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  Interview ::: Kante
Review

Die Gleichzeitigkeit der Zustände

August 2004

"Wir kennen uns aus dem Sandkasten, und das kam so…" reagiert Gitarrist, Sänger und Texter Peter Thiessen auf die Frage nach der Geschichte der Band und lacht. Nein, Kante war kein Seitenprojekt von Blumfeld, denn Kante gab es schon lange bevor Thiessen ab 1996 den Bass bei den damals ungleich bekannteren Mitbegründern der sogenannten "Hamburger Schule" bediente.

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"Solchen Begriffen wie 'Hamburger Schule' haben wir alle eher misstraut. Die Szene ist auch zu vielfältig und daher sehr unterschiedlich. Und Blumfeld, Cpt. Kirk & und Die Sterne waren ja doch schon fünf bis sechs Jahre vorher." Die erste Veröffentlichung von Kante kam schließlich 1997. "Zwischen Den Orten" markierte den Anfang der sogenannten "Z-Trilogie". Dabei geht es jeweils um Übergänge: das Debüt widmeten die Hamburger den Übergängen zwischen Orten, der hochgelobte Nachfolger "Zweilicht" handelte von dem Dämmerzuständen, dem Graubereich und den Übergängen zwischen Tag und Nacht.
"Zombi" verlässt nun die Ebene von Raum und Zeit, oder besser, vermischt sie.
 "Thema der Platte sind Gleichzeitigkeiten von Zuständen. Wenn du so willst, nicht zeitliche Übergänge, sondern körperliche Gleichzeitigkeiten. Das Ambivalente daran zu formulieren war das Ziel der Texte, aber auch der Musik. Bei manchen Stücken weiß man gar nicht genau, ist es jetzt traurig oder nicht."
Ein gutes Beispiel für die erfolgreiche Umsetzung dieses Gedankens ist die Interpretation des Interviewers von dem Song "Wo Die Flüsse Singen". Dort finden sich Zeilen wie: "da wo das Grau an Blau verliert / wo Flugzeuge im Nebel kreisen / im Blutgeruch der Schlachterei / … / wo Schuldenberge Plätze tauschen / und da wo wir uns verlieren / an den Enden unserer Körper / an den Rändern unserer Haut / da wo wir ohne eins zu werden / einander spüren und uns berühren / da will ich bei dir sein / und meine Zeit mit dir verbringen"
Diese scheinbaren Gegensätze inspirierten zu der Frage: "Geht es hier um Hoffnung, um den Willen zur Liebe in einer Umwelt, die einen behindert und die Liebe zerstört?" Die erstaunlich einfache Antwort folgt in einem fast naiv schmollenden Ton:
 "Ooooch, eigentlich wollte ich nur ein Liebeslied schreiben. Na gut, ein unromantisches Liebeslied, aber immerhin heißt es ja auch: 'Ich Will Überall Mit Dir Sein'."

Letztendlich will "Zombi" nichts Genaues und nichts genau erklären. "Wenn mein Anliegen wäre, globale Zusammenhänge zu erklären, das glaube ich, wäre Popmusik nicht das richtige Medium. Ich will eher durch Mehrdeutigkeiten provozieren. Ich sehe es als eine beschreibende Platte." Zu den Provokationen gehört sicher das Bild des Zombies. Nach Thiessens Ansicht ist er jedoch nichts Gruseliges, sondern ein Mensch in einer Krisensituation, der sein Innerstes nach außen kehrt. "Wir sehen unmöglich aus / wir sind der Zeit voraus / wir sind die wunde Stelle / mitten unter euch / wir sind ein Schattenriss / aus Knochen, Fleisch und Blut / wir stehen auf der Schwelle / einer neuen Zeit"
Wieder spielt Thiessen mit negativen Konnotationen und positiven Aussichten, setzt scheinbare Gegensätze in eine Beziehung zueinander. Ähnlich geht er mit der Verquickung der persönlichen und der allgemeinen Situation um. Dabei steht er mit beiden Beinen in der aktuellen Zeit, die gerne als Krise gesehen wird.
 "Zum Beispiel die Krise in der Musikindustrie, an der ich nun mal nahe dran bin – aber auch in allen anderen Bereichen – die geht mit in persönlichste Bereiche. Man muss irgendwie planen und leben, man kann das nicht trennen." Dennoch folgt das Licht im Dunkeln: "Ich sehe Krisensituationen nicht nur als etwas Negatives. Sie tragen auch immer ein Chance in sich."

Einen großen Anteil an der Entstehung des neuen Werks hatte auch wieder Tobias Levin, der Anfang der 90er mit seiner Band Cpt. Kirk & ein Vorreiter für neue, intelligente deutschsprachige Musik war. Als Produzent hat er es geschafft, den vielen Einflüssen und Stimmungen auf "Zombi" einen homogenen Klang zu verleihen. Er hatte auch Einfluss auf die Musik, da die Band zum ersten Mal nicht mit zehn fertigen Stücken ins Studio gegangen war. Schlagzeuger und Gründungsmitglied Sebastian Vogel, auch Aushilfsschlagzeuger bei der Berliner Band Britta, bringt die einjährige Aufnahmedauer auf den Punkt. "Die Zeit war eine harte Erfahrung. Es war eine Produktion, die an die Grenzen unserer Kräfte ging. Wir haben selbst die fertigen Stücke zum Teil neu aufgerollt. Wir hatten viel Zeit für Veränderungen."
Das Ergebnis beinhaltet eine bunte Palette von überdurchschnittlich langen, und zum Teil miteinander korrespondierenden Einzelwerken. Laut Infoblatt finden wir "ein Stück wie ein klarer Nachthimmel", "Anzugrock vom feinsten", den "Depri-Hammer", "ein Stück über Sex, eine Hymne" sowie "das Stimmengewirr der Zukunft". "Zombi" ist ein Werk, das sich Schubladen erfolgreich entzieht, das sich nicht in eine Schule oder Szene einreihen will. "Wir fühlen uns schon ein paar Bands und Leuten nah. Natürlich auch Blumfeld, wäre ja auch absurd, wenn nicht. Aber wenn ich uns in einer Strömung sehe, dann bei Leuten, die sich einem breiten Feld öffnen."

Ulf Kneiding


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