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  Interview ::: Ill Nino
Review

Zu groß für eine Schublade

Juli 2004

Ill Nino frönen einem ungewöhnlichen Bastard aus modernem Metal und Latino-Einflüssen. Damit hat sich die Band eine hübsche Nische geschaffen, die bislang allenfalls ansatzweise durch eine Band wie Soulfly besetzt war. Dass Ill Ninos Crossover-Rezeptur aufgeht, zeigen nicht zuletzt die häufigen Gastspiele der Amis in unseren Breitengraden. discover erwischte Basser Laz Pina (25) vor dem Auftritt des Sextetts in der Kölner Live Music Hall.

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?: Laz, wenn ich mich nicht täusche, seid ihr heute nicht das erste Mal in Köln?
!: Ja, zur Zeit läuft bereits unsere fünfte Europa-Tour. Wir waren also schon ein paar Mal bei euch und haben auch schon diverse Festivals gespielt. In Köln haben wir bereits eine Headliner-Tour zu unserer ersten Platte durchgezogen, anschließend sind wir mit Raging Speedhorn wiedergekommen und im letzten Oktober haben wir im Rahmen der Roadrage-Tour Station in Köln gemacht.
Da waren dann unter anderem Chimaira mit am Start.

?: Und wie hast du Köln in Erinnerung?
!: Nun, wir hatten immer gutes Feedback. Dieses Mal spielen wir ja einige Festivals (u.a. Hurricane, Southside, With Full Force, Anm. d. Verf.), das sind dann die ganz großen Shows. Aber ich spiele dazwischen lieber einige Warm-Up-Shows wie diese, als gar nicht zu spielen. Mir wäre es auch egal, wenn heute Abend nur zehn Leute vor der Bühne stehen würden. Ich freue mich einfach darauf, zu spielen – ob nun Festival oder Club-Gig.
Ich denke, die besseren Shows finden allerdings im kleineren Rahmen statt, dort ist alles etwas intensiver. Festivals sind dagegen richtig Arbeit, denn du musst die große Masse erst Mal bewegt kriegen.

?: Deutschland ist einer der besten Märkte für harte Musik. Hast du eine Idee, warum das so ist?
!: Was das Großartige an Deutschland ist? Wenn die Fans eine Band mögen, gehen sie nicht ein paar Jahre später hin und sagen: "Die mag ich nicht mehr."
Sie stehen zu der Musik und sagen "Ich liebe diese oder diese Band. Ich mochte sie, als sie ihre erste Platte veröffentlichten und ich mag sie immer noch".
Deutschland ist das Land, wo die Fans sich nicht um Trends scheren, sondern das hören, was sie mögen. Das respektiere ich mehr als alles andere.

?: Ist das für dich der große Unterschied zwischen Europa und Amerika?
!: Nein, das ist der große Unterschied zwischen Deutschland und Rest-Europa. Hier gehen die Fans mit dir durch Dick und Dünn und lassen dich nicht fallen, wie eine heiße Kartoffel.
?: Ill Nino bestehen aus sechs Musikern. Gibt es nicht manchmal Reibereien, speziell auf Tour?
!: Nein, wir hängen ja auch zu Hause viel miteinander ab. Wir sind ganz gut aneinander gewöhnt, das ist kein Problem. Wir rufen uns zu Hause regelmäßig an und fragen gegenseitig: "Hey was machst du denn heute abend, sollen wir zusammen ausgehen?" Wir sind natürlich glücklich darüber, dass wir so gut miteinander auskommen und jeder die Persönlichkeit des anderen respektiert. Wir kennen auch unsere Schwächen und lassen daher jedem innerhalb der Band genug Freiraum.

Wir waren auch schon lange Freunde, bevor wir zusammen bei Ill Nino Musik gemacht haben. Es ist also Freundschaft die uns zusammengebracht hat und erst an zweiter Stelle die Musik.

?: Musik ist ein gutes Stichwort. Wie kamt ihr eigentlich darauf, harte Musik mit Latino-Elementen zu versetzen?
!: Das hat sich ganz natürlich ergeben. Als wir zusammenkamen war das rein aus der Liebe zur Musik und um etwas Einzigartiges zu machen. Wir wollten einen Teil unserer Kultur in die Musik einfließen lassen.
Da wir alle einen lateinamerikanischen Hintergrund haben, lag es auf der Hand, unsere persönlichen Vorlieben zu vermischen. Allerdings haben wir aus Spaß an der Sache damit begonnen. Es war nie geplant, eines Tages einen Plattenvertrag zu bekommen und weltweit zu touren. Damit habe ich nicht gerechnet.

?: Ihr seid demnach mit lateinamerikanischer Musik groß geworden?
!: Oh ja, diese Musik hat uns unser ganzes Leben begleitet – sie ist genauso ein Grund dafür, dass wir Musik machen – wie Metal. Metal war der Grund, überhaupt ein Instrument in die Hand zu nehmen und nach und nach haben wir festgestellt, dass diese Latino-Elemente eben auch eine große Rolle in unserem Leben spielen. Daher fällt es uns wirklich leicht, unserer Songs zu komponieren.
?: Wie reagieren denn ältere Menschen aus der Latino-Kultur darauf?
!: Einige fangen an zu tanzen und zu grooven, andere freuen sich über diese neue Ausdrucksform, denn sie wissen, dass dadurch die Latino-Kultur weitergetragen wird.
Stell dir vor, jemand würde traditionelle deutsche Musik mit Metal verbinden. Das würde doch sicher auch interessant klingen. Aber wahrscheinlich funktioniert das nicht, was?

?: Zumindest nicht mit Volksmusik. Haben Ill Nino denn auch negative Reaktion bekommen?
!: Die einzige negative Reaktion erhielten wir von Leuten, die irritiert waren und nicht wussten, in welche Schublade sie uns stecken sollen. Meistens werden wir dann als Nu-Metal bezeichnet. Aber mir scheint, dass Nu-Metal auf dem absteigenden Ast ist und sich langsam tot gelaufen hat.
?: Also magst du es nicht, wenn Ill Nino als Nu-Metal-Band bezeichnet wird?
!: Es ist mir schlicht egal – wir gehen unseren Weg. Wenn man uns so bezeichnen will: bitte. Wir machen weiter die Musik, die wir mögen, ganz gleich, wie andere das dann nennen. Namen ändern sich, deswegen spielt es eigentlich auch überhaupt keine Rolle.
Ich sehe es so: Auf dem Hurricane-Festival haben wir auch mit The Cure gespielt und es war eine prima Show, in Belgien sind wir dann mit Judas Priest aufgetreten und es war ebenfalls eine fantastische Show. Wir spielten auch schon mit Killswitch Engage, Shadows Fall, Chimaira oder Hatebreed. Also was soll's.
Wir gehen auf die Bühne und rocken ab, egal wo du uns musikalisch hinsteckst.
Wir passen eben nicht nur in eine Kategorie, wie diese Beispiel zeigen und ich glaube, einige Leute merken das langsam auch.

?: Gehören die genannten Bands auch zu deinen persönlichen Vorlieben?
!: Ich liebe The Cure genauso, wie ich Priest liebe. Und natürlich Metallica, mit denen wir auch schon gespielt haben... und mit Slipknot und Machine Head. Beeinflusst haben uns auch Hatebreed. Ich selbst bin ja in New York-City groß geworden und hatte früh Kontakt zu Bands wie Cro Mags, Agnostic Front oder den Bad Brains.
Dann kam meine Metal-Phase mit Maiden, Black Sabbath und Priest und schließlich kamen die neueren Bands hervor, also Metallica, Slayer oder Exodus.

?: Hast du jemals daran gedacht, mit euerer Musik so weit zu kommen?
!: Nein, überhaupt nicht. Ich meine, das Radio einzuschalten und einen eigenen Song zu hören oder unsere erste Show vor 600 Kids – das kommt mir immer noch ziemlich abgedreht vor. Kurz darauf hatten wir einen Plattenvertrag in der Tasche – das war eine Riesen-Überraschung für uns. Wir haben aus Spaß an der Sache angefangen und keinen Geheimplan oder eine Taktik entworfen, wie wir erfolgreich sein könnten, so nach dem Motto: "wir experimentieren jetzt Mal ein bisschen herum und mischen Metal mit anderen Stilen." Nichts dergleichen.
Ich denke, das lehrt uns, dass du Musik aus Spaß und der Liebe zur Musik machen solltest und nicht, weil du um jeden Preis Erfolg haben oder Groupies ficken willst. Das sind die falschen Gründe anzufangen. An erster Stelle sollte die Musik stehen, der Rest kommt von selbst.

?: Wenn ich mir den Titel und das Cover von "Confession" ansehe, könnte ich glauben, ihr seid eine sehr religiöse Band...
!: ...sind wir aber kein Stück. Wir haben uns nur dafür entschieden, weil sich fast jeder mit Religion identifiziert und dort starke Symbole verwendet werden. Wenn man genau hinschaut, sieht man, dass sich die Finger auf dem Cover kreuzen. Das kann auch für eine gewisse Bessenheit stehen, es fragt sich also, ob man wirklich einen Beichtenden sieht. Wir finden, das ist einfach ein starkes Bild und eben nicht ganz eindeutig. Das ganze Album basiert auf Geschichten, über die man normalerweise nicht sprichst, aber die in Verbindung mit der Musik locker rüberkommen. Dafür wollten wir ein starkes Symbol auf dem Cover.
?: Stimmt es eigentlich, dass ihr George Bush hasst?
!: Ja klar, wie die meisten Amerikaner, haha. Normalerweise bin ich nicht der große Politk-Verfechter, aber momentan befinden wir uns in einer ganz besonderen Situation, wir stehen vor einer geschichtlichen Entscheidung: Ich hoffe, wir machen nicht zweimal den selben Fehler.
Es ist Zeit für Veränderungen. Bush muss weg, bevor weiteres Blut fließt! Hoffentlicht hat Amerika realisiert, dass dieser Mann einen großen Fehler gemacht hat. Die Leute, die für Bush gestimmt haben, haben einen großen Fehler gemacht, ihn in dieses Amt zu heben. Ich hoffe, das wird bei den nächsten Wahlen korrigiert. Aber ich vertraue den Amerikanern und denke, dass sie Bush nicht erlauben werden, im Weißen Haus zu bleiben. Wir wollen dort erst Mal keinen Republikaner mehr sehen.

?: Das sind doch erfreulich offene Worte. Da lohnt es sich doch auch, gleich Mal nach deinen schlechten Angewohnheiten zu fragen?
!: Zigaretten rauchen.
?: Das ist alles?
!: Zigaretten rauchen und Frauen. Aber Frauen sind ja schon wieder eine gute Angewohnheit, haha. Im Ernst: Es sind die Zigaretten. Wie fast jeder Raucher will ich eigentlich schon seit langer Zeit aufhören, weil ich keinen Bock habe, von irgendetwas abhängig zu sein. Leider versuche ich es bislang vergeblich. Ich wünschte. ich hätte ein paar andere Laster, aber es sind definitive diese dummen Zigaretten, haha.
?: Das letzte Wort gehört natürlich auch dir.
!: Dann möchte ich die Gelegenheit nutzen, unseren deutschen Fans zu danken, dass sie uns von Anfang an unterstützt haben, sie treu zu uns stehen und sie nicht irgendwelchen Trends hinterher hecheln. Das ist wirklich cool.

Joachim Brysch


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