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  Interview ::: Sebastian Bach
Review

"Ich bin Deutscher!"

Juli 2004

Das kommt auch nicht alle Tage vor: Im Anschluss an seinen "Bang Your Head"-Auftritt gewährt Ex-Skid Row-Röhre Sebastian Bach einer kleinen Schar von Journalisten eine Audienz. Sebastian ist ziemlich gut drauf und in allerbester Plauderlaune. Als er mein Obituary-T-Shirt entdeckt, freut er sich: "Hey eine geile Band, ich bin ein absoluter Fan, leider habe ich sie nie live erlebt." Wer hätte das gedacht? Doch das soll nicht die einzige Überraschung im Gespräch mit Herrn Bach bleiben...

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Forever Wild (DVD)
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?: Bei deinem Auftritt heute hast du dich mit einem Fan im Publikum angelegt. Was war da los?
!: Da stehen 20.000 Leute vor einem und dieser Idiot hat nichts besseres zu tun als mir die ganze Zeit ein "Fuck You" (zeigt den Stinkefinger, Anm.d.A.) entgegen zu schleudern. Wenn er nicht da sein will – tschüß! Ich hatte keine Lust, mir von diesem einen Typen den Tag versauen zu lassen. Wenn er mir den Tag ruinieren will, ruiniere ich ihm seinen! Ansonsten war es ein tolles Erlebnis hier zu spielen. Es war mit das größte Publikum, vor dem ich bislang aufgetreten bin, die Leute waren voll bei der Sache und sie wirkten glücklich, als ich ihnen ins Gesicht sah. Super!
?: Mit welcher Reaktion hast du denn gerechnet?
!: Soll ich ehrlich sein? Das letzte Mal bin in Deutschland mit Skid Row im Rahmen der "Subhuman Race"-Tour aufgetreten. Und das war keine große Sache! Wir hatten eine größere Show in München, aber auch die war nicht mit heute vergleichbar.
Der einzige Auftritt dieser Größenordnung, den ich hier zu Lande bislang hatte, war als Opener von Guns N' Roses.
Außerdem hatte ich gehört, dass die Deutschen zuweilen nicht so leicht zu begeistern sind, wie etwa die Spanier oder Italiener. Aber das Publikum heute hat mehr ass gekickt als jedes andere Publikum, an das ich mich erinnern kann – und ich habe das Oz-Festival gespielt! Drauf geschissen, haha.

?: Auf der Bühne hast du ziemlich fit gewirkt...
!: .. und nach der Show hänge ich total durch, haha. Nein im Ernst: Ich versuche immer noch die gleiche Energie auf der Bühne raus zu lassen wie mit 20, aber ich bin keine 20 mehr, haha. Nach dem Auftritt merke ich das schon ein wenig, aber: I try to focus all my energy on the stage!
?: Du hast einen Song mit Ex-Accept-Gitarristen Wolf Hoffmann aufgenommen. Wie kam es dazu?
!: Sebastian (summt einen Accept-Song): Das ist Wolfs Riff! Wolf Hoffmann ist einer der größten Heavy Metal-Gitarristen überhaupt und ich bin mit der Band groß geworden. Als ich das erste Mal "Fast As A Shark" hörte, konnte ich gar nicht glauben, was ich da hörte. Ich war zwölf oder 13 Jahre alt und lauschte einer kanadischen Metal-Sendung im Radio: (singt) Heidi, heido, heida, heidi, heidi, heido und dann machte es bang und die Gitarren kreischten. They blew my mind! "Restless & Wild" ist eines meiner Lieblingsalben für alle Zeit. Tja, und der Produzent des ersten Skid Row-Albums und auch von "Slave To The Grind", der Deutsche Michael Wagener, war der erste Gitarrist bei Accept überhaupt. So kam es, dass ich eine Menge Zeit mit Michael Wagener in Wolfs Haus verbrachte und Wolf herumlief und diese unglaublichen Riffs spielte. Und ich dachte nur "Mein Gott" und wir haben zunächst einen Song zusammen ausgeheckt. Es gibt noch ein weiteres Stück, das wir zusammen gemacht haben, das aber erst noch erscheinen wird.
?: Du hast angekündigt, 2005 erneut nach Deutschland zu kommen. Gibt es neues Material?
!: Ja. Wir haben eine brandneue DVD mit dem Titel "Forever Wild" am Start, die jetzt in Deutschland in die Läden kommt und bei "Eagle Rock" erscheint. Außerdem basteln wir an einem neuem Album, meiner zweiten Solo-Scheibe.
?: Wer wird die Platte produzieren?
!: Der gleiche Typ, der auch Hatebreeds "Rise Of Brutality" verbrochen hat, haha. Diese Scheibe ist übrigens mein absolutes Lieblingsalbum des Jahres 2003. Eine richtig schön heftige Platte, ich höre sie mir jeden verdammten Tag an und meine Plattenfirma fragt sich verzweifelt, was los ist, haha.
Aber sie haben mich nun einmal nach meinem Wunschproduzenten gefragt und ich wollte unbedingt den Hatebreed-Mann. Also riefen sie ihn an und er war total begeistert von der Idee, mich zu produzieren. Wir sprachen miteinander und er sagte zu mir: "I'll make you hard, motherfucker", haha. Und ich dachte "wow", denn ich will unbedingt "Slave To The Grind" toppen! Ich versuche ein hart klingendes Album mit harten Gitarren und jeder Menge Schreie hin zu bekommen.

?: Apropos Schreien: Du hast auch am Broadway gesungen?
!: Ja, die erste Show, die ich gespielt habe, war "Jekyll & Hyde". Es war ganz sicher ein Höhepunkt in meinem Leben. Dieses Musical läuft ja auch in Deutschland. Ich weiß das so genau, weil ich das Merchandising dazu sammle und auch eine Menge Dinge in deutscher Sprache besitze. Die "Rocky Horror Picture Show" habe ich auch gemacht – deswegen haben wir heute auch das Stück "Time Warp" gecovert.
In "Jesus Christ Superstar" habe ich Jesus gegeben – acht Auftritte die Woche, sechs Monate lang. Das haut nur hin, wenn du Musik liebst, haha.

?: Hattest du in dieser Zeit besondere Erlebnisse?
!: Mit "Jekyll & Hyde" war es etwas merkwürdig: In der Geschichte geht es unter anderem darum, dass Dr. Jekylls Vater stirbt. Zu der Zeit, als ich die Rolle spielte, starb mein Vater an Krebs. Der Darsteller, der im Musical meinen Vater spielte, hieß David – das war auch der Name meines Vaters. Stell dir das vor: Ich musste auf die Bühne und über meinen sterbenden Vater singen.
Aber es war auch eine spannende, millionenschwere Produktion, wie eine Kiss-Show mit tollen Kostümen, Explosionen auf der Bühne, Blut und jeder Menge weiterer Effekte. Das hat schon Spaß gemacht.

?: Dort hast du sicher auch gelernt, deine Stimme in Form zu halten?
!: Ja, dort haben sie mir gesagt, dass du ständig singen musst, um die Stimme zu pflegen – also singe ich jeden Tag. Ich übe wirklich jeden Tag! Das habe ich definitiv am Broadway gelernt.
?: Ich glaube, du möchtest unbedingt noch etwas los werden?
!: Oh ja: Sebastian Bach ist Deutscher! Ich bin Deutscher! Hört zu: Der Vater meines Vaters, also mein Opa, verließ meinen Vater, als der drei Jahre alt war. Mein richtiger Name ist B-I-E-R-K, Bierk, ok? Ich habe meinen Großvater niemals kennengelernt, weil mein Vater total sauer auf ihn war, weil der ihn verlassen hat und mein Vater nicht wollte, dass ich diesen Mann treffe.
Aber das ist auch mein Leben und als mein Vater starb, erwachte erst Recht meine Neugierde darauf, wo ich eigentlich herkomme. Also ging ich auf eine Suchseite ins Internet, wo man Ahnenforschung betreiben kann. Ich gab den Namen Bierk ein und mir gelang es, den allerersten Bierk in meinem Stammbaum zu ermitteln! Er stammt aus Baden/Würzburg. Und ich fand einen Priester Namens Morten Stephan, er lebte im frühen 18. Jahrhundert im Sächsischen. Er behauptete eines Tages, dass ihm das Wunder vom gelobten Land erschienen sei und dass er seine deutschen Landsleute nach Amerika bringen solle. Doch die Kirchenoberen hielten das für Unsinn und warfen ihn aus seinem Priesteramt. Also organisierte er auf eigene Faust die Überreise mehrerer tausend Menschen von Baden/Würzburg nach New Orleans. Und auf einem dieser Boote war auch der erste Bierk! Kannst du vorstellen, wie mir zu Mute war, als ich das herausfand? Ich bin... deutsch! So let's say: Year! Na wie ist das? Das war heavy, haha! Aber eigentlich bin jetzt zu Hause!


Joachim Brysch


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