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  Interview ::: VNV Nation
Review

Wir wollen kein One-Hit-Wonder sein. Und daran arbeiten wir.

Januar 2002

Dieses Interview fand vor dem Konzert im Rahmen der "Futureperfect"-Tour in der Live Music Hall in Köln statt. Holger Galla sprach mit Ronan Harris, dem Sänger der Band VNV Nation.

VNV Nation - Wir wollen kein One-Hit-Wonder sein. Und daran arbeiten wir. Weitere Inhalte zu VNV Nation

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?: Im Januar soll eure neue LP erscheinen. Wage doch mal einen Ausblick darauf!
!: Wir freuen uns sehr, endlich mit den Arbeiten fertig zu sein. Wir haben viel neues ausprobiert und umgesetzt. Einige der neuen Songs wirst du gleich auf dem Konzert hören. Lass' dich doch überraschen!
?: Wird es eine limitierte Auflage zum Album geben?
!: Ich denke ja. Wir haben mit Stefan Alt von Ant-Zen gesprochen - er würde das Artwork einer Box übernehmen. Jedoch steht der Inhalt noch nicht genau fest. Wahrscheinlich gibt es eine Bonus-CD oder DVD.
?: Habt ihr bisher ein Video veröffentlicht?
!: Nein, noch nicht. Wir planen, zu "Beloved" eines zu drehen. Allerdings kostet es sehr viel Geld. Wenn ich eines machen würde, würde ich es nicht billig machen. Nicht für 15 000 Mark... das Minimum liegt bei ungefähr 25 000 DM. Das ist natürlich sehr viel Geld. Wenn dieses Geld nicht irgendwie zurück kommt, lohnt es sich nicht, so eine Ausgabe zu tätigen. Das wäre eine verdammt bescheuerte Idee. Allerdings, eine Single wie "Beloved", einem Stück welches ein großes Publikum ansprechen soll, ist genau das Richtige für einen Videoclip. Wir denken, dass das eine Chance ist, unsere Musik einem breiteren Publikum zukommen zulassen. Speziell Viva 2 (R.I.P., Anm. des Verfassers) könnte Interesse an unserem Video haben. Leider ist die Akzeptanz für unsere Art von Musik bei den meisten anderen Musik-Sendern nicht sehr groß. Doch wenn wir eine erfolgreiche Aussicht haben, werden wir dieses Video machen.
?: Bands wie Project Pitchfork haben es doch vorgemacht: Mit ihren Clips erreichen sie die "Masse" und somit auch höhere Regionen der Charts.
!: Wir möchten keine Chart-Hits fabrizieren. Das sind ja hunderttausende von CDs. Die Kosten für einen Clip müssen über die Verkäufe der Single wieder hereinkommen. Es ist schließlich das Geld der Plattenfirma. Die sagen dann, dass mindestens 25000 Singles mehr verkauft werden müssen. Da wir aber insgesamt nur 25000 Singles verkaufen, eventuell mit einem Video 10000 mehr, lohnt es sich nicht. Niemand würde das verstehen, auf diese Art und Weise Geld zum Fenster heraus zu schmeißen. Es ist für mich sowohl eine Frage der Professionalität, als auch der Wirtschaftlichkeit.
Wie auch immer: Ich habe einige Ideen für den Clip, aber wir werden sehen müssen, was in nächster Zeit passiert.

?: Was denkst du über das Überangebot eurer Songs in den Clubs und die Tatsache, dass einige großartige Songs wie "See You In Hell" von Suicide Commando...
!: Ein hervorragendes Stück!!
?: ...irgendwann abgenudelt sind und überhaupt nicht mehr laufen?
!: Ich kann in die Köpfe der DJs nicht hineinschauen. Ich denke, dass Musik wie unsere zu oft gespielt wird. Wenn ich in einen Club gehe, möchte ich nicht unsere und ähnliche Musik die ganze Zeit hören. Ich denke, es gibt eine Menge gelangweilter Besucher, die diese Art von Musik überhaupt nicht mögen. Oder nur ab und zu. Nicht für sechs Stunden am Stück. Nur weil der DJ weiß, dass unsere Art von Musik sehr tanzbar ist und seine Tanzfläche gefüllt ist, sollte er nicht nur solches Zeug spielen. Das ist nicht gut. Wenn ich für eine Stunde Power-Noise höre, und ich liebe Power-Noise, würde ich es irgendwann hassen. Die Abwechslung muss stimmen!!
Ich weiß nicht, was das Geheimnis unserer Musik ist, dass sie total übergespielt ist in den Clubs. Ich mache Songs, zu denen ich selber gerne tanzen würde. Auch bei einem Remix wie dem von Suicide Commandos "Hell Raiser" brauche ich das Gefühl, dazu tanzen zu können. Ich weiß wirklich nicht, warum unsere Musik so fanatisch oft gespielt wird. Das muss doch für viele der Besucher total langweilig sein. Es ist nett, vielleicht einen oder zwei unserer Songs zu hören, aber fünf oder sechs... ich weiß nicht. Je mehr wir gespielt werden, umso weniger mögen uns die Leute. Das ist Fakt! Es wird trendy zu sagen, dass man die wirklich populären Bands nicht mag. "Ich hasse VNV, ich hasse Apoptygma, ich hasse diesen ganzen Futurepop-Scheiß." So hören sich diese trendy-people an. Und so soll es natürlich nicht sein! Aber sobald ein Stück von uns kommt, sind diese Typen als erstes auf der Tanzfläche. Verdammt schizophren!! Es gibt sehr viele Heuchler in der Szene.

?: Merkt ihr es bei euren Plattenverkäufen, wenn eure Songs in Clubs und auf Samplern überpräsent sind?
!: Auf Samplern sind wir nicht so oft vertreten. Es sind nur immer die gleichen Songs. Das Problem sind die DJs. Das Publikum ist irgendwann gelangweilt von uns. Und das wollen wir natürlich nicht! Es ist wie eine sehr hell brennende Kerze, die aber nur die Hälfte der Zeit einer normal hellen brennt. Wir wollen eine sehr lange Zeit Musik machen, so dass wir vermeiden wollen, der Geschmack für ein Jahr zu sein, und dann abgeschrieben werden. Wir wollen kein One-Hit-Wonder sein. Und daran arbeiten wir. Auf "Futureperferct" finden sich einige neue Styles, etwas abseits der Dancemusik. Außerdem achten wir schon seit jeher auf unsere Lyrics. Unsere Fans verstehen und mögen unsere Texte. Wenn nicht jedes Wort, so doch unsere Message dahinter. Sie fühlen die Emotionen in unseren Songs. Das unterscheidet uns von anderen Bands; wir haben keine Angst davor, unsere Herzen zu öffnen. In dieser Szene ist es sehr verpönt, zu emotional zu sein und gute EBM- oder Electromusik zu machen. Das ist der Unterschied zwischen den anderen Bands und uns. Deswegen mögen uns unsere Fans. Auf dem neuen Album gibt es Songs der "alten" VNV, und solche mit neuen Ideen. Es gibt keine neuen oder alten VNV, sondern nur VNV!!!
?: Ist das Gerücht richtig, dass ihr auf eurer Tour eine exklusive Live-CD verkauft?
!: Nein. Wir hatten es ursprünglich geplant, doch die Zeit reichte nicht, dies vorzubereiten. Wir werden eine Live-CD veröffentlichen, aber nicht auf den Konzerten. Wir waren sehr fleißig vor der Tour. So musste ich die Performance des Auftritts mit den Videosequenzen erstellen, die neuen Tracks einbauen und so weiter. Und wenn Millionen von Sachen erledigt werden müssen, braucht einiges mehr Zeit und anderes fällt einfach weg. That's it! Es war einfach nicht möglich, diese CD zu erstellen.
Es wird voraussichtlich im Mai eine Live-CD geben. Das Konzert heute Abend nehmen wir auf Video auf. Es soll nicht ein herkömmliches Live-Album werden, eher eine Kollektion von interessanten Dingen für die Fans. Ich mag die Idee einer nur-Live-CD nicht. Da muss mehr sein. Unveröffentlichtes Material, Mixe von Compilations, eben neues und seltenes in einem Fan-Pack. Das schwebt mir vor.
Wir hatten bei der "Standing"-Release-Show am Ende eine Art Gameshow, wo Leute aus dem Publikum Fragen beantworten mussten. Hatten sie die richtige Antwort gegeben, erhielten sie von uns eine Flagge der "Empires"-Tour. Es war sehr gut für uns: Jeder lachte und witzelte, es war ein großer Spaß für alle. Das sind für mich die speziellen Momente eines Konzertes.
Vielleicht gibt es eine DVD mit jeder Menge Material. Live-Tracks, uralte Stücke und eben seltenes Material. Vielleicht ein Kurzfilm? Wir wollen, dass unsere Fans uns gut kennen. Sie sollen sehen, wie wir sind. Wir sind mit unseren Fans, nicht daneben oder darüber. Wir sind nicht besser oder schlechter als unsere Fans. Wir sind welche von ihnen.

?: Du hast von Remixen gesprochen. Ich bin ein großer Fan von Phillip Boa. Erzähl doch mal die Story deiner Version von "So What"!
!: Hmm, ja, seine Plattenfirma fragte unseren Manager, und der sagte uns, dass das eine sehr gute Idee wäre, mal einen total anderen, genrefremden Song zu remixen. Ich sagte, dass ich niemals einen Song remixe, den ich nicht vorher gehört habe.
Am Ende hatte ich ein Wochenende Zeit und vorher keinen Ton des Tracks gehört. Es war für mich sehr befremdlich, das Ergebnis zu hören. Ich hatte die Musik Boas erzählt bekommen, war dann aber total überrascht, wie er sich wirklich anhörte. Das war nicht das, was ich erwartet hatte. Nachdem ich dann den Track erhielt und ihn bearbeitete, war ich nicht hundertprozentig davon überzeugt. Einige Teile des Stückes gefallen mir nicht. Aber die Zeit drängte, und das Ergebnis hast du ja gehört.

?: Ich finde den Track klasse!
!: Ich weiß nicht, aus welcher Motivation heraus wir dieses Stück remixen sollten. Vielleicht sollte Boa in der EBM-Szene Fuß fassen. Who knows?
?: Ihr benutzt sehr viele Samples in euren Songs - wie der von Apollo 8 beim Song "Genesis". Habt ihr mal daran gedacht, einige Samples von Industrial-Bands wie P.A.L. zu verwenden?
!: Ich habe eine eigene Philosophie beim Verwenden von Samples. P.A.L. macht seine Sache sehr cool, ich kenne ihn sehr gut, aber er verwendet sehr sonderbare Geräusche für seine Platten. Wir machen das auch, aber wir samplen nicht von anderen Bands. Ich mag Bands, die Samples intelligent einsetzen oder Sachen recyceln, aber dieser Puff Daddy-Weg ist mir äußerst zuwider. Es passiert häufig bei Tekkno und Trance, dass Songs von anderen Künstlern verwurstet werden. Das ist nicht sehr intelligent! Industrial ist für mich eine intelligente Musik, weil die Sounds gut genutzt werden. Nicht der Puff-Daddy-Weg. Das ist uncool.
?: Wie kreierst du einen Song?
!: Ich schreibe die meisten in meinem Kopf. "Forsaken" oder "Genesis" sind Songs, die ich in meinem Kopf geschrieben habe. Die Textidee gibt eine Melodie. Das ist ein großartiges Gefühl für mich. Wie ein Selbstläufer bildet sich nach und nach der komplette Song. Der Trick ist dann, im Studio diese Gedanken in Töne umzuarbeiten. Das ist sehr cool für mich.
?: Was ist für euch bei einem Konzert das Wichtigste?
!: Das Publikum soll etwas fühlen. Nur zu tanzen wäre oberflächlich. Das Gesamtkonzept eines Konzertes zielt auf die Emotionen der Zuhörer. Dort soll sich ein gutes Gefühl ausbreiten. Ein Konzert ist Entertainment, keine CD. Wir wollen mehr geben, als "nur" die Musik, wir wollen dieses gute Gefühl vermitteln. Wir arbeiten sehr hart, um dem Publikum eine befriedigende Show zu bieten. Ich weiß, dass unsere Fans das auch merken. Ich genieße es, zu sehen, wie die Besucher unserer Konzerte dieses genießen; ihre Augen schließen und alles auf sich wirken lassen. Das ist toll! Wir sind nicht Scooter. Wir kommunizieren mit den Zuhörern und feuern sie nicht nur an.
?: Was hörst du für Musik zu Hause?
!: Alles. Alles, was intelligent ist. Einige Chart-Sachen, sehr viel experimentelle Musik oder Klassik. Industrial, Elektro... es muss nur intelligent sein. Du würdest erstaunt sein, was ich alles höre! Es gibt einige wenige Styles, die ich nicht hören würde. Jazz, zum Beispiel.
?: Rap?
!: Ich hasse Rap! In Deutschland gibt es die Fantastischen Vier, die die Einflüsse des HipHops nutzen und sehr coole Musik machen. Aber normaler, langweiliger HipHop ist rein kommerziell. Die Plattenfirmen machen damit das große Geld und wollen den Hörern weis machen, dass diese Musik "alternative" ist! Totaler Unsinn! HipHop ist keine alternative Musik! Es ist eine Illusion. Es ist das gleiche, als wenn jemand sagt: "Rammstein ist die härteste Band der Welt!" Sind sie nicht!! Sie sehen so aus und du denkst es... es ist aber nicht so! Illusion! Soundgarden sind viel härter! Rammstein haben eine gute Formel, gute Gitarren, aber es gibt eben viel härtere Musik.
Was ich besonders hasse, ist jemanden auf Deutsch rappen zu hören!! Es hört sich so falsch an!! In den USA ist ein großer Teil der Bevölkerung afroamerikanisch. Diese Gruppe rappt authentisch. In Deutschland machen einem die Musikmedien vor, dass die Hälfte der Bevölkerung schwarz ist! Jeder, der nicht Deutsch aussieht, bekommt 6 Wochen Intensivtraining in Sprachgesang. Und einen Plattenvertrag. Das ist nicht authentisch. Rap kommt aus den Ghettos in den USA. In Deutschland gibt es keine Ghettos! Wer will mir in Magdeburg weis machen, dass er authentischen Rap macht? Es ist Musik, gemacht für 13-jährige Kinder! Sie müssen angezogen sein uns sprechen wie diese Bands! Irrsinn! Reiner Kommerz. Kein 35-jähriger sagt: "Diese Musik spricht mich an, diese Musik ist ein Spiegelbild meines Lebens im Ghetto!" Welches Ghetto? Zeig mir ein beschissenes Ghetto in Deutschland! Ich lebe in Hamburg und habe da einige schlimme Gegenden gesehen. Es sieht nichts annähernd so aus wie die Ghettos in Amerika! Es gibt keine richtigen Gangs in Deutschland.
Rap ist eine wütende Reaktion der Menschen, die mit Gewalt nach Amerika geschafft wurden. Niemand hat sie gefragt. Es ist eine Reaktion auf Rassismus und die Probleme der afroamerikanischen Menschen in den USA.
Ich stamme aus Irland. Dort ist es auch nicht leicht zu leben. Aber wir schreiben keine Songs wie " Hey, we're having a hard live in the ghetto..."

?: OK. Ich danke für das Gespräch.
!: Es hat viel Spaß gemacht. Ich danke dir!

Holger Galla


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