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  Interview ::: Cradle Of Filth
Review

Schmelztiegel von Kunst und Literatur

Januar 1997

Cradle Of Filth sind aus der europäischen Black Metal-Szene mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Im Underground dieser Szene waren sie schon lange eine feste Größe, seit sie einen Deal bei Music For Nations unterzeichneten schicken sie sich an, den BM-Thron zu besteigen. Von Keyboarder Damian, der sich während des Gesprächs als ausgesprochen netter Zeitgenosse entpuppte, wollten wir mehr über das Phänomen C.O.F. wissen.

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?: Wie seid ihr von dem recht kleinen Label Vinyl Solution zu dem Major-Deal bei Music For Nations gekommen, der Black Metal steckte bei Vertragsunterzeichnung ja noch (oder besser: mal wieder) in den Kinderschuhen?
Damian: Nun, die Labels hatten das, was im Underground vor sich ging schon eine Weile beobachtet, und als diese Revival-Entwicklung des Black Metals ihren Weg nahm, standen wir mit unseren Verkaufszahlen schon recht gut da. eastwest hatten dann als erste Interesse an uns, dadurch interessierten sich wiederum auch viele andere namhafte Labels und plötzlich waren es wir, die vor der Wahl standen.
?: Welche Vorteile erhofft ihr euch vom neuen Deal und was wollt ihr jetzt ereichen?
Damian: Von Music For Nations hat uns keiner reingeredet, wir konnten alles so machen, wie wir es wollten. Für uns war das schon der größte Vorteil. Oft ist es doch so, dass man, nachdem man alles nach Wunsch des Labels durchgeführt hat, als Musiker derjenige ist, der gefrustet nach Hause geht. Aber die Jungs von MFN haben halt mitbekommen, wie populär BM inzwischen geworden ist.
Unsere Zielsetzung war es, alles vernünftig zu machen, dann wären 10.000 Einheiten schon drin, und für uns würde dann vielleicht auch mal ein bisschen Kohle dabei rumkommen, schließlich haben wir von der ersten EP nicht einen Penny zu Gesicht bekommen.
Aber die ganze Sache ist kein Thema des Geldes, es ist einfach ein tolles Gefühl, wenn die Leute Deine Musik mögen. Außerdem hatte MFN keinerlei Ansprüche an unseren Merchandise-Einnahmen angemeldet, was wir schon außergewöhnlich fanden. Andere Bands leben schließlich mit der Tatsache, von alledem fast nichts zu bekommen.

?: Euer Produzent Kit Woolven ist ja bekannt geworden durch seine Arbeit mit Thin Lizzy. Wie kam es, dass gerade er die Aufnahmen zu "Dusk And Her Embrace" mit Euch durchführte, schließlich liegen seine soundtechnischen Roots ganz woanders.
Damian: Das ist irgendwie zustande gekommen, es wurde halt so gebucht. Für Kit war es sicherlich eine Herausforderung mit viel Spaß. Er ist ein sehr guter, erfahrener Producer, außerdem sehr anpassungsfähig. Die Aufnahmen waren für beide Seiten ein ständiger Lernprozeß, prallten hier doch zwei Welten aufeinander. Dabei sind wir durch alles mögliche immer wieder zu neuen Sachen inspiriert worden. So wurden aus den geplanten drei Wochen Aufnahme-Zeit schließlich ganze neun Wochen, aber ich denke, dass sich das Resultat hören lassen kann, das Album ist echt sehr professionell abgemischt. Wir dachten zuerst, warum in aller Welt wir mit einem kommerziellen Produzenten aufnehmen sollten. Die allzu logische Antwort seitens des Labels: "Tja Jungs, die Leute sollen das Teil doch kaufen und mögen."
?: Die Fachpresse bezeichnet euch jetzt bereits als die neuen "Kings Of Black Metal", wie seht ihr selbst Eure Position in der BM-Szene?
Damian: BM-Kings? Na ja, im Moment probieren wir schon noch einige andere Sachen aus. Diese Bezeichnung stört uns zwar nicht, aber man sollte dabei doch auch beachten, dass solche Titulierungen in den meisten Fällen von der Plattenfirma ausgehen und somit auch ein Teil des ganzen Verkaufsapparates sind. Also ich bleibe diesbezüglich lieber erst mal auf dem Teppich.
?: Wie war das denn in euren Anfängen und wann habt Ihr erstmals realisiert, dass Cradle Of Filth eine ziemlich gefragte Band werden würde?
Damian: 1992 haben wir die Band gegründet. Wir wussten natürlich nicht, dass man mit dieser Musik mal was reißen können würde, war auch gar nicht unsere Absicht, das hat sich halt so ergeben.
?: Ihr sagt ja, dass Black Metal ein Gefühl ist, das tief in euch drin ist, und dass es nicht einfach nur Musik für euch bedeutet. Ist es für euch gar eine Grundeinstellung?
Sänger Dani, der inzwischen dazugestoßen ist: Ja! Black-Metal ist eine Atmosphäre, die Kreation von etwas, das dazu gehört. Viele BM-Bands hauen echt daneben, das sind keine richtigen BM-Bands, nur irgendwelche Elektronik-Fanatiker.
?: Wie bringst du dann Zitate und Einflüsse von Schriftstellern oder Philosophen wie Crowley, Beaudelaire oder Nietzsche in deine Texte ein. Ist es nicht schwer, dies mit einer derart harten Musik zu kombinieren?
Dani: Nietzsche würde es gefallen, wenn er jetzt auferstehen würde. Wir versehen die Musik mit Texten und die Texte mit Musik und so werden Cradle Of Filth zu einem Schmelztiegel von Kunst und Literatur. Wir betrachten auch uns selbst als Gesamtkunstwerk, es ist kein reiner Metal mehr, es ist so vielschichtig und dadurch auch so pompös. Wir verarbeiten Zitate von Denkern, die etwas zu sagen hatten, wir haben auch irre viel Zeit mit dem Design und dem gesamten Cover-Artwork verbracht, weil wir mit Recht behaupten wollen, dass wir Künstler sind. Viele Bands vergessen, wo die Roots liegen und pappen irgendwas zusammen. Das gibt es bei uns nicht. Wir sagen: Es ist Kunst und unsere ganze Besessenheit steckt mit drin!
?: Das war ja schon recht heftige Kritik an anderen Bands, wie denkt ihr über Bands wie Samael, Moonspell usw., die sich ja selbst auch als Black Metal-Bands bezeichnen und deren elektronische Sounds?
Damian meldet sich wieder zu Wort:
Jetzt hast du mich (lacht), ich höre sowas nicht, kenne die Bands nur vom Namen her.
Ich kann auch nicht sagen, was Black Metal genau ist und wer es nun genau macht und wer nicht. Ich habe Black Metal auch nicht erfunden. Es ist ein Album von Venom, die ihr Debüt so nannten und dadurch heißt eine ganze Musikrichtung eben so, mehr nicht.

?: Wie denkt ihr über die Vorfälle in Norwegen, wo sich ganze Black Metal-Bands und -Gruppierungen anfeinden und sogar Kirchen in Brand setzen. Haltet ihr das für richtig?
Damian: Davon distanziere ich mich auf alle Fälle. Ich bin zwar Black Metaller, aber ich denke, die Kirche hat Ihre gute Seite, schau dir bloß mal diese fantastischen Bauwerke an. In England haben sie eine Kirche zum Pub gemacht. Mann, das ist der schönste Ort, sein Dasein zu fristen.
Dieses "Christen haben zuviel Einfluss"-Gerede der eben angesprochenen Personen ist völliger Quatsch. Es gibt nun wirklich eine Menge anderer Sachen, die denen Kopfzerbrechen bereiten sollten!




Das Gespräch führten Oliver und Koffer


Oliver Kämper


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