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DJMDG: Schluss, aus!

20.08.2004

Tobias Schacht a.k.a. Der Junge mit der Gitarre verabschiedet sich aus der deutschen Musikwelt. Was ihn zu diesem Entschluss gebracht hat und was er zukünftig machen möchte, lest ihr weiter unten in seiner Abschiedsmail.
Wir wünschen dir, Tobias, alles Gute und viel Erfolg mit dem, was du dir für die Zukunft wünschst!

Die ungekürzte Abschiedsmail von Tobias:
Sehr geehrte Partner, Journalisten, liebe Fans und Freunde,

hiermit möchte ich bekannt geben, dass ich meinen Weg als Junge mit der Gitarre beenden werde. Ich habe mich dieser Rolle 7 Jahre verpflichtet gefühlt und alles versucht, diese meine Sache voran zu treiben. Es ist mir mal mehr, mal weniger gelungen. Unterm Strich bin ich sehr stolz auf das, was ich erreicht und geleistet habe. Ich habe um die 50 Songs komponiert, zwei Alben und drei Singles veröffentlicht, ca. 300 Konzerte gespielt und auf diesem Weg nicht wenigen Leuten große Freude bereitet. Ich durfte viele große Musiker und Persönlichkeiten kennen lernen und habe aus diesen Reihen auch viel Anerkennung erhalten. Es waren sieben spannende und sehr lehrreiche Jahre.

Gleichzeitig wurde wohl kein deutscher Künstler der letzten Zeit so aggressiv angefeindet wie DJMDG. Dies vor allem von den Medien, die ich (so absurd es auch klingt) für ihr Engagement für andersartige Musik schätze. Diese konsequente Ablehnung führte soweit, dass man mir jegliche musikalische Existenzberechtigung abgesprochen und meine Fans damit quasi zu Idioten erklärt hat, was sie sicher nicht sind. Noch heute werde ich auf meiner Internetseite regelmäßig anonym übel beleidigt und teilweise droht man mir sogar mit körperlicher Gewalt, falls ich meine "schwule und beschissene" Musik weiter fortsetze. Dementsprechend mache ich mir keine Illusionen: In einigen Büros und Redaktionen werden jetzt die Korken knallen.

Sicher habe ich im Umgang mit den Medien auch vieles falsch gemacht. Ich konnte mich noch nie gut verkaufen und lehne bis heute viele Umgangsformen und Mechanismen der Musikindustrie und der Medienlandschaft im Allgemeinen schlicht ab, da ich sie nicht nur für fragwürdig und anmaßend sondern objektiv für menschenverachtend halte. Konsequenterweise muss ich einsehen, dass es für mich hier keinen Platz gibt, zumindest keinen an dem ich glücklich oder verstanden werden könnte.

Sicher ist aber auch, dass DJMDG von vielen Veranstaltern, seriösen Journalisten und Musikkennern als einzigartige Bereicherung der deutschen Musikkultur angesehen wurde. Ich weiß nicht mehr, wie viele Menschen auf meiner letzten Tour zu mir kamen und mich zum Weitermachen und Durchhalten ermutigen wollten. Es war so häufig, dass ich es fast nicht mehr hören konnte. Diesen Leuten gilt mein großer Dank, zumal ich viele neue Freunde gefunden habe, die mich hoffentlich auch in Zukunft begleiten werden. Euch allen möchte ich sagen, dass ich einfach nicht mehr kann. Ich hoffe ihr habt ein wenig Verständnis dafür.

Große Anerkennung und kompromisslose Ablehnung begegneten mir von Anfang an, dazwischen gab es fast nichts. Ich selbst fand das immer schade, habe aber auch meinen Teil dazu beigetragen. Unterm Strich ist die Situation festgefahren und insoweit perspektivlos, als dass ich keine Chance mehr sehe, meine Musik zu machen, ohne zwangsläufig missverstanden oder diffamiert zu werden. Das möchte ich für mich als Mensch einfach nicht. Dafür habe ich meine Musik nicht gemacht und ich denke, dass niemand, der sich für eine Sache derart leidenschaftlich einsetzt, wie ich es als DJMDG getan habe, so etwas verdient hat oder sich einem solchen Verhalten notwendigerweise aussetzen muss. Dass ich auch selbst zu manchen Leuten beleidigend war und kein Kind von Traurigkeit bin, streite ich nicht ab, weshalb Niemandem ein Vorwurf zu machen ist. Wirklich verstanden habe ich mich jedoch zu keiner Zeit gefühlt.

Trotz meiner Kapitulation vor der Situation möchte ich mich nicht einfach aus dem Staub machen, weshalb ich noch bis Ende Januar 2005 zu buchen bin. Danach ist endgültig Schluss. Ich möchte keine Abschiedstournee oder ähnlich theatralischen Scheiß, jedoch bin ich mir sicher, dass es nicht Wenige gibt, die ein letztes Mal mit mir die Songs feiern möchten. Dies ist somit zumindest möglich.

Ich danke allen, die mich unterstützt haben. Viele werden mich fragen, was ich nun tun will. Ich weiß es nicht. Ich würde gerne mein Wissen weitergeben, vielleicht andere Bands produzieren, mein erstes Buch zu Ende schreiben, selber journalistisch arbeiten oder wieder studieren. Ob ich mich noch einmal in diesem Maße der öffentlichen Beurteilung aussetzen werde, wage ich zu bezweifeln. Vielleicht werde ich dieses Land auch für eine Weile verlassen. Es ist wieder alles offen - und dieser Gedanke tut verdammt gut.

Don't look back in anger

Tobias Schacht

 
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