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  Interview ::: U2
Review

Goldene Zitrone für Bono

vor 2001

PopMart-Tour-Weltpremiere in Las Vegas

Dass U2 die zur Zeit wohl größte Rockband des Planeten Erde darstellen, wurde mir schnell klar. Zu welchem Rock-Konzert würden schon Demi Moore, Robert De Niro, Pamela Anderson, Dennis Hopper, TV-Herkules Kevin Sorbo, Sigourney Weaver, Bruce Willis, Mel Gibson, James Caan oder Wynona Ryder in geballter Form auflaufen? Das Aufgebot an Stars und Sternchen spiegelt die Bedeutung U2s im Show-Biz wider, was passte also besser, als ein bevorstehendes revolutionäres Konzert-Ereignis in der Paradiesvogel-Stadt Las Vegas stattfinden zu lassen? "Las Vegas ist die einzige Stadt der Welt, in der sich niemand über eine zwölf Meter große Zitrone aufregt", begründete Bono den Start der U2-PopMart-Tour 1997/98 im Spielerparadies in der Wüste Nevadas. Denn eine riesige goldene Zitrone stellt eine der Bühnenattraktionen dar, die Bono und Co. im Rahmen ihrer aufwändigen Show darbieten.

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"PopMart wird drei- bis viermal so aufwändig wie unsere letzte Zoo-TV-Tour", versprach Bono im Vorfeld und ließ Worten Taten folgen. Die größte transportable Videoleinwand der Welt zeigt Pop-artiges von Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Keith Haring und anderen Pop-Art-Künstlern, wenn nicht gerade Band-Mitglieder in überdimensionaler Größe gezeigt werden. Überdimensional auch der gelbe Bogen, rund 30 Meter hoch ragt er wie ein halbes M einer Hamburger-Kette in den Himmel und trägt an seiner Spitze orange-farbene Boxen, die in Form einer halben Apfelsine angebracht sind, das Markenzeichen der amerikanischen Supermarkt-Kette K-Mart, wo U2 in New York im Februar anlässlich einer Pressekonferenz einen ganz besonderen Promo-Gig spielten. "Wir hatten nie einen Sponsor für unsere Tourneen, weil Sponsoren immer irgendwelche Forderungen stellen. Wer Geld gibt, will auch etwas dafür haben. Die komplette PopMart-Tour kostet uns am Tag eine viertel Million Dollar, egal, ob wir spielen oder nicht. Das ist viel Geld und wir würden uns natürlich freuen, wenn wir jemanden finden würden, der uns dafür Geld gibt. Aber er darf keine Forderungen stellen."

Die ganze Bühnendekoration stellt eine Mischung aus Supermarkt und Open-Air-Disco dar, ein Appell an ein Lebensgefühl, das immer mehr Menschen befällt. Konsumgeilheit und Fast-Food-Mentalität beherrschen gerade den Alltag der Amerikaner, dessen "Errungenschaften" von der "alten" Welt nur allzu gern unkritisch übernommen werden. Und gerade diesem Lebensstil wollen U2 den Spiegel vorhalten und karikieren sich dabei selbst. "Ein Stadion-Konzert ist immer etwas Großes, die Leute, die ein Stadion-Konzert besuchen, wollen etwas Einmaliges, etwas Großartiges sehen. Ich selbst wollte das wohl auch, wenn ich ein Stadion-Konzert besuchen würde. Alles muss groß sein, der Preis, die Show, die Bühne und natürlich die Herausforderung. Stadion-Shows sind im Prinzip die Orte, wo Rock'n'Roll zusammenkommt oder auseinanderfällt." Was Bono mit dieser Äußerung meint, wird während der PopMart-Show schnell klar. U2 sind aufgrund der riesigen Dimensionen aller Utensilien total vom Publikum isoliert und aufgrund der totalen Überforderung der Sinne, alles audiovisuelle, das auf einen einstürzt, wahrzunehmen, reduziert sich die Band auf eine Art Abspielgerät. Letztendlich ist es fast egal, wer dort auf der Bühne steht. Hinzu kommt, dass sich Bono und Co. offensichtlich vorgenommen haben, ihre eigene Isoliertheit auf das Publikum musikalisch zu übertragen. Neun der insgesamt 21 Songs sind vom neuen Album "Pop", The Edge trägt mit "Daydream Believer" solo einen Cover-Song von den Monkees playback vor, dazu gesellen sich vor allem Balladen wie "One", "With Or Without You" oder "Bullet The Blue Sky" und die eigentlichen "Klassiker" wie "Sunday Bloody Sunday" oder "New Years Day" werden gar nicht gespielt. Das nimmt dem Publikum die Möglichkeit, sich über die bekannten Mitgröl-Arien in das Konzert zu integrieren.
Lediglich bei "Pride" taucht ein kurzer Moment des vereinten Zusammenseins auf, doch dieser Moment wird schnell als Illusion enttarnt, es folgen fünf völlig neue Songs, die gerade mal der eingefleischteste Fan kennt. "Die Menschen wollen aus uns Superstars machen, die Welt braucht anscheinend Superstars, also sollen sie Superstars bekommen." Und die sind bekanntlich nicht mehr zum Anfassen. Vorbei die Zoo-TV-Zeiten, in denen Bono während jeder Show einen weiblichen Fan aus dem Publikum auf die Bühne holte, vorbei auch die "fucker with the white flag"-Zeiten, als Bono 1987 während der "Joshua Tree"-Tour das Publikum erst auf die Bühne holte, dann die Nerven verlor und sie alle wieder runter jagte, was ihm Sekunden später so leid tat, dass er mit einer weißen Fahne durchs Publikum lief, um sich für seinen Blackout zu entschuldigen. "I will always be the fucker with the white flag", sagte Bono zwar noch vor der Premiere, auf sein Verhältnis zu den Fans angesprochen, doch zu sehen davon ist während der Show nichts. Das Leben als Akt des Isoliertseins, das ist es, was U2 vor allem mit PopMart zeigen wollen. "Ein Freund von uns, den wir seit Jahren nicht mehr gesehen hatten, kam zu einer Hochzeitsfeier. Er stand die ganze Zeit bloß in einer Ecke herum, hat mit niemandem gesprochen. Wir konnten uns das nicht erklären, also haben wir ihn gefragt, warum. Er sagte: 'Ich bin es nicht gewohnt, mit Leuten umzugehen, die in ihren Körpern stecken.' Ich bemerkte zum ersten Mal, dass es Menschen gab, die vollständig in einer Art Cyberspace lebten. Natürlich gehöre ich nicht zu denen, die ständig vor der großen Gefahr einer technologisierten Welt warnen, meine Gefühle dazu sind jedoch nicht völlig klar. Was ich positiv finde, ist die Tatsache, dass zum Beispiel die HipHopper durch die Technologie zur Musik finden, weil sie die Technik mit großem Gefallen und Ehrgeiz benutzen. Auf der anderen Seite haben wir eine Welt, wo alles digitalisiert wird, das macht die analogen Momente so wertvoll. In einer Zeit, wo alles endlos oft reproduziert werden kann, sind die einmaligen Dinge wie ein Stadion-Gig gar nicht wichtig genug einzuordnen." Bonos Statement kurz vor der Premiere lässt die Show dann umso absurder erscheinen. Ein Stadion-Konzert, bei dem der Besucher so allein ist wie beim Einkaufsbummel. Das ist ein interpretierbares Fazit aus der Zusammenfassung aller Eindrücke, die das erste U2-Konzert bei den Gästen hinterließ. Und viel Irritation. Und das nicht nur bei den Gästen, selbst Bono war nach der Las Vegas-Premiere total verunsichert. So fragte er nach dem letzten Song Dennis Hopper, der ihn auf dem Gang in die Kabine abklatschte, ob sie gewonnen hätten. "Yes, you won", sagte Dennis Hopper, doch es klang nicht eben sehr überzeugend.

"Zoo-TV war eine Show, die vor allem den Kopf betraf, der Intellekt wurde vorrangig angesprochen, bei PopMart wollen wir wieder zurück zu den Gefühlen, die Emotionen sollen wieder in den Vordergrund treten." Doch was Bono als Rückkehr zu den Emotionen bezeichnete, wurde in erster Linie eine Sache der Nerven. Denn die Welt sah bei der Premiere in Las Vegas einen Patzer, der vor allem Newcomer-Bands Mut machen sollte. Bei der neuen Single "Staring In The Sun" verfehlte Bono den Rhythmus gesanglich derart, dass er den Song abbrechen und neu ansetzen musste. "Sorry, wir hatten einen kleinen Familienstreit", sagte er zur Entschuldigung. Ein Moment des Menschseins tat sich auf, die perfekte Maschinerie eines Giga-Events geriet für Sekunden in den Hintergrund, doch es sollte das einzig Familiäre an diesem Abend bleiben.

Ralph Buchbender


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