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  Interview ::: U.D.O.
Review

Profilneurosen

März 2002

In so manchen Mags ist in Interviews zur neuen U.D.O.-Platte "Man And Machine" zu lesen, Udo Dirkschneider selbst sähe U.D.O. als Accept - nur mit anderem Namen. Nun, eigentlich wehren sich Musiker gegen Vergleiche mit ihren voraugegangenen Bands doch ab und an mal, aber wenn's halt mal die Wahrheit ist...

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"Diese Aussage von mir ist keine Reaktion darauf, dass die Presse uns oft auch so gesehen hat. U.D.O. waren stilistisch nie weit weg von Accept. Besonders die zweite Scheibe von U.D.O. - auf dieser Platte hätte auch Accept stehen können. Vielleicht klangen die Gitarren mittlerweile ein wenig anders. Doch mit Stefan Kaufmann als Produzent und an der Gitarre an Bord gibt es eigentlich kaum mehr einen Unterschied. Ich habe auch nie einen Hehl daraus gemacht, welche Mucke ich machen möchte. Dieser Sound hat Accept groß gemacht. Doch die Versuche der Band, modern und mainstreamig zu klingen, und auch das Ergebnis dieses Unterfanges, bestätigen mich eigentlich nur in dem, was ich machen will. Trendreiterei geht eben oft nach hinten los."
Udo selbst lebt sehr gut damit, wenn er Kommentare hört, der Sound von U.D.O. sei nichts Neues.
"AC/DC machen auch nie was Neues. Wir wollen gute Songs schreiben. Gute Musik ist zeitlos und guter Metal auch. Außerdem wurde der Metal erst irgendwann erfunden - zuerst hieß das ganze noch Hardrock."
Würde sich der Metal weiterentwickeln, stellt sich die Frage, ob es dann noch Metal wäre.
"Viele der neuen Bands, die man heute als Rock-Acts im Radio oder TV hört und sieht, haben alte Sachen verbraten."
Vielleicht sollte man ja auch ein neues Notensystem erfinden - das wäre wirklich etwas, was schon lange nicht mehr da war, huahhh.
"Na, demjenigen wünsche ich viel Spaß dabei, haha. So etwas wird wohl kaum passieren. Manche Außenstehende reden schon Müll über die Szene, andere wiederum bringen konstruktive Kritik."
Und so bekommet auch die Presse ihr Fett weg.
"Manche Journalisten scheinen unter einer Profilneurose zu leiden, die ihnen sagt, dass sie eigentlich die Stars sind. Man kann sich ja durchaus dezent einbringen.. aber ich bin lange genug dabei, um damit klar zu kommen. Ich habe bisher zwei Interviews in meiner Laufbahn abgebrochen und sagte zur betreffenden Person 'Schreib, was du willst'. Manche fühlen sich anscheinend groß, wenn sie einen anderen fertig machen können. Mit Diskussionen habe ich wahrlich kein Problem, aber wenn die Sache ins Leere läuft, muss ich das nicht haben. Ich möchte kein Michael Jackson sein - über was Menschen, die derart beäugt werden, alles stehen können müssen..."
Ist schon wahr, zumal sich die Allgemeinheit halt doch leider eher mit Schmierfetzen in Boulevardrichtung die Zeit beim Lesen vertreibt, als mit wirklich gut recherchierten Artikeln und Themen, die dann doch wichtiger sind als Uschi Glas' Privatleben.
"Ich habe mich auch schon ein paar Mal gefragt, mit wem dieser oder jener Redakteur eigentlich gesprochen hat, wenn ich ein Interview über uns gelesen habe. Doch das war auch mehr in der Anfangszeit von U.D.O. der Fall. Mittlerweile ist es so, dass diejenigen, die Interviews mit uns machen, sie auch wirklich machen wollen. Man kennt das ja, dass man als Magazin oder Schreiberling auch mal zu einem Interview überredet wird - und da können dann schon komische Sachen bei rauskommen. Aber heutzutage ist es so, dass die Leute wirklich informiert sind."
Zumal eine Sache an dem Sänger wirklich bewundernswert ist: Man kann Interviews mit ihm führen, so oft man will, und es ist immer wieder interessant. Nicht dauernd die selben drei Statements wieder und wieder.
"Ich bin nicht der typische Rock'n'Roller, der CDs veröffentlicht, auf Parties rennt und auf Tour geht. Ich interessiere mich für viele verschiedenen Dinge, die Prioritäten muss man sich dabei aber selbst setzen. Man kann alles organisieren. Sicher gibt es ab und an auch stressige Zeiten, das leugne ich nicht. Doch was zum Beispiel U.D.O. betrifft, habe ich immer einen ungefähren Zeitablauf im Kopf. Und wenn mit der Band weniger zu tun ist oder Pause herrscht, kümmere ich mich mehr um mein Label. Der größte Stress ist es eh, bis ein Album veröffentlicht ist. Die Sache mit dem Label war auch ein Prozess der Marke 'learning by doing'."
Wobei das Label auch zuerst nur für U.D.O. geplant war.
"Alle anderen Bands haben sich im Laufe der Zeit dazugesellt. Ich bin mit der Entwicklung von Breaker Records sehr zufrieden. Zu viele Bands möchte ich allerdings nicht unter Vertrag haben. Kleinkrieg, also Stefan Klein, hat eine sehr gute Platte vorgelegt, die aber die Menschheit einfach nicht so recht wollte. Damit müssen sowohl Stefan als auch ich leben. Cyberya läuft absolut toll, da tut sich wirklich was. Mit Double Action passt auch alles, wobei sich da im Live-Bereich mehr tun könnte. Ich bin aber nun mal keine Booking-Agency. Rough Silk sind alte Hasen, die sich im Geschäft auskennen. Vanize wiederum, die Band meines Bruders, ist ein schwieriges Thema."
Dabei sollte man eigentlich meinen, die Leute hätten endlich geschnallt, dass man als Fan rauer und kraftvoller Heavy-Mucke an Vanize einfach nicht mehr vorbeikommt.
"Es kommen nach wie vor Sprüche, wie 'das Original haben wir schon' - mein Bruder und ich sind uns stimmlich nun mal ähnlich. Wieder andere lassen auch Sprüche wie 'ah, jetzt nimmt er seinen kleinen Bruder auch noch unter Vertrag' ab... Es ist eher ein Nachteil, dass ich Vanize unter Vertrag habe, denn ein Vorteil - und vielleicht wäre es intelligent, die Band bei einer anderen Plattenfirma unterzubringen. Solche Dinge sollten allerdings bei der Presse nicht zählen. Es sollte um die Musik gehen. Ich kann dazu nur sagen, dass sich hinsichtlich Vanize höchstwahrscheinlich etwas ändern wird."
Wie Udo sagt, ist die Musik eigentlich nur zehn Prozent - die restlichen neunzig sind Business.
"Doch damit muss man sich eben rumschlagen. Nimmt einem jemand diesen Businesskram ab, kann man sich voll und ganz auf die Musik konzentrieren. Ich selbst kann mit dem ganzen Zirkus leben. Zu Accepts Anfangszeiten hatten wir ein Management, das sich um solche Dinge kümmerte. Zwei-, dreimal im Jahr setzte man sich zusammen, damit jeder ungefähr im Bilde war. Es ist wichtig, dass jemand da ist, der eine Band leitet und den Künstlern erklären kann, was abgeht. Nicht nur die angenehmen Dinge, auch die schlimmen. Ich erzähle meinen Musikern immer erst die fürchterlichsten Sachen und wenn sie dann noch Musik machen wollen, dann können wir miteinander arbeiten."
Musik-Welt, die heile Welt... Wer sich ein wenig für die Szene interessiert, weiß eh, dass dem nicht so ist.
"Diese heile Welt wird einem auch woanders vorgegaukelt. Nehmen wir doch nur mal die Werbung. Überall Familie Sonnenschein, tolle Häuser - als gäbe es nichts schlechtes auf der Welt. Ich habe eine 13-jährige Tochter und bekomme das ständig mit. Die Jugendlichen werden von der Werbung beeinflusst.... diese und jene Hose ist nicht in oder dieses oder das. Früher gab es eben nicht soviel Werbung im Fernsehen..."
Wie auch, der massive "Fortschritt" kam in erster Linie mit den privaten Sendern. Und selbst, wenn ein wirklich guter Film mit Aussagekraft kommt, wird auch noch falsch betrachtet und ruminterpretiert.
"Bei Schwarzenegger muss immer alles Action sein. 'The Sixth Day', in dem er spielte, hat mit Action absolut nichts zu tun, es ging um das Klonen von Menschen. Aber ich bezweifle, dass tatsächlich die meisten Zuschauer nicht auf Action programmiert waren. Die Leute wollen oft den wahren Sinn einer Sache oder eines Filmes nicht verstehen. Aber genau das möchte ich meinen Kindern beibringen. Anstatt seine Kids mit Geld ruhig zu halten, sollte man ihnen Dinge erklären. Mein Sohn dachte auch, der Bankautomat würde jeden Tag aufgefüllt und spucke Geld einfach so aus."
Wie gesagt: Er dachte. Vergangenheit.

Eva-Maria Übelhack


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