist...
!: Ja, richtig, ich bin sehr aufgeregt. Im Moment aber auch furchtbar müde.
?: Vince hat mal gesagt, dass euch die Arbeit an "Other People's Songs" und der Blick auf die Arrangements anderer Künstler sehr geholfen habe, zum eigenen Songwriting zurückzufinden. Gibt es also einen Einfluss von der Arbeit an "Other People's Songs" bei "Nightbird"?
!: Nein, so etwas habe ich persönlich nicht festgestellt. Ehrlich gesagt, mich hat "Other People's Songs" sehr schnell gelangweilt. Und ebenso wenig hat es mir gefallen, diese Stücke live zu singen - ich kam mir vor wie ein Betrüger. Überhaupt dieser ganze alte Krempel: erst "Other People's Songs", dann das Acoustic-Album - wieder mit alten Sachen -, dann das "Hits!"-Album und der "Oh L'Amour"-Remix... Wir wollten endlich wieder etwas Neues machen.
?: Also war der "Oh L'Amour"-Remix als Single-Auskopplung aus dem "Hits!"-Abum von 2003 nicht eure Idee?
!: Oh nein, ganz sicher nicht. Wir wollten damals schon etwas Neues veröffentlichen. Trotzdem haben wir in dieser Zeit nicht unbedingt hart gearbeitet und nicht immerzu daran gedacht, eine Hitsingle zu schreiben. Bei "Cowboy" und "Loveboat" haben wir uns damals viel zu sehr unter Druck gesetzt. Und das hat uns letztlich nur mittenrein in die Versenkung geführt.
?: Der Druck damals muss immens gewesen sein.
!: Oh ja.
?: Hast du diesen Druck bei "Nightbird" nun auch gespürt? Musste "Nightbird" ein solcher Erfolg werden?
!: Nein, dieses Album haben wir wirklich nur für unsere eigene Zufriedenheit geschrieben. Und was sehr schön ist: Ich fühle mich heute erfahren genug, um mit allem umzugehen. Und wir müssen nicht mehr betteln. Mit "Other People's Songs" hinauszugehen, das war einfach schrecklich. Ganz schlimm!
?: Aber das Album war doch deine Idee, du hast es nicht anders gewollt?!
!: Ja, ja, ja, ihr habt Recht! Es war meine Idee, wie schrecklich. Und ich verspreche: So etwas mache ich nie wieder!
?: Wie war denn die Arbeit in New York? Ihr habt früher ja gerne in Dublin oder auch in deinem Haus in Spanien eure Songs geschrieben. "Nightbird" ist so zu sagen ein amerikanisches Album. Hat dich die Stadt inspiriert?
!: Wir haben in Vinces Haus in Brooklyn gearbeitet. Und das war eigentlich eine Situation wie diese hier gerade: Man ist einfach nur in einem Raum. Aber es war toll, nach der Arbeit in New York auszugehen, in die Bars und in die Clubs. New York ist ohne Frage ein aufregender Ort. Und, ehrlich gesagt: Wenn ich abends ausgegangen bin, dann singe ich danach einfach viel besser. Ich bin dann nicht gelangweilt. Wenn ich gelangweilt bin, kannst du meinen Gesang vergessen.
?: Die Vocals bei "Because Our Love Is Real" klingen sehr lebensnah, weil deine Stimme heiser klingt. Sind dies die unbearbeiteten Demo-Aufnahmen?
!: Nein, ich war bloß mal wieder erkältet, bekam Medikamente, Antibiotika und so. Wir haben den Gesang Stück für Stück aufgenommen, weil wir die Arbeit immer wieder unterbrechen mussten. So haben die Aufnahmen fast einen ganzen Monat gedauert. Wenn ihr bei "Breathe" genau hinhört, werdet ihr auch da feststellen, dass meine Stimme heiser klingt. Aber gerade das mag ich: So klingt der Song ehrlich. So habe ich mich angehört, als der Song produziert wurde. Das gibt dem Ganzen Leben.
?: Der Gesang auf dem Album klingt ganz anders im Vergleich zu den früheren Alben. Deine Stimme wirkt sehr eingebunden, wie ein eigenständiges Instrument. Hast du bei der Produktion darauf Wert gelegt?
!: Irgendwie schon. Als das Album abgemischt wurde, war Vince gar nicht dabei. Ich bin jeden Tag ins Studio gegangen, um dabei zu sein. Eingemischt habe ich mich in diese Arbeit jedoch nicht, doch wollte ich sicher sein, dass alles schön fließt. Es sollte alles wie ein Ganzes klingen.
?: Wie viele Stücke habt ihr für "Nightbird" geschrieben?
!: 15. Von den bislang nicht veröffentlichten sind aber nur zwei fertig produziert worden. Eines davon ist auf der nächsten Single, "Don't Say You Love Me", zu finden. Aber ich weiß nicht, ob diese beiden Stücke gut sind. Ehrlich gesagt: Ich finde sie ziemlich schlecht.
?: Du hast "Breathe" schon erwähnt. Den Song gab es, ähnlich wie "Oh L'Amour" in der 2003-er Version als digitale Single, als Download. Was hältst du von solchen Aktionen?
!: Keine Ahnung! Ich habe erst sehr kurzfristig vor dem Start überhaupt erst davon erfahren erfahren, dass wir just eine Digital-Single veröffentlichen würden. Uns hat keiner Bescheid gesagt, jedenfalls niemand von offizieller Seite. Mich hat ein Fan, aus Spanien oder Mexiko, überhaupt erst auf diesen Download aufmerksam gemacht. Schlecht finde ich das nicht. Aber ich war sehr besorgt, als man uns vor einiger Zeit sagte, dass "Nightbird" bereits in den Internet-Tauschbörsen zu haben sei. Zurück zur digitalen Single: Wenn wir etwa nicht im amerikanischen Radio gespielt werden, so können die Leute den Songs trotzdem hören - das ist toll. Auf der anderen Seite: Wenn die Leute "Breathe" bereits besitzen, werden sie dann noch mal losgehen und sich die CD kaufen?
?: Warum wurde "Don't Say You Love Me" als nächste Single ausersehen?
!: Dabei hat man allein ans Radio gedacht. Als erste Single war übrigens "I Bet You're Mad At Me" geplant - eine völlige Katastrophe, weil sich dieser Song so langsam entwickelt. Als Single ist er nicht gut. Da würde das Stück untergehen.
?: Was geschieht eigentlich mit eurem Acoustic-Album, das du eben schon erwähnt hast?
!: Es soll vielleicht zu unserem 20-jährigen Bandbestehen erscheinen. Und ich möchte immer noch einige Acoustic-Konzerte spielen, und zwar im Anschluss an die kommende Tour. Die Arbeit daran war jedenfalls fantastisch.
?: Wie hat sie sich denn von der Arbeit an einem normalen Erasure-Album unterschieden?
!: Ich denke, dass der Gesang einfach besser ist, weil die Stimme so viel mehr Raum hat.
?: ...und ein Solo-Album hast du zwischendurch ja auch noch geschrieben!
!: Yeah! Das sind inzwischen fast 20 Songs. Es ist jetzt fertig und erscheint nicht bei Mute. Die wollten da lieber erst mal "Nightbird" abwarten. Überhaupt ist das alles gerade sehr seltsam - man weiß ja nicht, was passiert, seitdem die EMI Mute übernommen hat. Denen würde ich schon mal gerne ordentlich in den Hintern treten!
?: Ist der Druck für euch größer geworden, seitdem Mute zur EMI gehört?
!: Ich weiß nicht mal, wer die EMI ist - diese Menschen sieht man nie. Aber man hört von ihnen - und von den Entlassungen, die sie zu verantworten haben. Viele Bands wurden fallen gelassen. Vince und ich haben außerdem keinen Vertrag mit denen, wir gehören somit nicht zu EMI. Aber sie haben unsere Mastertapes an sich genommen. Welches Recht haben sie dazu? Das war alles schon sehr seltsam damals, als Daniel Miller anrief - noch bevor das mit der EMI überhaupt bekannt wurde. Er sagte, er sei froh uns mitteilen zu dürfen, dass Erasure ein Teil der EMI sei und zu den zukünftigen Projekten gehöre... Sollen wir jetzt also dankbar sein? Was tun die denn für uns? Wir haben versucht, unsere Mastertapes zurückzubekommen - vergebens. Daher möchte ich, dass mein Soloalbum bei einer anderen Plattenfirma erscheint. Ich habe das Album Daniel Miller vorgespielt, der dann auch einiges dazu gesagt hat. Aber er hat nie wieder danach gefragt - ein weiterer Grund, damit lieber zu einem anderen Label zu gehen. Außerdem hat Mute Goldfrapp Moby und Depeche Mode, die auch an neuem Material arbeiten. Für mich gibt's dort keinen Platz! Da gehe ich unter.
?: Du hast einen Namen in der Branche - wie sucht man da nach einem Plattenlabel? Verschickst du wie früher Demo-Tapes?
!: Ja, beinahe. Aber die Jungs von Manhattan Clique, insbesondere Philip Larsen, arbeiten selbst in der Musikbranche - Philip ist bei CBS. Dann gibt es noch Sanctuary, Alison Moyets aktuelles Label, Universal, BMG - eine ganze Menge also. Und das Interesse, das man meinem Album gerade entgegenbringt, ist sehr groß.
?: Ihr geht zum Glück auch wieder auf Tour. Auf Stücke von "Other People's Songs" müssen wir uns nach all dem, was du eben gesagt hast, wohl nicht einrichten. Oder?
!: Vince hat "Solsbury Hill" und "Come Up And See Me (Make Me Smile)" fertig gemacht, aber die will ich nicht singen.
?: Richtige Entscheidung! Schließlich habt ihr so viele eigene Sachen...
!: Vince hat mir insgesamt 27 Stücke zugeschickt! Und ich kann euch sagen: Ich konnte danach nicht mehr schlafen! Die Musik ist so verdammt gut. Vince hat ja alle Stücke neu aufgearbeitet, neu arrangiert.
?: Du freust dich sicher auf die Tour. Aber Vince? Ist er auf der Bühne immer noch so besorgt wie früher, dass alles glatt geht?
!: Ganz sicher. Damit wird er wohl nie aufhören. Trotzdem konnte ich ihn ja zum Rappen beim Blondie-Song "Rapture" überreden. Er wollte erst nicht, wollte, dass es Ann-Marie und Val, unsere beiden Backgroundsängerinnen, machen. Aber ich habe ihm gesagt: Du bist auf der Platte, also rappe selbst.

Jens Höhner


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