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  Interview ::: Blondie
Review

Ein "Fuck You" für's Establishment

Oktober 2003

Auch mit 58 Jahren gibt Deborah Ann Harry noch die New-Wave-Ikone Blondie. Mit der Harry und Songwriter Chris Stein sprach discover über das neue Album der Band, das Altern als Sex-Symbol und den Wunsch, einmal Doris Day zu sein.

Blondie - Ein "Fuck You" für Weitere Inhalte zu Blondie

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?: Mrs. Harry, was hat es mit "The Curse Of Blondie" ("Fluch der Blondie") auf sich, sind Sie und Ihre Bandkollegen etwa bis zum St.Nimmerleinstag zum Rock'n'Roll verdammt?
Debbie Harry: Genau, wie man bei uns zuhause sagt: "damned if we do, damned if we don't!" Wir haben also gar keine andere Wahl, als immer weiter Musik zu machen.
Chris Stein: Ja, so schnell wird man uns nicht los!
?: Eigentlich sollte das Album doch schon vor zwei Jahren erscheinen...
Harry: Ja, aber dann waren plötzlich die Tonbänder mit den Aufnahmen verschwunden und es dauerte eine Zeit, sie wiederzufinden. Geschadet hat dem Album diese unfreiwillige Pause aber nicht. Ich habe das Gefühl, dass "The Curse Of Blondie" das Beste ist, was wir je gemacht haben.
?: Während vielen Kritikern Blondie früher als reine Singles-Band galten, scheint "The Curse Of Blondie" tatsächlich sehr komplex, da gibt es Pop und R&B, Metal und HipHop – und sogar Free Jazz...
Harry: Es war immer unsere Absicht, gute Songs zu schreiben, aber erst mit den Jahren hat sich diese Kunst so verfestigt, dass wir ein Album wie dieses machen konnten.
Stein: "Erwachsen", das hat so einen Beigeschmack, als wäre das Album ausschließlich ernste, harte Arbeit. Das stimmt aber nicht, im Rock'n'Roll gibt es zum Glück dieses Peter Pan-Syndrom und das hält dich jung.
?: In der Tat, Sie sind nun 58 und während andere an den Ruhestand denken, sind Sie aktiver denn je; holen Sie jetzt nach, was Sie in den Neunzigern verpasst haben?
Harry: Nein, so würde ich das nicht sehen. Es ist auch nicht so, als hätte ich in den 16 Jahren, in denen die Band ruhte, keine Musik gemacht. Ich habe Solo-Alben aufgenommen und mit den verschiedensten Musikern zusammengearbeitet, wie z. b. den Jazzpassengers. Und ich bin bis heute immer noch wirklich verrückt danach, auf der Bühne zu stehen...
?: ...wie auch vor der Kamera, so sind Sie u.a. gerade im Drogendrama "Spun" zu sehen; stimmt es, dass Sie gerne mal Doris Day spielen würden?
Harry: Ja, ich habe ihre Biographie gelesen und war fasziniert. Als Kind hatte sie nur einen Wunsch, Tänzerin zu werden. Dann aber machte ein schwerer Unfall diesen Traum zunichte. Statt aufzugeben, setzte sie dann alles daran, als Schauspielerin und Sängerin erfolgreich zu sein. Ich habe versucht, Kontakt zu ihr aufzunehmen, sie wollte aber lieber für sich bleiben. Ich bewundere es, wenn jemand trotz großer Hindernisse seinen Weg macht.
?: Hindernisse gab es auch für Sie; als Sie Ende der Sechzigerjahre nach New York kamen, arbeiteten Sie zunächst als Kellnerin und als Playboy-Bunny, Sie wurden heroinsüchtig und mussten sich später um Ihren schwer kranken Freund Chris kümmern; sind Sie ein wenig neidisch, wenn Sie sehen, wie leicht heute Superstars vom Fernsehen gemacht werden?
Harry: Ich habe sicherlich eine ungewöhnliche Karriere und heute scheinen Karrieren tatsächlich anders zu funktionieren. Sie werden am Reißbrett entworfen und genauso schnell auch wieder eingestampft. Ich bin aber sehr zufrieden mit dem, was ich erreicht habe und möchte es gar nicht anders haben. Ich habe mit wundervollen Künstlern zusammengearbeitet, mit Jeffrey Lee Pierce und seinem Gun Club, mit Iggy Pop und mit den Erfindern von Disco, Nile Rodgers und Bernard Edwards von Chic.
Stein: Von Neid kann wirklich keine Rede sein, heute ist das Musik-Biz doch schrecklich, wir hatten Glück, dass wir damals starten konnten...
?: ...an der Seite von Bands wie den Talking Heads oder Television und in legendären Clubs wie dem CBGB's...
Harry: Genau, damals war alles unschuldiger als heute. Heuet will doch jeder nur so schnell wie möglich Superstar werden und hat bereits im Terminplaner stehen, wann was wo zu geschehen hat.
Stein: Diejenigen, die bei "American Idol" mitmachen, wollen zwar Rockstars werden. Das, was Rock aber immer ausgemacht hat, die Rebellion, das Anderssein, das wollen sie nicht, weil das die Akzeptanz beim Establishment gefährden würde. Das ist Bullshit und hat nichts mit Kreativität zu tun. Wir wollten damals unbedingt Outsider sein, wollten uns abgrenzen und der Welt ein "Fuck You" entgegen schmettern.
?: Superstars sind Blondie dennoch geworden, andere Weggenossen hatten weniger Glück und sind längst tot, wie J. L. Pierce...
Stein: Das alte Klischee vom Rock'n'Roll-Lifestyle. Jeffreys Platten wurden damals auf meinem Label Animal Records veröffentlicht und ich versuche gerade von seinen Leuten die Tapes zu bekommen, um grandiose Alben wie "The Las Vegas Story" in zeitgemäßer Soundqualität zugänglich zu machen.
?: Pierce war der Begründer des ersten Blondie-Fanclubs und auf "The Las Vegas Story" widmete er Debbie einen Song...
Stein: Ja, "Walkin' With The Beast", Debbie war für ihn das Biest. Wir hatten auf unserem letzten Blondie-Album vor der Trennung, "The Hunter", einen Song mit dem Titel "The Beast" und das war dann Jeffreys Antwort darauf.
?: "Biest", Pin-Up und Sex-Symbol bis zum heutigen Tag, wie fühlt sich das an?
Harry: Oh, so unendlich gut (lacht).
?: Und wie erträgt ein Sex-Symbol das Älterwerden?
Harry: Damit habe ich kein Problem. Warum sollte man auch gerade mit den Dingen aufhören, die den größten Spaß im Leben machen, können Sie mir das mal sagen?!
Das Leben ist so kostbar und es gibt keine Zeit zu verlieren. Manch einer ist so damit beschäftigt sich Sorgen zu machen, dass er dieses Leben irgendwann einmal verlieren wird, dass er darüber glatt vergisst, es überhaupt erst einmal zu genießen.


Andreas Kötter


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