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  Interview ::: Type O Negative
Review

"Eigentlich sind Frauen genauso 'full of shit' wie Männer!"

Juni 2003

Wenige Alben werden so dringend erwartet wie ein neues Werk der Düsterbarden Type O Negative. Besonders nach "World Coming Down", dem depressiven Vorgänger der New Yorker, wurde oft die Frage gestellt, was noch an musikalischer Schwerfälligkeit folgen könnte. Dass Type O Negative hingegen nicht ihre Extreme weiter ausgelotet haben, sondern sich auf ihre Wurzeln besannen, überrascht, und macht "Life Is Killing Me" zu einem der besten Alben der Bandgeschichte. Nach solchem Lob gab Johnny Kelly gerne Auskunft.

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?: Das letzte Mal in Deutschland haben wir dich als Schlagwerker von Danzig gesehen, jetzt stehst du Rede und Antwort für Type O Negative. Hast du dich von deiner Familie getrennt?
!: (lacht) Nein, meine Frau ist sogar froh, wenn ich manchmal aus dem Haus bin.
?: Wo sind für dich die Unterschied zwischen einer Tour mit Danzig und einer mit Type O Negative?
!: Die fehlende Verantwortung bei Danzig. Jeder hat dort seine Aufgabe, meine einzige ist die, Schlagzeug zu spielen. Ich kümmere mich nicht um Presse, Ticketverkäufe, Merchandise... Das macht Glenn alles selbst. Ich musste mich nur um die Songs kümmern. Dafür wurde ich bezahlt.
?: Kanntest du das Songmaterial vorher?
!: Ich kannte Glenn vorher. Type O hat mit Danzig getourt, das liegt allerdings Jahre zurück. Aber die Tour jetzt hat unglaublichen Spaß gemacht, viel mehr, als ich anfangs erwartet habe.
?: In beiden Bands musst du ja mit Front-Leuten klar kommen, die als gelegentlich schwierig gelten. Wie funktioniert das?
!: Das funktioniert immer gleich. Du lernst langsam, was du nicht tun darfst und tust es nicht. Glenn und Peter sind sich oft ähnlich und ich habe keine Probleme, mit ihnen klar zu kommen. Wobei ich Peter auch seit 15 Jahren kenne und mit ihm natürlich anders rede, als mit Glenn.
?: Kommen wir zu "Life Is Killing Me". Der Titel scheint persönlicher gemeint zu sein, als z.B. "World Coming Down".
!: Stimmt, allerdings ist das Album lang nicht so negativ, wie es scheint. Mit "World Coming Down" haben wir schon den absoluten Tiefpunkt erreicht, alles andere wäre ein Begräbnis-Soundtrack geworden. Wir befinden uns wieder auf dem Weg nach oben und haben auch positive Gedanken. Auch Peter geht es wieder etwas besser. Aber natürlich durfte ein Type O–Albumtitel nicht zu positiv klingen.
?: Anfangs dachte ich sogar an die Benutzung von Ironie bei "Life Is Killing Me", denn im Amerikanischen bedeutet z.B. "man, you're killing me", frei übersetzt etwa: "Junge, du bringst mich um (vor Lachen)...
!: So soll es auch sein, in zwei Richtungen interpretierbar. Es gibt immer Witziges in traurigen Themen und natürlich haben wir viele Dinge auf der neuen Scheibe sarkastisch behandelt, angefangen beim Titel...
?: Der Vergleich von Medizinern mit Dr. Jekyll oder dem Nazi-Arzt Mengele im Titel-Track muss wohl auch in den Bereich Ironie verwiesen werden?
!: Doktoren tendieren dazu, einen Gott-Komplex zu haben, auf Grund ihrer Macht über Leben und Tod. Es geht mehr darum, dass wir die Angst darstellen wollten, dass Ärzte nicht für das Wohl des Patienten arbeiten, sondern für ihr eigenes finanzielles Wohl oder ihr wissenschaftliches Renommee. In Amerika ist die medizinische Versorgung ein freies Gewerbe. So als würdest du gebrauchte Autos verkaufen. Also machen Ärzte Dinge, die nicht notwendig sind, damit sie berechnet werden können. Und solche Dinge hat Peter mitbekommen, als sein Vater starb.
?: Wurde in der Band darüber gesprochen?
!: Wenig, Peter bleibt bei solch persönlichen Dingen lieber für sich. Aber wir kriegen natürlich viel mit, z.B. dass er sich jetzt um seine große Familie kümmern muss, er quasi das Familienoberhaupt ist. Und die Texte sprechen für sich. Auch wenn Peter viele persönliche Dinge so verarbeitet, dass sie schwer zu erkennen sind. Da geht es dann plötzlich um Sit-Coms oder Cartoon-Figuren. Etwas sarkastisch eben.
?: In "How Could She" werden fast nur Sitcom-Charaktere früherer Zeiten genant. Ist das nicht eine Flucht aus der Gegenwart, dieses Nach-Trauern der "guten, alten Zeit"?
!: In der Vergangenheit zu leben ist tendenziell negativ, das stimmt, denn du wirst dich nicht weiter entwickeln. Doch Peter hat in seinen Trauer-Phasen viel Zeit zuhause verbracht und sich auch mit Fernsehen abgelenkt. Daher sind die TV-Figuren in seinem Text stellvertretend für reale fehlgeschlagene Beziehungen. Es fragt sich einfach, warum so vieles im Leben in die Brüche geht...
?: Ein weiterer Song - "I Like Goils" – dürfte für einigen Beschuss der Type O Gegner sorgen. Peter könnte hier als stark homophob eingeschätzt werden.
!: Es ist kein Song gegen Schwule! Peter hat jedoch einige skurrile Erfahrung mit Schwulen seit seinem Playgirl-Feature gehabt, da fanden ihn wohl einige recht eindrucksvoll bestückt (Kein Wunder – Anm.d.Verf.). Peter war jedoch nicht so begeistert, wenn er Ausgaben des Heftes unterschreiben musste, bei denen die Seiten zusammen klebten. Er wurde einfach oft angegraben und war es etwas satt. Aber der Text übertreibt natürlich stark, um auch die Political Correctness der heutigen Zeit zu ironisieren.
?: Aber die Tatsache, dass er sich so vehement gegen Schwule wehrt, könnte auch als Angst ausgelegt werden. Angst vor eigenen homosexuellen Tendenzen beispielsweise.
!: Nein. Es ist reiner Sarkasmus. Ein Witz.
?: Du sprichst davon, dass sich Schwule von Peters Nacktheit im Heft angesprochen fühlten. Was ist mit Frauen, die haben die Bilder doch bestimmt auch geschätzt, oder?
!: Davon gehe ich aus. Wenn ich aber genau wüsste, was Frauen anmacht, würde ich es verpacken und verkaufen. Doch, ich glaube, dass viele Frauen daraufhin wenigstens auf die Band aufmerksam wurden.
?: Also reagieren Frauen eigentlich genauso auf Bilder von nackten Männern, wie Männer auf Bilder von nackten Frauen?
!: Ich glaube schon. Wahrscheinlich sind sie nur etwas diskreter dabei. Aber eigentlich sind Frauen genauso "full of shit" wie Männer (lacht).
?: Zurück zum Album. "I Don't Wanna Be Me" ist die erste Single-Auskopplung und gleichzeitig das erste "Easy-Listening"–Stück von Type O Negative seit "My Girlfriends Girlfriend". Warum gibt es jetzt ein solches Stück zu hören, das auf "World Coming Down" komplett fehlte?
!: Das war keine Absicht. Das Stück war sogar einer der letzten Songs, die für das Album geschrieben wurden. Erst nachdem wir es aufgenommen hatten und einige Leute uns auf die Eingängigkeit aufmerksam gemacht hatten, wurde uns bewusst, dass das wohl die Single werden würde. Peter schafft es aber auch immer wieder, in der letzten Minute noch eben eines der besten Stücke des Albums zu schreiben.
?: Beim letzten Interview erwähntest du mir gegenüber, dass das Type O–Debüt "Slow, Deep and Hard" eigentlich dein Lieblings-Album der Band wäre, obwohl du damals noch nicht dabei warst. Jetzt sind wieder einige härtere Stücke auf dem aktuellen Album, die an den Erstling oder den Nachfolger "Bloody Kisses" erinnern. Ist das dein Einfluss?
!: Nein. Bei "I Like Goils" hatte Josh seine Finger im Spiel. Er wollte das Stück aggressiv haben. Ich habe generell keine Präferenzen, ob wir schnelle oder langsame Stücke spielen, speziell auch, da viele unserer Songs sich im in deren Verlauf im Tempo ändern. Mir geht es eher um die Dynamik der Stücke. Live versuchen wir allerdings viele schnelle Tracks unterzubringen und das Set generell etwas anzuziehen. Wie die Stones es früher gemacht haben...
?: Du warst auf vielen Tourneen mit Type O Negative und jetzt auch Danzig. Was blieb dir davon am besten in Erinnerung?
!: Oh Mann, so viele Dinge sind mir passiert. Ich bin ja jetzt zehn Jahre bei Type O. Ein Highlight war das Dynamo 1995, wo wir vor ungefähr 100.000 Menschen spielten. Abgefahrene Dinge waren auch dabei, z.B. auf Tour mit Danzig ist ein Kerl von der Security in San José von einem Zuschauer erstochen worden. Er wollte hinter die Bühne, wo angeblich jemand seine Frau fickte, die Securities wollten ihn natürlich nicht durchlassen und der Zuschauer stach mit dem Messer auf einen ein. Er wurde festgehalten bis die Cops kamen und wir standen daneben und mussten mit ansehen, wie der andere Kerl starb. Der Täter war angeblich auf Drogen.
?: Wie steht's mit Groupies auf Tour? Du bist verheiratet aber bekommst bestimmt viel mit.
!: Das ist eigentlich eher Peters Thema. Ich bin kein Rocker. Aber ich kriege auch nicht so viel mit, die anderen Jungs machen das hinter geschlossenen Türen. "Glücklicherweise", muss ich manchmal sagen (lacht). Aber das, was ich als Teenager in den 80ern begeistert in den Metal-Magazinen gelesen habe – Orgien, etc. – hab ich nie gesehen. Anderseits haben wir mal mit Mötley Crüe getourt und sie supportet. Das war die wildeste Tour überhaupt, was Parties und Girls angeht. Kenny und ich tranken Bier bis zum Umfallen. Mit Pantera dagegen waren es mehr die chemischen Drogen, auch wenn Phil damals noch total fit war.
?: Du wirst Phil ja auf der "Blackest of the Black"–Tour wiedersehen, wo du mit Danzig spielst und Phil mit Superjoint Ritual. Was hältst du von der Tour?
!: Ich weiß, ihr in Europa habt andauernd solche Bands hier, für euch ist das nichts besonderes. Aber für uns ist es wirklich interessant, wie die Amerikaner auf einige der Bands wie Lacuna Coil oder Opeth reagieren.
?: Was ist der Unterschied zwischen Konzerten für Danzig oder Type O Negative vom Spielerischen?
!: Vom Schlagzeug her sind viele Dinge ähnlich, da fiel mir die Umstellung nicht schwer. Howy und Todd (Git. und Bass) haben mir schon früh gesagt, dass ich meine Sache sehr gut mache, was ein schönes Kompliment war. Generell ist Danzigs Musik sehr straight, Rock-Drumming eben. Type O hat kompliziertere Strukturen und Keyboards, Peter ist eher Sänger als Bassist, daher kann ich mich musikalisch nicht immer auf sein Spiel verlassen. Aber für Danzig zu spielen macht viel Spaß, du haust einfach rein, ohne dir zu viele Gedanken zu machen, und die Leute gehen ab.

Thorsten Wilms


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