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  Interview ::: Carlos Santana
Review

Freier Geist und seltsamer Heiliger

Januar 2002

Carlos Santana kritisiert den Hurra-Patriotsimus der USA und bekommt Geburtstags-Besuch von Miles Davis

Carlos Santana - Freier Geist und seltsamer Heiliger Weitere Inhalte zu Carlos Santana

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Carlos Santana ist ein höflicher Mensch, einer, der leise spricht, wenn auch sehr bestimmt. Zur Begrüßung bedankt sich der Latino-Rockstar, der sein letztes Album "Supernatural" 22 Millionen mal und damit kaum weniger als alle seinen 35 vorherigen Alben zusammen verkaufen konnte, bei seinem Besucher sehr herzlich. Dafür, dass der in diesen unsicheren Zeiten den Mut aufgebracht hat, sich in ein Flugzeug zu setzen, das die USA ansteuert. "Wer das auf sich nimmt, der muss eine große Menge Energie in sich haben", sagt Santana. "Dass Sie gekommen sind, nur um mit mir über meine Musik zu sprechen, das berührt mich sehr. Danke".
Wir sitzen im Santana-Headquarter, einem kleinen Studio, gelegen in einem schäbigen Industrieviertel in San Rafael, 20 Autominuten südlich von San Francisco. Carlos Santana sieht gut aus. Die Haare scheinen gerade geschnitten, der typische Latino-Schnäuzer ist frisch gestutzt und er wirkt äußerlich so aufgeräumt, wie vielleicht nie zuvor in seiner langen Musiker-Karriere.
Fast ein wenig demütig wirkt er dabei auch und er bestätigt diesen Eindruck.
"Ich habe unter Schmerzen lernen müssen, Wut und Zorn, die meine ständigen Begleiter waren, zu überwinden".
Geholfen hat dem gebürtigen Mexikaner bei der Austreibung seiner Dämonen eine Psycho-Therapie, die er mehrere Jahre in Anspruch nehmen musste.
Schon im April 2000 hatte Santana in einem Interview mit dem Musik-Fachblatt "Rolling Stone" bekannt, dass er als Junge sexuell missbraucht worden sei, diese Erlebnisse später als junger Mann und Erwachsener dann aber nur allzu lange verdrängt hätte. Erst als seine Frau Donna, mit der der Musiker Branchen unüblich bereits seit beinahe dreißig Jahren zusammenlebt, ihn zu verlassen drohte, lenkte er ein.
"Ich fahre zwar auch heute noch manchmal aus der Haut", sagt er, "aber im Großen und Ganzen habe ich mich sehr gut unter Kontrolle." Denn die Bitterkeit, die ihn lange vergiftet habe, sei jetzt aus seinem Leben verschwunden. Erst danach sei ein Album, wie "Supernatural", überhaupt möglich gewesen. Mit "Supernatural" hatte der Altmeister des Latin- und Jazz-Rock, der längst nur noch von seinen großen Hits aus den Siebzigern Jahren zu zehren schien, wie "Samba Pa Ti", überraschend auch das junge MTV-Publikum gewinnen können. "Es ist etwas ganz besonderes sich plötzlich in dieser großen Familie wiederzufinden, in der sich Großeltern, Eltern, Teenager und sogar kleine Kinder mein Album anhören. Dafür bin ich sehr dankbar und ich glaube, dass ein tieferer Sinn dahinter steckt und dass mir eine besondere Aufgabe zukommt". Und dann zeigt dieser so sanft anmutende Mann, dessen Engagment gegen den Vietnam-Krieg lange zurückliegt, dass er auch heute noch längst nicht alles rosarot sieht. Im Gegenteil: Wenn es um Politik, insbesondere um US-Politik geht, dann scheint er streitbarer denn je. Als man in den USA nach dem 11. September landauf, landab in den "God Bless America"-Chor einstimmte, da wollte sich Santana nicht beteiligen. "Wissen Sie, in diesen Tagen wurde Patriotismus schnell zur Propaganda", sagt er. "Ich sehe mich als Weltenbürger, ich wünsche mir, dass die gesamte Menschheit gesegnet ist, nicht nur die Leute in den USA". Liebe sei der Weg, um die Menschen miteinander zu versöhnen und seine Musik könne da helfen. "Ein großer Teil gerade der US-Medien hat sich darauf eingeschworen uns allen die ganz große Angst zu verkaufen, nach den Anschlägen vom 11. September mehr denn je; Angst aber trennt uns voneinander. Ich dagegen will die Menschen zusammenbringen, und meine Musik kann ihnen diese Angst nehmen und Zuversicht geben". Und so soll auch sein nächstes Album, das er möglicherweise auf der Tour im Frühsommer vorstellen wird, ein eher sanftes Werk sein. "Ich glaube nicht, dass man so laut spielen muss, wie diese Heavy Metal Bands, um den Zuhörer etwas fühlen zu lassen. Musik muss keine große Anstrengung bedeuten, ich mache meinen Finger nass, halte in ihn die Luft und die Songs werden dann zu mir kommen", lacht er. Da ist er wieder, der etwas seltsame Heilige, den Santana hin und wieder auch nur allzu gern gibt. Und deshalb erfreut er den Besucher schließlich auch noch mit seinem Lieblingsthema, "Von Engeln und Teufeln". Da mag manch einer dann den Eindruck gewinnen, der Gitarrengott habe vielleicht doch irgendwann zu viele und auch zu schlechte Drogen konsumiert, Santana aber ist egal, was die Leute denken.
"Manche halten das für Hirngespinste, ich aber glaube an meine Träume, an Engel und Teufel. Ich stehe in regelmäßigem Kontakt mit dem Engel Metatron. Metatron ist der Baumeister der Körperlichkeit, ohne ihn könnten wir weder einen BigMac essen noch könnten wir uns die Hände waschen noch könnten wir Liebe machen". Mitte der 90er Jahre sei ihm dieser Engel während einer Meditation das erste Mal erschienen. Und seitdem schaue Metatron eben öfter mal vorbei. Genau wie kürzlich Miles Davis. Der ist zwar eigentlich schon vor Jahren verstorben, Santana aber schwört Stein und Bein, dass "Miles mich an meinem 51. Geburtstag besucht hat. Wir hatten dann eine Menge Spaß zusammen und haben einfach nur so rumgealbert. Das war cool!".
Ganz bestimmt ohne Miles Davis, aber mit "Special Guests" wird Santana ab Ende Mai auf den Festwiesen zu sehen sein.

Andreas Kötter


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