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  Interview ::: Misfits
Review

Nichts als die Wahrheit

März 2003

Die Misfits gehören mittlerweile zu den Stammgästen bei discover. Warum? Jedes Interview ist wie eine weitere Folge in einer endlosen Seifenoper mit den Kult-Punks in der Hauptrolle. Die Besetzung dieser Staffel: Jerry Only (Misfits) - Bass und Gesang, Marky Ramone (Ramones) - Drums, Dez Cadena (Black Flag) - Gitarre und Gesang. Dass die drei gestandenen Rocker einiges zu sagen hatten, war klar, dass aber weit über eine Stunde in einem Kölner Hotel kaum ausreichen sollte, war nicht abzusehen.

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Jerry beginnt den Talk auch sogleich auf seine Art und rekapituliert kurz die Geschichte der Misfits seit der Reunion im Jahre 1996. Der Monolog endet mit einem netten Dank an die treue Fiend-Gemeinde:
"Europa war immer etwas besonderes für uns. Die Fans haben uns damals auf der ersten Tour mit Michale Graves sehr unterstützt und wir sind immer gerne zurück gekommen. Leider hat uns Roadrunner Records seit dem Release von 'Famous Monsters' so wenig unterstützt, dass wir uns es schlichtweg nicht leisten konnten, hier zu spielen. Wir müssen auf einer Tour auch ein bisschen Geld mit nach Hause bringen und können nicht nur für ein Label deren Album supporten."

Jubiläen und Beerdigungen
Mit der jetzigen Besetzung und weniger Aufwand als auf regulären Touren, versuchen die Misfits nun seit zwei Jahren auf eigene Faust weiter zu machen. Dabei stand die sogenannte M25-Tour, zum 25. Jubiläum der Band, anfangs unter keinem guten Stern. Jerry erklärt:
"Diese Tour startete drei Tage nachdem Joey Ramone starb. Joey sollte eigentlich diverse Shows mitspielen und wir wollten Songs von seiner damals noch nicht erschienenen Solo-Scheibe spielen. Dann verstarb Dee Dee Ramone, den wir auf einem weiteren M25-Abstecher mitnehmen wollten. Joe Strummer wollten wir ebenfalls fragen, ob er mit uns touren wollte. Nachdem der auch starb, traute ich mich nicht mehr, noch irgendwen zu fragen." Nach solchen Schlägen für die Punk-Welt und für die Bandmitglieder persönlich, ist es immerhin beruhigend für sie, dass der erste Europa-Abstecher der M25-Tour beeindruckend funktioniert: "Das stimmt, bis auf Porto war jedes Konzert ausverkauft. Und die Kids kriegen etwas geboten. Wir nehmen die besten Songs von jedem Misfits-, Ramones- und Black Flag-Album, wer soll das nicht sehen wollen?" Probleme gibt es allerdings immer wieder, in Italien spucken die Fans beispielsweise weiterhin wie in den 70er Jahren die Band an. "Allerdings nicht so schlimm wie in Südamerika", erinnert sich Jerry Only, "dort mussten wir Ventilatoren an den Bühnenrand stellen, damit die Spucke zurück flog."
Was die Fans jedoch am ehesten verwunden dürfte, ist die Tatsache, dass die tourende Punk-Jukebox unter dem Namen Misfits auftritt: "Das hat rechtliche Gründe. Marky darf zwar unter Marky Ramone aber nicht unter The Ramones auftreten. Aus Respekt für Joey und Dee Dee wäre das sowieso indiskutabel gewesen. Der Name Black Flag gehört Greg Ginn. Nur ich darf unter dem Namen Misfits touren, also war das die logische Schlussfolgerung."

Back to the 50s
Die Namensgebung der nächsten Veröffentlichung handhabt Jerry Only im Gegensatz zur Tour sensibler. Das nächste Album der derzeitigen Misfits-Besetzung wird nicht unter dem Namen der Band erscheinen, sondern unter dem offensichtlichen Titel "The 50s Project". Wie bereits mehrfach angekündigt wird das Album nur eine Art von Songs enthalten: Coverstücke aus den 50ern. Warum der andere Name? Jerry macht den Misfits-Fans Hoffnung:
"Die derzeitige Besetzung ist nur eine Zwischenstation auf dem Weg zu einer richtigen Band. Ich werde versuchen meinen Bruder Doyle wieder dazu zu holen, der vor zwei Jahren ausstieg um eine Scheidung zu bewältigen und mittlerweile ein Kind mit seiner zweiten Frau hat, und ich versuche weiterhin Gespräche mit Glenn Danzig zu führen (der die Band 1983 verließ und seitdem kein gutes Haar an Jerry ließ - Anm.d.Verf.)." Doch erstmal steht "The 50s Project" ins Haus und Jerry erklärt den Hintergrund: "Punk-Rock baut auf dem selben Grundgerüst auf, wie die Rock'n'Roll-Songs der 50er. Drei Akkorde und einprägsame, großartige Gesangslinien. Es war nicht kompliziert, wie in den 70ern, als jeder ein zweiter Malmsteen oder van Halen werden wollte." Jerry ist nicht begeistert, als ich ihn an seine eigenen Versuch einer Metal-Karriere mit der Band Kryst The Conquerer erinnere, in der immerhin ein gewisser Jeff Scott Soto am Mikro stand (Yngwie Malmsteen Band). "Ach weißt du", gibt sich der Basser einsichtig, "Wenn du Äpfel verkaufst, willst du Orangen und wir spielten Punk-Rock und wollten plötzlich wie Iron Maiden klingen. Alle unsere Freunde, wie die Necros (80er HC-Band – Anm.d.Verf.), hörten plötzlich Metal und beeinflussten uns..."

Danzig schießt quer
"Es sind nicht die Misfits, noch nicht mal Doyle. Es ist nur Jerry und ein Typ von den Ramones, der noch nicht einmal ein Original-Ramone ist, und irgendein Kerl von Black Flag der total nicht dazu passt.", kommentierte Glenn Danzig beim Interview im Dezember die derzeitige Besetzung seiner Ex-Band. Klar, dass das Zitat des Muskelprotzes für Aufsehen im M25-Camp sorgt. Marky Ramone meldet sich zu Wort: "Die Ramones sind viel größer als Danzig, ich selbst bin bekannter als Danzig, ich habe mehr Platten verkauft als Danzig, ich war 15 Jahre bei den Ramones, Tommy (der Drummer der ersten drei Scheiben - Anm.d.Verf.) nur drei, ich bin im Film 'Rock'n'Roll Highschool', also sag Danzig bitte, dass er sich sein Zitat in seinen kleinen, verfickten Hintern stecken kann. Mal abgesehen davon, dass in seiner Band niemand spielt, den irgendwer kennt und dass er jetzt plötzlich Rap-Metal machen muss, weil er keine CDs mehr verkauft hat."
Jerry Only, langjähriger Weggefährte von Glenn Danzig, sieht immerhin das Positive der Aussage:"Normalerweise weigert er sich komplett, über die Misfits zu reden. Aber ich weiß auch nicht, warum er so ein bitterer Mensch geworden ist. Früher war er cool, er lebte für die Punk-Szene. Er saß stundenlang mit Henry Rollins und Ian McKay (Minor Threat, Fugazi - Anm.d.Verf.) zusammen und diskutierte über Politik, während wir anderen Football spielten. Trotzdem haben wir uns super verstanden. Irgendwann hat sich Glenn eine sehr negative Einstellung angeeignet. Wir dagegen mögen unsere Musik, unsere Fans und unsere Vergangenheit."

Tribute-Alben
Vergangenheit ist ein wichtiges Thema bei den Misfits, Ramones und Black Flag. Alle drei Band haben zahllose Nachfolger beeinflusst, die sich durch unzählige Coversongs revanchieren. "Violent World" hieß das erste offizielle Misfits-Tribute, jährlich erscheinen weitere. Ebenso von den Ramones, deren aktuelle Tribute-CD "We're A Happy Family" gerade im Handel ist.
"Das Album saugt", gibt sich Marky Ramone erneut kämpferisch. "Einzig Kiss und Rancid haben gute Covers eingespielt. Green Day ist gerade ok, der Rest ist scheiße, besonders Metallica, Marilyn Manson und Red Hot Chili Peppers. Das sind alles Bands, die mit Punk nichts am Hut haben und sich nur selbst darstellen wollten. Johnny Ramones Hollywood-Posse." Der Ärger des Ramones-Drummers rührt möglicherweise auch daher, dass er selbst in das Projekt zu keinem Zeitpunkt involviert war. "Ich hätte auch nicht mit gemacht. Die Bands sind scheiße und dran verdienen tue ich auch so." Auch Dez Cadena ist nicht glücklich über das kürzlich erschienen Blag Flag Tribute-Album "Rise Above", das gleichzeitig eine Unterstützung der "West Memphis Three" ist. "Ich habe mir mit Jerry das Video über die drei Angeklagten angesehen: Wir glauben nicht, dass sie unschuldig sind. Anderseits wollen wir auch niemanden vorzeitig verurteilen. Auch das Album gefällt mir nicht: Keine Passion, kein Gefühl für die Musik bei den Gastsängern. Und dann singt Henry noch auf seinem eigenen Tribute-Album... Ich glaube, er wollte damit nur seine eigene Band promoten. Denn mich hat keiner gefragt, ob ich mitmachen möchte, mal abgesehen davon hätte ich es auch nicht getan."

Die Zukunft
Egal, wie kritisch man die derzeitige Lage der Misfits sieht, Jerry Only tut das, was er für richtig hält:
"Ich will die Misfits weiterführen, egal wie. Es hat sich einfach gezeigt, dass ich dafür alles selber machen muss, ein eigenes Label gründen, das Merchandise selber produzieren... Aber es geht weiter: Noch dieses Jahr werde ich anfangen, an einer neuen Misfits-Scheibe zu arbeiten. "

Und auch Marky Ramone hat noch ein heißes Eisen im Feuer: "Joey hat vor seinem Tod noch genügend Songs für ein zweites Solo-Album eingesungen. Daran werde ich in Kürze zusammen mit Ed Stasium (Ramones-Produzent - Anm.d.Verf.) arbeiten, neben einem Buch, das ich über die Ramones schreibe."

Thorsten Wilms


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