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  Interview ::: J.B.O.
Review

Wirtschaft sagt: "Spring!" - Politik fragt: "Wie hoch?"

November 2002

Sie sind wieder am Start, die Franken mit dem besonderen Sinn für Humor. Die neue Platte der Jungs, "Rosa Armee Fraktion" hat es nicht nur musikalisch in sich und faustdick hinter den Ohren, auch der treffende feinsinnige Sarkasmus der Band um Sänger Vito C. kommt immer durch. J.B.O. befinden sich zum Zeitpunkt dieses Interviews bereits auf Tour durch deutsche Lande und so kann man die Reaktionen der Leute auf das neue Material ja auch gleich bestens vor Ort abtasten. Die Gewichtung auf der neuen Platte liegt dabei in erster Linie auf eigenen Songs. Der Grund dafür:

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"Will man eigene Ideen, eigene Texte umsetzen, ist das einfach die bessere Methode. Nimmt man eine Fremdkomposition, müssen die Lyrics immer irgendwie dazu passen, was einen mitunter recht einschränken kann. Ich find's auch nicht so schlimm, wenn die Hörer durch die gute Laune, die unsere Songs verbreiten, manche Passagen in den Texten nicht gleich so wahrnehmen. 'Rosa Armee Fraktion' bietet somit auch bei jedem Mal Hören etwas Neues zu entdecken", plaudert Vito drauf los. Der Klampfer und Sänger sieht Musik als ein O-Ton - "Konglomerat aus vielen Dingen. Sie ermöglicht einem, in verschiedensten Richtungen kreativ zu sein und seine Ideen auszuleben."

Wie sieht es dann mit Vitos Meinung bezüglich "Musikern" aus, die ihre Kreativität schlussendlich nur dadurch ausleben, ein wenig ins Mikro zu hauchen? "Na ja, das sind für mich Retorten-Bands. Wer wirklich etwas auf dem Kasten hat, schreibt auch selbst Songs. Alle anderen leihen nur ihre Stimmchen her. Ich kann da aber ehrlich gesagt ganz ruhig daneben stehen und mir das ansehen. Die Leute wollen eben beschissen werden. Das Gefühl habe ich schon allein, wenn ich die Glotze anmache. Nimm nur mal die Politik: Den Menschen scheint es doch echt egal zu sein, dass sie die ganze Zeit veräppelt werden. Um noch mal zur Musik zurückzukommen: Früher wurden Bands auch gecastet, allerdings unter einem Deckmantel. Heute geschieht das ganz öffentlich. Es wird ganz offiziell klar gemacht, dass hier nicht Musik um der Musik Willen entsteht, sondern nur wegen des Geldes."

Und in diesem Tenor geht das Gespräch auch weiter. "Wir leben in einer krassen Konsumgesellschaft. Allein diese Werbung von wegen 'Geiz ist geil' - Hilfe! Das ist doch furchtbar. Ich gehe selbst ab und an in einen solchen Laden, denn auch als Musiker muss man manchmal was einkaufen - doch ich gehe dann mit einem Gruseln wieder raus. Kein Mensch hat Geld, aber jeder kann sich tausend Sachen kaufen. Handy - ist wichtig. Fernseher mit einer Bildschirmdiagonale von am besten 200 Metern - genauso wichtig. Über die Ökosteuer wird gemault und trotzdem eiern alle überall mit dem Auto hin."

Zwischendurch stutzt Vito mit den Worten: "Unglaublich, was ich hier alles sage", aber mit einem Themenwechsel ist es Essig - eine Meinung zur neuen Platte müsst ihr euch dann wohl am besten auf Tour oder durch die Scheibe selbst machen. "Alle haben 'oh' geschrien, als die große Flut kam. Hat irgendwer mal darüber nachgedacht, dass wir selbst daran schuld sind?! Andererseits ist die Lobby der Öl-Barone auch sehr groß und richtige Spar-Autos werden nur gaaanz langsam entwickelt.

Politik und Wirtschaft spielen sich immer gegenseitig in die Hände und wie Vito sagt: Wenn 'die Wirtschaft' 'Buääääh' macht, springen unsere Politiker. Ich frage mich, wie 'die Wirtschaft' ständig wachsen kann/soll. Irgendwann muss das Ganze kollabieren. Ein permanentes Wachstum kann nur durch Export ermöglicht werden, aber die Weltwirtschaft kann auch nicht beständig weiterlaufen."

Während sich also die ganze Welt mit Handies und Computern das Hirn vernagelt, wie es Musikus nennt, ärgern sich andere vor sich hin und ziehen ihre Konsequenzen. "Jeder hält sich für das goldene Kalb, meint Anspruch auf alles für Null zu haben. Wir werden unsere nächste Scheibe auf jeden Fall nicht mehr in diesem Rahmen auf die Beine stellen. Wir haben mit 'Rosa Armee Fraktion' die gleiche Position in den Charts erlangt wie mit der Vorgängerscheibe, aber nur etwa die Hälfte davon verkauft." Da soll noch mal einer sagen, CD-Brenner und MP3s schaden niemanden.

"Ich sehe das Problem eher in der Brennerei. Wenn jeder nur ein oder zwei Kopien weitergibt, ist das alles in allem wirklich schlimm. Die Argumente, man habe nicht mehr so viel Geld, verstehe ich voll und ganz. Schließlich braucht man alle a....lang ein neues Handy. Sicher könnte ich mich nun hinstellen und sagen, wir seien nicht mehr so erfolgreich, doch unsere Konzerte sprechen eine genau umgekehrte Sprache. CD-Brennen ist normal. Klaust du einen Kaugummi, rückt die Polizei an. Wir werden sicher auch künftig keinen Müll abliefern, in diesem Fall würden wir uns selbst schämen. Aber wir werden Abstriche machen, um Geld einzusparen. Dieses Mal haben wir auch kein Video für x-tausend Mark/Euro gedreht - wir sind keine Single-Band und auf den Sendern wird es eh' nicht gespielt. Da bleiben wir doch lieber bei den Konzerten. Die machen immer wieder Spaß."

Eva-Maria Übelhack


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