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  Interview ::: Type O Negative
Review

Frauen finden mich nicht attraktiv!

September 1999

Drei Jahre nach "October Rust" steht mit "World Coming Down" wieder ein neues Album der Chartanwärter um Aushängeschild Peter Steele in den Läden. Nur ihm war es seit den Anfangstagen der Band stets vergönnt, sich in allen erdenklichen Publikationen zu Wort zu melden, und seine Ansichten zu Depressionen und sexuellen Gelüsten zu schildern. Nun bestehen Type O Negative jedoch aus vier Personen, über die es noch einiges zu erfahren gibt. Thorsten Wilms schnappte sich Drummer Johnny Kelly, und befragte Ihn zu seiner Rolle bei den Brooklyner Düsterbarden und natürlich zu "World Coming Down".

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?: Der Release der neuen Scheibe ist über Monate hinweg immer wieder nach hinten verschoben worden. War es diesmal so schwer, Songs zu schreiben?
!: Oft war es nicht leicht, zugegeben. Einige Verzögerungen gehen jedoch auf das Konto des Managements und der Plattenfirma, die das Album lieber im Herbst veröffentlichen wollten.
?: Die Aufnahmen waren also fertig und warteten nur darauf, auf den Markt gebracht zu werden?
!: Wir sind von vornherein von einem Mitte-August-Release ausgegangen und sind auch rechtzeitig fertig geworden. Der späte Veröffentlichungstermin hatte halt mit Business-Angelegenheiten zu tun. Zwar war der eigentliche Plan, der auch vor einiger Zeit an die Presse kommuniziert wurde, "World Coming Down" im Frühjahr '99 zu veröffentlichen, das war jedoch noch mitten im Songwriting und plötzlich wurden Peters Songs immer besser und besser. In unserem Interesse haben wir den kreativen Prozess nicht unterbrochen und uns einfach mehr Zeit gelassen, anstatt zu sagen: "Ok, wir haben jetzt genug Stücke, lass uns ins Studio gehen". Die letzten Songs gehören zu den besten auf der neuen Scheibe, es hat sich also gelohnt.
?: Nun war im Vorfeld immer wieder zu hören, dass der "October Rust"-Nachfolger wieder mehr in Richtung des Debüts "Slow, Deep & Hard" tendieren würde. Wie sich jetzt herausstellt, sind die Unterschiede zu "October Rust" nicht so monumental, wie erwartet. Wo siehst du die Unterschiede zum Vorgänger?
!: Wir haben diesmal eine minimalistische Verfahrensweise bevorzugt und uns mehr auf die grundlegenden Elemente konzentriert. Die Produktion ist nicht so komplex, mit so vielen verschiedenen Spuren, wie auf "October Rust". Die Gitarren und die Bass Drum sind viel prägnanter und "in your face". Klar sind immer noch genug Gothic-Einflüsse neben den Metal-Riffs erkennbar, aber generell ist die neue Scheibe für meine Begriffe einfach eine Ecke heavier. Es zeigt unsere Wurzeln auf. Der Black Sabbath-Einfluss ist unverkennbar.
?: Habt Ihr je darüber nachgedacht, eine Platte aufzunehmen, die wirklich zurück zu den Wurzeln, also zu eurem Debüt geht und die neuen Gothic-Fans richtig schocken würde?
!: Nein, wir setzten uns nicht hin und überlegen uns im Vorfeld, in welche Richtung die nächste Veröffentlichung gehen soll. Es passiert einfach so. Peter spielt uns seine neuen Riffs vor und wir jammen zusammen. "World Coming Down" ist das Resultat daraus. Nichts ist kalkuliert, sondern alles einfach Gefühl.
?: Neue Songs im Proberaum zu jammen - hört sich nach einer Menge Spaß an. Trotzdem sind die neuen Stücke negativer als je zuvor. Ist es nur Peter oder ist die gesamte Band ein eher depressives Kollektiv?
!: Wir alle sind unglücklicher als je zuvor!
?: Für euch hat das Leben keine positiven Seiten?!
!: Natürlich gibt es auch positive Aspekte in unserer Existenz. Es ist allerdings schwer, sie zu finden, zu einer anderen Einstellung zu gelangen. Wir versuchen, mit dieser Art Hoffnungslosigkeit zynisch umzugehen und klarzukommen.
?: Sind denn deine persönlichen Ansichten und Erfahrungen in Peters Texten und seiner Musik repräsentiert?
!: Mit vielen seiner Texte kann ich mich definitiv persönlich identifizieren. Ich selber habe zwar z.B. keine Erfahrung mit der Abhängigkeit von chemischen Drogen gemacht, allerdings habe ich in meinem Leben genug Menschen gekannt, die darunter gelitten haben, sodass der Umgang damit auch ein Teil meiner Erfahrung geworden ist. Mit der Abhängigkeit kann ich mich also nicht identifizieren, dafür um so mehr mit den Konsequenzen. Auch das dominierende Thema auf "Word Coming Down", der Verlust von geliebten Menschen, betrifft mich persönlich. Leider öfter als mir lieb ist. Freunde von mir sind wirklich schreckliche Tode gestorben. Nachdem wir nun schon so lange als Band zusammen sind, weiß ich aber auch, wie die Jungs denken und reagieren. Mir ist bewusst, was die anderen durchmachen, wenn sie Probleme haben. Jeder von uns fühlt das. Es passiert uns zwar nicht direkt, aber dieser mentale Abstieg einer Person reißt uns alle ein Stück runter.
?: Im Gegensatz zu anderen Menschen hast du allerdings eine Möglichkeit, deine negativen Gefühle bei Konzerten und beim Songwriting zu entladen. Außerdem sollte dir doch deine Familie etwas Rückhalt geben, oder?
!: Klar tut sie das. Bei Kenny ist es so, dass nur der Gedanke an seine Tochter ihm im Moment durch's Leben hilft. Musik kann dir jedoch nur für einen Moment das Gefühl geben, dass alles in Ordnung ist. Für einen Zeitraum wird ein schönes Bild über dein Leben und deine Misere gelegt. Manchmal macht es dagegen alles nur noch schlimmer. Musik ist für uns alle wirklich sekundär. Wir haben wichtigere Dinge, mit denen wir uns mental beschäftigen. Würden wir einfach Musik machen, und für die Fans spielen, die sie hören wollen, wäre das schön. Leider ist man so viel mehr involviert. Nach so vielen Jahren sind wir einfach völlig fertig, durch all die Probleme, die immer wieder auftreten.
?: Zum Beispiel mit der Plattenfirma?
!: Zum Beispiel. Jeden Tag passiert irgendeine neue Scheiße. Du fragst dich immer wieder: "Wie konnte das passieren", und so etwas macht jeden Menschen mürbe. Das einzig Schöne am Tag ist, wenn wir auf der Bühne stehen. Wenn ich merke, dass Menschen unsere Musik genießen, bin ich glücklich. Die anderen 23 Stunden musst du aber immer noch irgendwie 'rumkriegen.
?: In wie weit kannst du dich beim Songwriting einbringen?
!: Jeder in der Band spielt eine Rolle beim Schreiben der Songs. Peter ist natürlich der kreative Kopf der Band und bringt die meisten Riffs mit in den Proberaum. Diesmal waren wir etwas spontaner als sonst. Es existierten nur einige Ideen, und wir alle zusammen haben daraus die Songs gebastelt. Die Spontaneität war diesmal scheinbar wichtig, da ich mit dem Resultat sehr zufrieden bin.
?: "Word Coming Down" ist objektiv betrachtet etwas weniger kommerziell als "October Rust". Ist euch klar geworden, dass eine Band, die solche Hasstiraden wie "Der Untermensch" fabriziert hat, sich einfach nicht zu poppig und romantisch geben kann?
!: Bei "October Rust" haben wir das Thema Sexualität ausgereizt. Das ist der einzige Grund, warum wir in eine andere Richtung gegangen sind. Dies geschah auch einfach aus Gefühl und nicht, weil wir der Meinung waren, jetzt genug über Sex geredet zu haben. "World Coming Down" erzählt unsere Erfahrungen der letzten drei Jahre.
?: Die verminderte Kommerzialität kann man besonders am Keyboard festmachen, das diesmal lange nicht so dominant eingesetzt wurde, wie noch auf dem Vorgänger. War Josh Silver, (Keyboards) mit dieser Änderung einverstanden?
!: Wir fühlen uns alle damit wohl. Während wir die Songs geschrieben haben, gab es keine Einwände und auch Josh ist mit dem Album mehr als zufrieden. Es ist ja nicht so, dass wir absichtlich weniger Keyboards in die Stücke integriert haben. Die Songs geben selber die Instrumente vor, die sie brauchen. Wir müssen da nicht künstlich nachhelfen. Auch in seiner Rolle als Produzent hätte Josh Kritik an der Gitarren-Dominanz üben können, was er nicht tat. Wer bei Type O Negative spielt, sollte sein Ego besser zu Hause lassen, denn wir werden bestimmt keinen Platz für Solo-Eskapaden einräumen. Was nicht in das Stück passt, bleibt auch draußen.
?: Noch mal zum Thema Sexualität: Du bist ein verheirateter Mann. Ist es nicht schwer für dich, bei jedem Konzert das Sex-Image zu wahren, ohne auf die zahlreichen Einladungen der Frauen einzugehen?
!: Frauen finden mich nicht attraktiv! Die, die mich attraktiv fand, habe ich geheiratet. Ansonsten ziehe ich nur hässliche Frauen an. Ich habe aber auch nicht mit der Musik angefangen, um Frauen kennenzulernen.
?: Die sexuellen Phantasien auf "October Rust" haben also nichts mit deinem Lebensstil gemein?
!: Das bin definitiv nicht ich! Nichts von dem ist mir je passiert. Einige von uns - ich will keine Namen nennen - singen natürlich über Erfahrungen aus erster Hand.
?: Belastet es dich, dass es immer Peter ist, der für das sexuelle Image von Type O Negative steht und dadurch auch den Ansprechpartner für derartige Offerten darstellt?
!: Nein. Ich wäre ein sehr verbitterter Mensch, wenn dem so wäre. Ich sehe mich selber nicht als verbitterten Menschen.
?: Eben sagtest du aber, du wärst ein negativ eingestellter Mensch?!
!: Ja, bis zu einem gewissen Grad. Ich nenne mich jetzt einfach mal einen realistischen Menschen.
?: Ist Peter zu präsent in der Öffentlichkeit? Wertet das für deine Gefühle nicht den Rest der Band etwas ab?
!: Nein. In der gesamten Geschichte der Rockmusik sieht man Bands, die eine Person hatten, die im Vordergrund steht und als Sprecher funktioniert. Gerade Drummer sind selten die Bandsprecher. Wir sind einfach nicht so mitteilungsbedürftig. Ich zum Beispiel fühle mich wirklich unwohl im Rampenlicht. Wer hat schon viele Interviews mit Charlie Watts (Rolling Stones - Anm.d.Verf.) oder John Bonham (Led Zeppelin - Anm.d.Verf.) gelesen? Diese Menschen sind meine Vorbilder. Ich weiß, was ich für die Band tue, und brauche keine Lobhymnen über mich in der Presse zu lesen.
?: Seht ihr euch, wenn ihr nicht auf Tour seid?
!: Eher selten. Kenny und ich haben Familie, während Josh und Peter sich nicht allzu oft unter die Menschen mischen wollen. Klar kommt es mal vor, dass wir zusammen abhängen, zu einer Show gehen. Ich bin großer Rockfan und versuche, die Bands zu sehen, die in der Stadt sind.
?: Was war das letzte Konzert?
!: The Cult. Ich hatte sie noch nie gesehen und sie waren großartig! New-York-Hardcore oder Thrash Metal reizen mich nicht mehr so, seit ich kein Teenager mehr bin. Ich schätze zwar immer noch die Energie, die diese Art von Musik freisetzt, aber musikalisch interessiert mich mittlerweile mehr die Musik, die schon mein Vater gehört hat: Black Sabbath, Led Zeppelin, Rolling Stones, Beatles. Klassischer Rock mit Melodie eben.
?: Apropos Beatles: Wie kam es zur Coverversion von "Day Tripper" auf der neuen Scheibe?
!: Peter wollte immer mal einen Song der Beatles covern und während eines Soundchecks hat er einfach ein bisschen rumprobiert. Das Riff ist genial und passt in den Kontext von "World Coming Down". Eigentlich haben wir damals nur so aus Spaß ein Demo von dem Song gemacht. Das ist dann so gut geworden, dass wir das Stück auf dem Album haben wollten.
?: Peter hat seine alte Band Carnivore vor drei Jahren für eine Reunion-Tour zusammengetrommelt (der ich beiwohnen durfte - Anm.d.Verf.). War der Zeitpunkt - Type O Negative mussten sich endlich nicht mehr zu Nazi-Vorwürfen äußern - nicht etwas schlecht gewählt?
!: Für Peter war es reine Nostalgie. In Amerika hat niemand ein Problem damit gehabt. Peter und die Carnivore-Jungs sind Freunde und wollten einfach noch mal ein bisschen Spaß zusammen haben. Carnivore waren nie mehr als zynisch und schockierend und deshalb auch so beliebt. Guck dir Marilyn Manson an. Jeder möchte einfach ein bisschen böse sein und steht deshalb auf die Musik. Mir sind solche Aspekte nicht mehr so wichtig, da ich seit damals etwas älter und reifer geworden bin.
?: Welches Type O Negative-Album favorisierst du persönlich?
!: Je nach Laune "Slow, Deep & Hard", obwohl ich damals noch gar nicht in der Band war oder mittlerweile auch "World Coming Down".

Thorsten Wilms


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