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  Story ::: Unbelievable Truth
Review

Keine leichte Kost, keine reine Unterhaltung und schon überhaupt kein Entertainment

vor 2001

Mitte Februar in London, normalerweise eine Zeit der neblig-feuchtkühlen Tristesse in der Themse-Metropole. Doch seit El Nino ist alles anders, heute stehen die Stühle und Tische der Pubs an der Straße, noch um elf Uhr abends sitzen dort lediglich in Pullover gehüllte Gäste und genießen ihre "last order".

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Mich jedoch zieht es in die unteren Regionen des Borderlines, eines urgemütlichen Clubs im Herzen Londons in der Nähe der Oxford Street. Das Ladenlokal ist prall gefüllt mit Gästen, die bereits seit knapp einer viertel Stunde vergeblich versuchen, den Klängen einer eher mäßig begabten Band zu entkommen. Das können nicht die angekündigten Unbelievable Truth sein, denke ich, bevor es mir gelingt, die Treppe ganz hinunterzusteigen und einen Blick auf die vier Aushilfsmusiker zu werfen. Keine Ahnung wer das ist, es lohnt auch nicht die Mühe, beim Ende des Sets auf den nochmals erwähnten Namen zu achten, es wird lediglich klar, daß diese Band nur deshalb spielen darf, weil es sich um Freunde von Andy Yorke handelt.

Andy Yorke, das ist der Sänger von Unbelievable Truth und, richtig geraten, der kleine Bruder von Thom Yorke. Ihn umgibt dieselbe melancholische Aura, wenn er die Songs des Debüt-Albums "Almost Here" vorträgt wie seinen Bruder und er versteht es genauso, die Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Jegliche Aufmerksamkeit gilt ihm, die Band wird zur angenehmen Staffage degradiert, was angesichts der Qualitäten der Musiker, besonders des Drummers Nigel Powell, schon ein bißchen schade ist.

Doch wessen Muttersprache Englisch ist, der hat an diesem Abend nur Augen und Ohren für Andy, der tatsächlich leidet, wiederaufersteht, zu Tode betrübt und heftig verliebt zu sein scheint, wenn er von diesen Zuständen singt. "Wir machen keine reine Pop-Musik", erklärte er noch ein paar Stunden zuvor im Interview und im reinen Sinne von Pop behält er mit seiner Live-Interpretation auch recht.

Unbelievable Truth live ist keine leichte Kost, keine reine Unterhaltung und schon überhaupt kein Entertainment. Áber es ist auch kein Abend für verliebte Pärchen, die glauben, sich in melancholisch-romantischer Atmosphäre dem Träumen hingeben zu können. Denn dazu gibt es zu oft die aufrüttelnden Momente, wo Unbelievable Truth laut werden, wo Andy seinen Weltschmerz, aber auch seine Erleichterung hinausschreit.

Nach drei Zugaben ist das noch übersichtliche Repertoire der Band erschöpft, Andy bedankt sich artig, ja fast devot beim Publikum, doch immer umspielt ein optimistisches Lächeln seine Mundwinkel. Ein Lächeln, daß wir auch hierzulande bald erleben dürfen und das zum milden Februarklima in London paßt.

Ralph Buchbender


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