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  Interview ::: Pro-Pain
Review

Was lange reift, wird endlich gut

März 2004

Kaum eine Band hat solche Erfahrungen mit Rückschlägen in ihrer Karriere gemacht, wie Pro-Pain. Und kaum eine Band hat sich je wieder mit eigener Kraft nach oben gekämpft und dabei nur an Energie und Leidenschaft zugelegt. Bestes Beispiel: "Fistful Of Hate", das neue Werk des Metalcore-Urgesteins. Tom Klimchuck (Git.) war hörbar begeistert über meine ehrliche Euphorie über eine Scheibe, die in einem Atemzug mit "Foul Taste Of Freedom" und "Act Of God" genannt werden sollte.

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?: "Fistful Of Hate" ist ein Album, mit dem kaum jemand gerechnet hätte. Plötzlich sind sie wieder da, die Riffs und Grooves, die Pro-Pain ausmachten, dazu sogar noch ein gewisser Ohrwurm-Charakter in einigen Songs. Wolltet ihr das neue Album bewusst von den beiden Vorgängern abheben?
!: Eigentlich nicht. Um ehrlich zu sein, war es eher der lange Entstehungsprozess, der das Album hat reifen lassen. Wir begannen Songs zu schreiben und aufzunehmen und motteten sie dann wieder ein, um das Cover-Album "Run For Cover" aufzunehmen und einige Shows zu spielen. Einige Monate später begannen wir die richtige Studioarbeit an "Fistful Of Hate" und hörten uns die bisherigen Aufnahmen an. Mit dieser Distanz konnten wir die Songs überarbeiten, neue Parts und Stücke schreiben und uns einfach verbessern.
?: Nachdem ihr auf "Shreds Of Dignity" das Tempo maximiert habt, kommen jetzt wieder die Mid-Tempo-Riffs zum Zuge. Auch ein positiver Nebeneffekt der längeren Arbeitszeit?
!: Nein, das lag daran, dass "Shreds Of Dignity" zu einem Zeitpunkt der totalen Frustration geschrieben wurde. Familiäre Probleme einiger Bandmitglieder, die Politik und die sozialen Verhältnisse in den USA und auch die Musik-Szene haben bei uns sehr viel Ärger verursacht, der sich auf diesem Album entlud. Speziell vom NuMetal-Trend hier in den USA wollten wir uns so weit wie möglich distanzieren. Manche unser alten Songs mit ihren leichten HipHop-Einflüssen könnten rückblickend heute als NuMetal gelten. Aber das war weder damals noch heute unsere Absicht. Daher ein möglichst hässliches Album als Kontrast zu den glatten NuMetal-Bands. Mit "Fistful Of Hate" konnten wir also wieder auch etwas zugänglicher werden, ohne Angst vor Anbiederungs-Vorwürfen haben zu müssen. Somit waren auch einige klare Gesänge und mehr Melodie möglich.
?: Generell kann man von einer Modernisierung des Pro-Pain-Sounds sprechen. Die Riffs, speziell in Songs wie "Can You Feel It?" oder "Gospeed" erschließen sich nicht sofort, sie wirken ausgearbeiteter und nachhaltig eindrucksvoll. Als würde Pro-Pain hart daran gefeilt haben, sich von den simplen, eindimensionalen und aggressiveren Vorgängern zu differenzieren...
!: Eine sehr aufmerksame Betrachtung, die absolut der Realität entspricht. Jedenfalls zu Anfang des Songwriting-Prozesses. Damals fanden viele obskure Rhythmen und Akkorde den Weg in unsere Songs. Nach der Reifephase der ersten Aufnahmen haben wir jedoch einen großen Teil dieser ungewöhnlicheren Ideen wieder ausgesiebt, da sie zu sperrig klangen und nicht mit den Vocals harmonierten. Aber das Resultat ist, dass einige Stücke noch immer erst beim zweiten Mal wirken, da sie etwas tiefgründiger sind. Das ist auch der Grund für unser erstes Instrumental.
?: Ein sehr ungewöhnliches Stück, das nur sporadisch nach Pro-Pain klingt. Mit Gesang hätte hier ein kleines Meisterwerk entstehen können, oder?
!: Das Stück ist ein Experiment. Viele der Ideen, die wir für die anderen Songs hatten, sind dort gesammelt. Aber auf Grund der Menge der verschiedenen Parts war es ziemlich unmöglich, Gesang darüber zu legen. Immerhin konnten wir einerseits zeigen, was wir außer fetten Riffs noch können und anderseits brauchten wir nicht alle alten Ideen zu verwerfen.
?: Generell scheint euch der Mut zu noch stärkeren Veränderungen ja wieder etwas verlassen zu haben. Gary (Meskil, Gesang/Bass, Anm. d. A.) sprach im letzten Interview zu "Run For Cover" von zukünftig viel mehr melodischen Refrains und von einer stärkeren Einbindung von Eric Klinger (Git., Anm. d. A.) als Sänger.
!: Keine Ahnung, warum wir diese Idee nicht weiter verfolgt haben. Die neuen Stücke haben ein eigenes Leben entwickelt und plötzlich wurden sie so, wie sie jetzt aufgenommen sind. Wir wollten Eric am Gesang einbinden – was ja im Stück "American Dreams" auch geschehen ist – aber zu mehr kam es dann doch nicht. Reine Gefühlssache...
?: Dafür hört man auf dem fertigen Album Stephan Weidner (Böhse Onkelz) am Gesang.
!: Ja, eine schöne Sache. Stephan ist bekanntlich ein sehr guter Freund von uns. Er hat seine Linien zum Refrain von "Godspeed" zu Hause aufgenommen und uns als WAV-Dateien gemailt.
?: Ebenfalls ein guter Freund von euch ist noch immer Ex-Drummer Dave Richards, der momentan mit Ill Nino große Erfolge feiert. Ist es nicht manchmal traurig zu sehen, wie Musiker mit einem trendigen Sound in der Bekanntheit an euch vorbei ziehen?
!: Ich freue mich für Dave über seinen Erfolg, allerdings bin ich mir nicht sicher, wie lange dieser anhält. Ich wünsche ihm eine lange Karriere, aber seine Band ist eben nicht wirklich authentisch, sie spielen einen Sound, den andere vor ihnen gespielt haben und die Musik kommt nicht von Herzen. Außerdem müssen sie lernen, dass man nicht mit zehn Roadies und sechs Musikern auf Tour gehen kann, wenn man Geld für seine Familie nach Hause bringen will. Am Ende werden wir weiter für alte und neue Fans spielen und von unserer Musik leben können, während andere schon längst wieder regulären Jobs nachgehen.
?: Euch selbst aus Rückschlägen heraus zu kämpfen schien ja für Pro-Pain nie ein Problem zu sein. Stichworte: Besetzungswechsel und Labels...
!: Im Gegenteil, wir lernen immer besser mit solchen Schicksalsschlägen umzugehen und werden dadurch stärker. Drei Tage vor den Shows mit den Böhse Onkelz in Deutschland stieg unser Schlagzeuger aus. Also spielten wir als Trio und Eric Klinger wechselte von der Gitarre an die Drums. Jetzt haben wir wieder einen festen und guten Schlagwerker. Und was Labels angeht: Das ist der Lauf der Dinge. Wir haben draus gelernt und produzieren unsere Alben einfach selbst und lassen dann das fertige Produkt von der Plattenfirma lizensieren, die Interesse hat und bereit ist, uns bestmöglich zu unterstützen. Manche Ansprüche haben wir einfach heruntergeschraubt. Mir ist klar, dass wir niemals in die Heavy-Rotation bei MTV kommen und Sony Music uns unter Vertrag nimmt. Die wissen gar nicht, dass wir existieren und das ist auch okay so.
?: Neben den Labelwechseln gibt es einen weiteren roten Faden bei Pro-Pain. Ihr schafft es immer, zu polarisieren. Erneut ist es das Coverartwork, welches von patriotischen Amerikanern als Anti-Amerikanisch verstanden werden kann, von linken Punks als nationalistisch.
!: (lacht) Genau so soll es sein! Denn es spiegelt ja auch unsere ambivalenten Gefühle gegenüber unserer Heimat wieder. Wir kennen die Welt und wissen, was Amerika verursacht. Anderseits ist es auch schwierig, immer nur Kritik einzustecken, daher die kämpferische Faust auf dem Cover. Die wiederum kann wieder wie eine "Black-Panther"-Faust wirken. Wir wollen also zum Nachdenken anregen, provozieren und manchmal einfach darüber lachen, welche Reaktionen kommen.
?: Würdest du den Kampf von Fat Mike (NOFX) und seiner Organisation Punkvoter.com unterstützen? Mike versucht, alle Punks und Hardcore-Kids Amerikas zu animieren, sich als Wähler zu registrieren und durch eine Wahl der Demokraten Bush aus dem Amt zu jagen.
!: Ich bin kein Bush-Fan, aber das würde ich nicht unterstützen. Wir möchten als Band niemandem etwas vorschreiben, sondern die Bildung einer eigenen Meinung forcieren. So eine Initiative sagt ja nur aus "wenn du Punk magst, musst du so handeln". Aber wir würden eher eine reflektierte Handlung begrüßen, keinen Herdentrieb. Schon gar nicht geleitet von jemandem, zu dem ich nicht aufschauen kann. Aktivismus kann sehr positiv sein, aber so scheint es mir, als würde Mike Menschen für seinen Glauben instrumentalisieren.

Thorsten Wilms


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