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  Interview ::: Naoki Kenji
Review

"Ich nutze gerne meine Familie als Quelle."

Juli 2002

Nach zwei Jahren musikalischen Schaffens und einigen rein amerikanischen Veröffentlichungen kehrt Naoki Kenji nun mit einem neuen Album nach Deutschland zurück. Grund genug, ihn in die Redaktion einzuladen, um mit ihm ein Gespräch über sein Wirken zu führen.

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Denshi Ongaku (CD)
Tozai - East Meets West (CD)
Denshi Ongaku (DVD)
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?: Du hast nach deiner CD "Tozai - East Meets West" vor etwa zwei Jahren einen Vertrag in Amerika bekommen, wo du seither zwei Alben veröffentlicht hast. Zurück in Deutschland hast du dein neues Album "Denshi Ongaku" auf Elektrolux herausgebracht. Was bedeutet der Titel?
!: Übersetzt aus dem Japanischen bedeutet es schlicht elektronische Musik.
?: Da hast du den Titel auf das Wesentliche reduziert, würde ich sagen.
!: Ja, das kann man im Wortsinne sehen. Im Gegensatz zu den vorherigen CDs habe ich nur elektronische Instrumente eingesetzt. Bei "Tozai" oder der nur in den USA erschienenen "Down Town Tokjo" habe ich New Trumpets und sogar einen Live Drummer eingesetzt, jetzt hingegen ist es nur reine elektronische Musik.
?: Du bist in Tokyo geboren, dann - soviel ich weiß -in Kobe aufgewachsen aber auch schon lange in Deutschland.
!: Ja, mit 12 bin ich hier in Deutschland auf ein Internat gekommen. Mein Vater ist Deutscher, meine Mutter Japanerin und die wollten eine straighte deutsche Schulausbildung. In Kobe habe ich zwar eine deutsche Schule besucht, aber da konnte man nur mittlere Reife machen und das war nicht genug, da mein Vater immer wollte, dass ich Rechtsanwalt werde.
?: "Tozai" war stark von Drum'n'Bass beeinflusst. Bei den Sachen, die du in den USA gemacht hast, hat sich dann schon ein anderer Einfluss abgezeichnet und bei "Denshi Ongaku" setzt sich das fort. Es ist alles in allem etwas ruhiger geworden.
!: Ja, der Drum'n'Bass-Anteil war auch schon bei "Tozai" eher unterschwellig, also kein purer Drum'n'Bass. Das ist auch bei den USA-Geschichten noch drin gewesen. "Denshi Ongaku" ist chilliger geworden. Mehr Downbeat und Ambient. Man orientiert sich immer wieder neu und die Downbeat-Sachen sind im Moment genau der Stil, auf den ich stehe.
?: Das passt ja auch ganz gut zu den Sachen, die du im Moment sonst noch machst. Du bist ja sehr rege, könnte man sagen. Da gibt es, auf Neuton erschienen, das Projekt JP Juice...
!: Ja, das ist ein anderes Pseudonym, unter dem ich arbeite. "Shogun" heißt das Album und da habe ich eigentlich noch mehr kleine Drum'n'Bass-Anteile als bei Kenji. Der Unterschied ist hauptsächlich, dass JP Juice nicht so reduziert ist auf reine Elektronik wie Kenji.
?: Arbeitest du bei diesem Projekt allein?
!: Ja.
?: Als ich in die "Shogun" reingehört habe waren die ersten Assoziationen, die mir dazu kamen die typischen Drum'n'Space-Sounds, wie sie beispielsweise LTJ Bukem gerne verwendet.
!: Space ist sicher nicht ganz falsch. Immerhin laufen ja auch die beiden Videos, die auch auf der CD sind, nachts auf Hessen 3 in der "Flow Motion".
?: Dann gibt es noch ein weiteres Projekt - Planet Lounge.
!: Mein heißestes Eisen derzeit. Ich habe durch Studioaufnahmen Kontakt zu dem Jazz-Pianisten Christoph Spendel und dem Perkussionisten Hakim Ludin. Wir drei haben lange darüber nachgedacht, wie man diese unterschiedlichen Welten - klassische Jazzelemente, Worldpercussion und die Elektronik - zusammen bringen kann. Das Problem war für uns, dass wir keinerlei Ahnung hatten, wie es klingen sollte, um - sagen wir mal - homogen zu sein. Wir haben dann bei den ersten Treffen im Studio unsere jeweiligen Ideen einfach vorgespielt und uns gemeinsam spontan entschieden, wie wir diese Roughs weiter bearbeiten wollen. Daraus ist dann ein Gefüge entstanden, das wir auch live umsetzen wollen. Das wird ein ziemlich spannendes Bild, denke ich. Auf der einen Seite der Bühne der Konzertflügel, in der Mitte der Orientteppich mit den unterschiedlichsten Percussion-Instrumenten und auf der anderen Seite der elektronische Aufbau mit meinem Laptop und den Synthesizern.
?: Du hast mir schon erzählt, dass du nicht mit neuer Elektronik arbeitest, sondern noch alte Keybords und analoge Syntheziser benutzt.
!: Ich bin sozusagen noch Old School. Das liegt einfach daran, dass ich glaube, diese Wärme, die analoge Geräte in den Sound bringen, kann man auf rein digitalem Weg nicht erreichen. Die Digitalgeräte sind einfach zu hart vom Sound her.
?: "Planet Lounge" wirst du live performen - wie ist das mit den Kenji-Sachen ?
!: Auch das werde ich live machen in näherer Zukunft. Für genauer Daten sollten die Leute vielleicht auf meiner Homepage www.naokikenji.com nachsehen. Ich werde das übrigens mit einem alten Freund machen, der hier aus Köln kommt. Wir proben schon seit März.
?: Die Videofiles, die auf der "Shogun" mit drauf sind, die hast du selbst gemacht?
!: Ja, und das hat einen einfachen Grund: Mit der Art von Musik, die ich mache, bediene ich einen nur recht kleinen Markt. Für diese Nische gibt es recht wenige Foren, in denen man seine Musik einem breiteren Publikum zugänglich machen kann. Dazu gehören die "Space Night" auf Bayern 3 und die "Flow Motion" auf Hessen 3. Während bei der "Space Night" nur dein musikalisches Material verwendet wird, machst du als Künstler für die "Flow Motion" deine eigenen Videos - natürlich für kleines Geld. Bei mir war es so, dass ich durch meine Schwester, die hier in Köln lebt und als Modell arbeitet, Kontakte zu Leuten von der Medienhochschule hatte, die mir ein Video versprochen hatten und dann doch nie etwas gemacht haben. Bis ich dann die Faxen dick hatte, mir eine DV-Kamera gekauft und das ganze selbst gemacht habe. Mittlerweile habe ich sogar für Sushi Club, die ebenfalls bei Elektrolux sind, auch noch ein Video gedreht.
?: Als kleine erläuternde Randbemerkung meinerseits: Deine Schwester ist im Video zu dem Track "Susumi" von Farin Urlaub zu sehen.
Deine Schwester und auch deine Mutter haben für Tracks auf deinen Alben schon des öfteren Texte gesprochen.

!: Ja, ich mag japanische Sprachsamples gern, da ich aber meine eigene Stimme nicht gerne auf meinen Tracks höre, nutze ich meine Familie gern als Quelle. Meine Mutter musste für einen Track auf der JP Jucie sogar ein Gedicht schreiben, welches ich dann vertont habe. Auch mein Cousin muss öfter mal her halten, wenn ich in Kobe bin.
?: Du fährst recht häufig nach Japan und bringst sicherlich immer eine ganze Menge neuer Soundsamples mit - sind das deine Wurzeln?
!: Japan hat einfach einen ganz eigenen Soundkosmos. Jeder Automat quatscht dich an, wenn du davor stehst, überall machen einen Stimmen aus dem Off auf Dinge aufmerksam. Dazu kommen die traditionellen Sounds wie Gesänge oder dergleichen.
?: Auf "Downtown Tokyo" hast du diesen Mönch...?
!: Das war ziemlich schwierig, den zu kriegen. Von den älteren Mönchen wollte keiner auf meinen MD-Player singen. Ich habe sechs Anläufe gebraucht, bis ich einen jungen Mönch überreden konnte.
?: Ein Sound, an den ich immer wieder zurück denke - und den ich für ganz typisch japanisch halte - ist dieses fast ohrenbetäubende Getöse in den Pachinkohallen. Weißt du, wie dieses Spiel funktioniert? Ich habe es nie begriffen!
!: Den Sound habe ich auch versucht zu samplen - unmöglich - nur übersteuert. Pachinko ist ja ein Glücksspiel, also etwas, was in Japan verboten ist. Interessant ist, wie die dieses Verbot umgehen. Du kaufst dir also, sagen wir mal für 1000 Yen, 100 Kugeln. Mit denen gehst du an die Automaten, steckst eine nach der anderen hinein und wenn du geschickt bist und die Kugeln au der richtigen Stelle platzierst, dann kommen am unteren Ende immer mehr Kugeln raus als du reingesteckt hast. Die Kugeln sammelst du und gibst sie dann an der Kasse ab. Da bekommst du aber kein Geld dafür sondern, sagen wir mal für 1000 Kugeln eine Tafel Schokolade oder so etwas. Dann gehst du mit diesem Gewinn einmal um die Pachinkohalle herum und in eine kleine, düstere Kaschemme und kannst dort diesen Gewinn verkaufen. So bekommst du etwa dann für diese Tafel Schokolade dort 10000 Yen. So wird das Glücksspiel-Verbot umgangen.
?: Was steht noch an in der näheren Zukunft?
!: Jedes Jahr eine neue Naoki Kenji machen, fleißig Videos drehen, viel live spielen mit Planet Lounge und Naoki Kenji und mit Markus Schmal, der einen Hälfte von Rauschfaktor fliege ich jetzt nach Island um dort... - ich will jetzt noch gar nicht so viel darüber sagen - wird auf jeden Fall auch eine ganz interessante Geschichte werden.
?: Danke für das Gespräch.

Carsten Bäumer


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