copyright discover koeln, 2002 werbung
discover - musik & mehr
  CD-Reviews Interviews Stories News Touren Bücher und Comics Sound & Video Bandlinks, Labellinks, Surftipps Die aktuellen MP3- und Videocharts  
Finden
 

Mr. Undercover
Werbung ist wie Teflon

Lieblingstouren

anzeige
anzeige
 
  Interview ::: Covenant
Review

Covenant ist als ein Brief ohne Absender gedacht

vor 2001

Covenant haben hierzulande mit ihrem Debüt-Album "Dreams Of A Cryotank" einen Riesenerfolg erzielt. "Theremin" gehört längst zum Standardrepertoire in den einschlägigen Clubs. Mit "Speed" bescherte auch die folgende Maxi "Figurehead" dem Trio aus dem Land der Blockhütten einen Tanzflächenfüller. Mit dem zweiten Longplayer "Sequencer" schütteln die skandinavischen Elektriker ein weiteres Ass aus dem Elchfell-Mantel. Helmar Giebel sprach mit Joakim Montelius, dem Frontmann der Band.

Covenant - Covenant ist als ein Brief ohne Absender gedacht Weitere Inhalte zu Covenant

United States Of Mind (Limited Edition) (CD)
Sequencer (CD)
Bandpage
 
?: Erzählt doch bitte mal etwas aus eurer Vergangenheit. Seit wann gibt es die Band und wie kam es zur Gründung?
!: Ende der 80er arbeiteten wir an verschiedenen Projekten. Irgendwann meinten wir, genug experimentiert zu haben, und beschlossen, ein ernsthaftes Projekt zu starten. Wir tauften es Covenant. Es dauerte schließlich noch ein Jahr, bis wir zu unserem Sound gefunden hatten. 1992 nahmen wir dann "Replicant" für die Memento Materia Compilation "Autumn Leaves" auf. Die Jungs waren begeistert und verlangten ein komplettes Album. So spielten wir zwei Jahre später "Dreams Of A Cryotank" ein. Es war ein gewaltiger Erfolg, plötzlich waren wir eine ziemlich populäre Band. Für die Presse galten wir als die Helden der EBM in Schweden. Ich glaube, unser Konzept, Musik nur für uns selbst zu machen, ohne auf die Erwartungen der Hörer zu schielen, ist der Schlüssel zum Ganzen. Wir haben auf der Suche nach einem individuellen Sound immer schon unser eigenes Ding durchgezogen. Das macht sich früher oder später bezahlt. Mit dieser Einstellung kommt man ohnehin besser im Leben zurecht.
?: Wo würdet ihr euch selbst innerhalb der Musikszene ansiedeln?
!: Drei Dinge sind uns sehr wichtig: Melodie, Geräusche und Geradlinigkeit. Ich meine damit, dass wir Musik und Melodien aus Geräuschen und nichtmusikalischen Sounds erzeugen. Hat man keine klare Vorstellung von seiner Arbeit, wird das Ergebnis eine unbedeutende Suppe aus unorganisierten Sounds sein. Es ist essentiell wichtig, sich stets vor Augen zu halten, dass Musik erst durch Melodien zu Musik wird. Sonst wäre es Klangkunst, oder einfach dilettantische Scheiße. Viele Elektronik-Bands verschanzen sich hinter einem Berg von gewaltigen Sounds und verlieren dabei die Musik aus den Augen. Wir gehen den anderen Weg, und benutzen Geräusche und Klang-Strukturen als Grundlage für Songs. Die Musik wird dann zur Melodie der Geräusche. Ich würde sagen, Covenant ist Popmusik, gemacht aus Geräuschen mit schweren Dancebeats und sinnvollen Texten.
?: Worum geht es denn in diesen Texten?
!: Meistens sind es Reaktionen auf Aspekte unserer Welt im allgemeinen und auch persönliche Überlegungen über uns selbst; die "Fakten des Lebens", um es mal einfach auszudrücken. Es ist uns wichtig, mit unseren Texten auch wirklich etwas auszudrücken. Dies darf aber nicht zu explizit geschehen. Die Leute sollen sich schon noch ihre eigenen Gedanken machen.
?: Wie siehst Du die Entwicklung von "Dreams Of A Cryotank" hin zu "Sequencer"?
!: Wir wollten weniger bombastisch klingen. Wir haben seit vier Jahren dasselbe gemacht. Jetzt war es an der Zeit, sich weiterzubewegen. Dabei hatten wir die Idee, Sequencer als Instrument zu benutzen, mit ihnen, anstatt gegen sie zu arbeiten. Dies wird ganz offensichtlich im mehr mechanischen, monotonen Sound von "Sequencer".
?: Neben "Theremin" gefällt mir "Feedback" bisher von euch am meisten.
!: "Feedback" ist auf dem geräuschvollen Loop zu Beginn des Songs aufgebaut. Wir zerlegten ihn in seine Einzelteile und setzen diese wieder neu zusammen. Im Text geht es um die trügerische Sicherheit, sich dem allgemein akzeptierten Werten zu fügen. "Theremin" ist sehr einfache EBM. Da geht es um gefährliche menschliche Fähigkeit der Selbsttäuschung, von der ich glaube, dass sie eins der Hauptübel in der Welt ist. Es ist einfacher zu lügen, als für seine eigene Meinung einzutreten. Überhaupt glauben die Menschen zu sehr an bestimmte Leitfiguren und Autoritäten. Der Titel des Songs hat damit aber nichts zu tun. Es ist dem russischen Erfinder Leon Theremin gewidmet, der vor vier Jahren verstarb. Er war einer der ersten, wenn nicht der erste überhaupt, der im Jahr 1917 einen Synthesizer konstruierte. Diesen Synthie hörst du z. B. auf "Good Vibrations" von den Beach Boys oder auf "Mysterons" von Portishead als einen vibrierenden, gespenstischen Wellen-Ton, als wenn man auf einer Säge spielt. Er wahr ein Genie.
?: Kann man die Beach Boys etwa zu euren musikalischen Einflüssen zählen?
!: Nein, eigentlich nicht. Wir stehen auf geradlinige, ganzheitliche und konsequente Musik. So zu finden bei Bach, Kraftwerk, Steve Reich, Skinny Puppy, Aphex Twin und alten Sachen von Non.
?: Gibt es andere Arten von Einflüssen?
!: Wir lesen sehr viel und lassen uns von Philosophie, Geschichte und Mythologie stimulieren. Der römische Dichter Lucius Seneca ist dabei sehr wichtig. Paul Auster, ein afro-amerikanischer Poet aus den 60ern, der französische Philosoph Michel Montaigne, Science Fiction von Philip K. Dick, Aldous Huxley, Nietzsche, mittelalterliche Theologie, etc. etc. Filme, Kunst, TV, Comics, Alkohol, Politik, Wissenschaft, Natur, Katastrophen, Genüsse, und das Leben allgemein inspirieren uns.
?: Was wollt ihr mit eurer Musik rüberbringen?
!: Covenant ist als ein Brief ohne Absender gedacht. Wie in der Mythologie ist es nicht von Bedeutung, wer wir sind oder was wir sagen wollen, alles sollte sich beim Empfänger abspielen. Insofern möchten wir auch nichts auf den Hörer übertragen. Wir versuchen ein Gefühl von etwas "Größerem als das Leben", etwas Außergewöhnlichem und Würdevollem zu kreieren.
?: Wie muß man sich die (elektronische) Musikszene in Schweden eigentlich vorstellen?
!: Diese Musikszene ist bei uns sehr groß. Es gibt eine Unmenge von Bands und ein paar Labels, wie z. B. Memento Materia, Cold Meat Industry, Energy Rec. oder October. Die meisten Bands spielen Synthie-Pop. Die Industrial-Szene ist da schon wesentlich interessanter. Wir haben einige wenige wirklich gute Industrial-Bands, die meisten beim Cold Meat Industry-Label. Brighter Daeth Now ist z. B. so ein Favorit von uns. Ein anderer Industrial-Act, der auch einige Remixe für uns gemacht hat, ist Central. Insgesamt ist elektronische Musik in Schweden sehr lebendig. Es gibt eine Menge Festivals und Konzerte überall bei uns.
?: Wie sieht es mit deutschen Bands bei Euch aus?
!: Die großen deutschen Elektro-Bands, die bei uns auch vertrieben werden, sind in der schwedischen Presse sehr bekannt. Die ganze deutsche Elektro-Musik ist bei uns ziemlich angesagt. Leider erhält man bei uns keine deutschen Musikmagazine. So sind die neuen oder kleineren Bands bei uns dann doch eher unbekannt. Da haben es die britischen Underground-Bands schon besser. Schweden ist in vielen kulturellen Bereichen sehr von England und den USA beeinflusst. Deswegen sprechen wir auch ein gutes Englisch und schlechtes Deutsch.
?: Was ist eigentlich ein "Cryotank"?!
!: Das ist ein Container, der durch Einfrieren lebende Organismen aufbewahren kann. Der träumende Cryotank ist allerdings pure Science Fiction. Der schwedische Philosoph Lars Gustafson brachte uns damals auf diese Idee. Es ist ein Lebensrettungs-Container, gefüllt mit Mikroorganismen, die in einer Form von symbiotischer Kooperation künstliche Intelligenz entwickeln. Wir überlegten, was so eine Existenz wohl träumen mag und beschlossen, ihr einige von unseren Träumen zu schenken. Der bekannteste Cryotank ist übrigens der gute alte Kühlschrank, der unser Bier kühlt.
?: Danke für das Interview!

Helmar Giebel


  Covenant bei ebay

 

CD-Reviews

DVD-Reviews

News

Tourtips

zurück | nach oben

Anzeige: Tank leer? Dann jetzt Shell Gutschein gewinnen!

 

Homepage    CDs    Interviews    Stories    News    Touren    Gedrucktes    Sound & Video    Links    Charts   
Impressum    Mediadaten    Sitemap   

Copyright © discover, Bergisch Gladbach 2007